ſo etwas gefühlt haben, denn in den letzten Tagen, wann er allenfalls ein Mal nüchtern war, hat er es öfters ausgeſprochen:„Ich ginge nicht, wenn ich den Accord nicht ſchon geſchloſſen hätte!“ Aber des Morgens, als er in die Eiſenbahn ſtieg und zum letzten Mal ſein heimathliches Dörſchen im Glanz der Morgenſonne vor ſich liegen ſah, war ihm ein lichter Augenblick vergönnt. Er ſah, wie von einem
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grellen Blitz beleuchtet, das Einſt und Jetzt. Vergangenheit, Gegen⸗ wart und Zukunft ſchienen ſich in einem Punkte zu berühren.
Unter ſchrecklichem Schluchzen ſtammelte er zur Heimath hin⸗ über:„Ihr habt mich zu Grunde gerichtet!“ Aber ſchon war der Zug im nahen Tunnel verſchwunden. Man hat nie wieder etwas von ihm gehört.
Meine kleine Hausapolheke. Von Dr. Dyrenfurth.
III. Die Kamille.)
Die Blüthe der über ganz Deutſchland verbreiteten gemeinen Kamille mit ihrem kräftigen, aromatiſchen Geruch, ihrem bitterlich gewürzhaften, leichtes Aufſtoßen und Uebelkeit erregenden Geſchmack und ihrem ganzen anheimelnden Weſen iſt eines der populärſten Haus⸗ mittel und hat ſich ſchon von Alters her das Bürgerrecht in dem vaterländiſchen Hausarzneiſchatz errungen. Sie gleicht einer barm⸗ herzigen Schweſter, die mit mildgeſchäftiger Hand gar viele Nöthen und Schmerzen lindert und als vertraute Freundin beſonders der Frauenwelt ans Herz gewachſen iſt. Dieſe ihre große Beliebtheit verdankt ſie ihren eigenthümlichen Beziehungen zu krampfhaften und ſchmerzhaften Zuſtänden der Unterleibsnerven, und zwar ſowohl des Darmkanals, als auch ſolcher, welche auf einer krankhaften Verſtim⸗ mung der weiblichen Sphäre beruhen. In allen aus geſteigerter Empfindlichkeit der Unterleibsnerven hervorgegangenen Beſchwerden, bei Magenkrampf, Blähungskoliken, Nervenzufällen hyſteriſcher und hypochondriſcher Natur, Durchfall und Darmſchmerz in Folge von Erkältungen, bei gewiſſen, häufig mit Schmerzen verbundenen Proceſſen des weiblichen Organismus wirkt ein Kamillenaufguß— man bereitet ihn durch Aufbrühen von 2 bis 4 Quent der Blumen mit einigen Taſſen heißen Waſſers— krampfſtillend, blähungstreibend, beruhigend.
Namentlich entwickelt der Kamillenthee eine ausgebreitete Thätig⸗ keit in der Wochenſtube. Dort hat dieſer Lieblingsgaſt des ſchönen Geſchlechts förmlich ſeinen Wohnſitz aufgeſchlagen. Nach altem, geheiligten Herkommen wird der guten Wöchnerin, wie vor, ſo nach der Entbindung die Kamille faſt quartweiſe eingegoſſen und auch das junge Leben damit gepeinigt. Der Kamillenthee ſoll alles Weh und alle Wehen ertränken. Und wenn die Aermſte vor Durſt verſchmachtete, Waſſer bleibt ihr ſtreng verpönt. Mit dem warmen Labetrank muß die Wöchnerin— ſo gebeut die Alteweibermedicin— Durſt und Hunger löſchen, Kamillenthee muß gut ſein gegen das Fieber, gut gegen Kälte und gut gegen Hitze.
Vor einer ſolchen mißbräuchlichen Verwendung des ſonſt mit Recht beliebten Hausmittels muß aber ernſtlich gewarnt werden. Das Ueberfluten des Nahrungskanals mit warmem, blähendem, auftrei⸗ bendem Thee bewirkt vermehrte Abſonderung von Flüſſigkeiten, ſteigert Entzündungen und kann Wallungen im Gefäßſyſtem, ja gefährliche Blutungen hervorbringen. Im Uebermaß genoſſen, erſchlafft die Kamille ferner den Magen, verdirbt die Verdauung und erregt Ekel uund Erbrechen. Beſteht doch gerade eine der wohlthätigſten Gebrauchs⸗
weiſen der Kamille in der Beförderung und Erleichterung des Erbrechens nach Verabreichung eines Brechmittels. In der That hilft über dieſen recht fatalen, aber oft unumgänglich nothwendigen Act nichts ſo leicht hinweg, als ein oder zwei Täßchen lauwarmen Kamillenthees langſam bei beginnender Wirkung des Vomitivs aus⸗ getrunken.
Eine andere ſehr gewöhnliche Art der Einführung des Kamillen⸗ aufguſſes in den Darmkanal geſchieht in der Form des Klyſtiers. Da gelegentlich eines nächſtens in dieſen Blättern erſcheinenden Artikels: Klyſtier— über dieſen Gegenſtand noch weiter geſprochen werden ſoll, ſo mag hier nur erwähnt werden, daß die Kamille auch in dieſer Ver⸗ wendung, vorzüglich bei krampfhaften Unterleibsbeſchwerden, Blähungs⸗ koliken und Verſtopfung Erwachſener und kleiner Kinder, höchſt ſchätzenswerthe Dienſte verrichtet.
*) Vergleiche Nr. 11.
Wenn die ärztliche und Volksmedicin ſich der Kamille auch äußerlich zu manchen Heilzwecken, z. B. zu Kräuterkiſſen, Kräuter⸗ bädern, zu Umſchlägen, Streupulvern, Trichterdämpfen ꝛc. bedient, ſo halte ich es nicht für gerathen, den Leſer mit dieſen Specialitäten bekannt zu machen. Denn eine erſchöpfende Aufzeichnung ſämmtlicher Wirkungsweiſen eines Mittels würde eine weitläufige, dem Publicum kaum oder nur halb verſtändliche Schilderung der einzelnen Krank⸗ heiten, worin jenes zur Anwendung kommt, erfordern. Iſt das Halb⸗ wiſſen aber überall ſchädlich, ſo erſcheint es doppelt nachtheilig in Sachen des menſchlichen Körpers; es verleitet den Laien, Doctor zu ſpielen und verdreht ihm den Kopf mit allerlei falſchen Krankheits⸗ theorieen und eben ſo falſchen Kurmethoden. Wenn ich in dieſen Artikeln verſuche, die Wirkſamkeit verſchiedener Hausmittel zu ſchildern, ſo geſchieht dies nicht in der Abſicht, dem Laien die Geheimniſſe der
Heilkunſt zu enthüllen, oder den Arzt überflüſſig zu machen, ſondern 1
als erſte Hilfe wohlmeinenden, unſchädlichen Rath zu ertheilen, und nur mit ſolchen Mitteln, welche nach einer beſtimmten, leicht erkenn⸗
baren Richtung in Zufällen mit klar in die Augen ſpringenden
Symptomen ihren Nutzen entfalten.
Und ſo ſei hier noch eines Krankheitszuſtandes gedacht, welcher
beſonders häufig in der Kinderwelt auftritt und dem äußeren Gebrauch der Kamille raſch zu weichen pflegt. Bei ſkrophulöſer Anlage, nach
Hautausſchlägen oder nach Erkältungen werden die Kleinen nicht ſelten vom heftigſten Ohrenzwang befallen, und die armen Kinder ſchreien
über Stiche und unerträgliche Schmerzen im Ohr. Dauert dieſer Anfall länger, ſo bemerken die Eltern zu ihrem Schrecken eine beginnende Schwerhörigkeit ihrer Lieblinge. Die Kamille vermag dieſes qual⸗ volle Leiden öfters zu beſeitigen.
Abziehen des Ohrläppchens in den Gehörgang aus, laſſe die Flüſſig⸗
keit nach einigen Minuten ausfließen, trockne das Ohr und ſchütze
daſſelbe durch Einbringen von etwas eingeölter Watte in den Gehör⸗ gang vor dem Luftreiz. Dies Verfahren, zwei bis drei Mal täglich
einige Wochen hindurch wiederholt, wird in den meiſten Fällen das
Uebel ſicher heben.
Auch die Kamille erfüllt ihren Platz in der Hausapotheke mit
Ehren.
IV. Leinſamen und Leinöl.
In einer Darſtellung der gebräuchlichſten und nützlichſten Haus⸗ Die kleinen, flachen, eiför⸗ migen, braunſchaligen Samenkörner ſowohl, als das aus den Kernen
mittel darf der Leinſamen nicht fehlen.
gepreßte Oel erfreuen ſich einer weitverbreiteten hausmediciniſchen Anwendung.
Was zunächſt die Samenkörner anbelangt, ſo kommen dieſelben innerlich und äußerlich in Gebrauch, und gewähren einen nicht uner⸗
heblichen Nutzen.
Ein jeder kennt die Wohlthat, welche wir dem Trinken eines warmen Leinſamenthees bei katarrhaliſchen Leiden der Bruſtorgane, bei Heiſerkeit und ſchmerzhaftem, kitzelndem Huſten verdanken. Und auch hier iſt es wieder nur der Schleimgehalt mit ſeinen reizlindernden raucht, einhüllenden, erſchlaffenden Eigenſchaften, welche dem Mittel in den 3 den R angegebenen Krankheitszuſtänden ſeinen Erfolg und ſeinen Ruf be⸗ gründet haben. Beſitzt doch der Leinſamen einen ſo beträchtlichen Gehalt an Pflanzenſchleim, daß ein Theil davon genügt, um 16 Theile heißes Waſſer in eine quellende, gallertähnliche Flüſſigkeit zu ver⸗ wandeln. Anhaltendes Trinken von Leinſamenthee hat ſchon manchen ſi
alten, härtnäckigen, den Kranken matt und marode machenden Huſte
giihlt ſich zur
Man tauche ein Schwämmchen in den lauwarmen, mäßig ſtarken Aufguß, preſſe daſſelbe unter leichtem
uns, was die an
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