Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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. Maite, mi haben können, als ſie manchmal klagen. Die Frau Schmitt hatte ende, e aber noch ein beſonderes Intereſſe an der Sache. Sie hatte eine ritten ſei, Schweſtertochter, ein armes Waiſenkind, die es herzlich ſatt war, an Wen Nonnen. fremder Leute Tiſch zu eſſen und auch einen heißen Wunſch in der nde das allz Seele trug. Sie hätte es nämlich gar zu gern einmal probirt, wie en Nit hätten, ihr zu Muthe wäre, wenn ſie am eignen Herde die Suppe kochen dn Derfe alan und im eignen Hauſe ſchalten und walten dürfe. Merkwürdigerweiſe keutſchen Jyll hatte aber der Schneiderphilipp von ſeinem Vater ſelig ein Haus und dn bei Roßbac von ſeiner Mutter ſelig ſo viel Feld geerbt, daß man gut und gern vaterländiſchen ſwei Kühe darauf halten konnte. Da paßte und klappte ja alles! Und ſo fanden ſich die jungen Leute und hatten aneinander großes

Wohlgefallen. Es war freilich ein ſonderbares Pärchen. Sie eine ſyörne, kräftige Geſtalt mit einem vollen blühenden Geſicht und er ſo ein kleines, blaſſes Männchen mit lahmen Fuß und ſtammelndem Mund. Aber die Maria Schippel war ihr Lebenlang ſo viel ſtumpirt V und geſtoßen und von allen Leuten verachtet worden, daß ſie gar V nicht wußte, wie ſchön und begehre zwerth ſie ſei. Und neben ihrer Beſcheidenheit hatte ſie ein ſolch weiches Herz, daß ſchon bei dem ge⸗ tingſten Anlaß das Waſſer in ihren ſanften, blauen Augen ſtand. und wie ſie dem armen Schneiderphilipp ſo gegenüberſaß und ihm in jie ſchwarzen Augen ſah, die ſie ſo treu und liebend anblickten, als wollten ſie alles ſagen, was die widerſpenſtige Zunge nicht heraus⸗ bringen konnte und in das feine, bleiche Geſicht, das ſo ſchmerzlich (welchen Wand Auter den Anſtrengungen zuckte und den ſonſt ſo ſchönen, jetzt aber ſillen Gräß ſo entſtellten Mund, da er ihr ſagen wollte, daß er ſie ſo über alle nen des Dorfet Maßen heiß liebe und ihr gleich Haus und Feld vermachen würde dankte aber nicht luf Leben und Sterben und daß er ſich mühen und plagen wolle

Pudücum ufs Blut, um ihr nur gute Tage zu bereiten, da liefen ihr die

Vor all jellen Thränen über die rothen Backen und ſie ſprang auf, faßte ihn im Kopfe und drückte einen heißen Kuß auf die noch bebenden Lippen. en Sie meinte, ſie müſſe ihn extra gern haben, weil er ſo ein guter,

V treuer und doch ſo armer Menſch ſei, und wenn er der ſchönſte und Tic fan größte wäre, dann würde ſie ihn nicht halb ſo lieben. Er bedürfe dr nitt forttrg der Liebe doch auch gar zu ſehr und ſie wolle ihn mit ihrem Leben enſet mache ih ſchützen, hüten und vertheidigen und ſchaffen und arbeiten, wie ſie

nen wöü. es noch in keinem Dienſte gethan hätte. Ach, das waren ſelige ſic ſtund Augenblicke, als unſer Philipp ſo plötzlich das höchſte Ziel ſeines

lete diſi Lebens erreicht ſah und als er um dieſen Schatz ſeinen Arm ſchlingen Der Himmel ſchien ihm aufge⸗

m handtieren ſah rechtſchnitt, ie ten Kleidunge

ind ihn ſein eigen neunen durfte.

Tage der Ehe al⸗. 4 Tait Beeh 1n than, die Sonne wie lauter flüſſiges Gold und die rauchige Stube z ehf m der Frau Schmitt ein Feenpalaſt. Die Welt war noch nie ſo ſchön, Nach hae geſa ſo himmliſch ſchön geweſen. Damals hat er Tage lang nicht ge⸗ eund jen an arbeitet, ſondern iſt von Haus zu Haus gegangen und hat überall ſent inßſer aut erzählt, wie ſie ein wahrer Ausbund ſei von Schönheit, Zierlichkeit

und liebſamem Weſen. Jeder Arbeit würde ſie Manns werden.

In der Feldarbeit aber ſei ſie abſonderlich gut und leiſte das Menſchen⸗ nögliche. Er könne jetzt getroſt auf ſeiner Boutique ſitzen bleiben; tr brauche ſich jetzt um das Feld und das Haus und um gar nichts nehr zu bekümmern, als um ſeine Schneiderei. Wenn er aber in ſin Haus ging oder heraus, dann ſtieß er einen lautenJuchzer nus. Sein Glück war zu groß für die enge Stube und ſein Blut wallte zu luſtig durch die Adern, als daß er Ruhe gehabt hätte zum lrbeiten und Stillſitzen.

ſunge Mädcha Zeit, wo da , venn es nit iiim ſol U ſtumm war wi duſen trug. Ueber⸗ s Gemüth fiunde

en gewürdigt hät d mach ein erklärt cſagt, daß die aul au Theil werdel

Wo ſtill ein Herz in Liebe glüht, O rühre, rühre nicht daran!

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denken, daß ſolch ein unglücklicher Menſch auch Anſprüche habe auf Familienglück. Die Dorfwitzbolde hatten gute Zeit. Nie waren ihre ſchlechten Späſſe ſo wohlgefällig anfgenommen worden; aber durch dieſen Erfolg angefeuert, wurden die Scherze ſo ausgedehnt, daß man ordentlich Comödie zu ſpielen anfing.

Im erſten Act wurde dargeſtellt, wie er ſeinen Heirathsantrag hervorſtotterte und der Braut den Brautkuß beizubringen ſuchte. Der zweite Act war der Hochzeitszug in die Kirche, wie er mit ſeinem lahmen Beinchen neben der ſtattlichen Braut herhinkte, und im dritten Act wurde dann gefragt: Wollet Ihr, Johann Philipp Debus, die hier gegenwärtige Anna Maria Schippel zu Eurem Ehegemahl, wo⸗ rauf denn der jedesmalige Schauſpieler unter furchtbaren Grimaſſen und entſetzlichem Geſichtsverzerren endlich ſeinIJJ Ja heraus⸗ brachte zur großen Ergötzlichkeit ſeiner Zuhörerſchaft. Die Kinder auf der Gaſſe fingen an,Schneiderphilippches zu ſpielen. Wenn unſerem verliebten Schneider auch manches von dieſem Spuk zu Ohren kam, ſo war er viel zu glücklich, um viel davon berührt zu werden. In ſeinem damaligen Freudenrauſch hätte er noch Härteres leicht überwunden. Als er freilich hernachmals unglücklich wurde, da wirkten ſolche Erfahrungen deſto bitterer.

Einen weſentlichen Einfluß aber übte die Ortsſtimmung auf den Beſchluß des Gemeinderaths, in deſſen Händen das Wohl und Wehe aller Heirathsluſtigen lag, da ihm nach dem Landesrechte die alleinige Entſcheidung zuſtand. Gewiß durfte einer appelliren, dem die Heirathserlaubniß verſagt wurde, an den Bezirksrath und die Regierung, aber wenn nun auch ſo ein armer Teufel wie der Schnei⸗ derphilipp appellirte und der Gemeinderath daraufhin zum Bericht aufgefordert wurde, das war nur Waſſer in den Rhein getragen.

Der Unglückliche ahnte nichts von der verderbenſchwangeren Wolke, welche ſich an dem Himmel ſeiner jungen⸗Liebe zuſammenzog. Er konnte ja keinem, auch dem geringſten Geſchöpfe nichts zu Leide thun und ärgerte ſich jedesmal über die böſen Buben, die in muth⸗ williger Bubenart mit ihrem Stecken die Blumen köpften oder die Maikäfer und ſonſtiges Ungeziefer quälten. Aber wie er ſelbſt ſich freute mit den Fröhlichen und weinte mit den Weinenden, ſo hatte er noch nie an dem guten Willen irgend eines Menſchen gezweifelt und hielt ſich ſämmtlichen Gemeinderath beſonders gewogen. So kam er deshalb am Freitag Abend in hellem Vergnügen in des Bürger⸗ meiſters Haus, wo er wohl bekannt war.

Da ſind die Taufſcheine und die Stempel. Nun machet es bald fertig, daß ich ſchon den nächſten Sonntag von der Kanzel fallen kann. Sie machten es wohl bald fertig, aber es war ein entſchie⸗ denesNein, was ſie ausſprachen. Sie begründeten dieſe Ent⸗ ſcheidung damit, daß ſie erklärten, er vermöge Weib und Kind nicht auf die Dauer zu ernähren und würde zuletzt der Gemeinde zur Laſt fallen.

Nie hat wohl ein Gemeinderathsbeſchluß erſchütternder und verderblicher gewirkt. Als er dem Schneiderphilipp mitgetheilt wurde, ergrimmte er furchtbar in ſeinem ſtillen, ehrlichen Schneidergemüth und ein Augenblick genügte, um ſeinen harmloſen, fröhlichen Sinn für immer in verbitterten Menſchenhaß umzuwandeln. Wie durch ein Wunder ſchien plötzlich ſeine Zunge gelöſt und wie dumpfer Donner rollte es aus ſeinem Munde!Mit meinem Herzblut hätte ich mein Kind ernährt, wenn ich eines hätte an meine Bruſt drücken dürfen! Ich hätte mir die Finger von den Händen genäht, daß nur mein Weib und Kind nicht bei Euch zu betteln brauchten, Euch Hunger⸗ littern! Jetzt ſoll mich ein Wetter verſchlagen, wenn ich nicht alles verſaufe und die Finger ſollen mir abfaulen, wenn ich noch einmal die Nadel anrühre! Nun will ich gerade der Gemeinde zur Laſt fallen. Mit wahnſinnigen Geberden fuhr er von dannen und direct ins Wirthshaus hinein.

Das Wirthshaus iſt in den Dörfern die Ablagerungsſtätte für alle aus der gewöhnlichen Ordnung gebrachten Gemüthsverfaſſungen. Man trifft dort immer empfängliche Herzen für den größten Schmerz und die ausgelaſſenſte Luſtigkeit, für die tiefſte Niedergeſchlagenheit und den höchſten Zorn, und wenn es die Sternwirthin, die Frau Clara ſelber wäre. Mit einem wunderbaren Tacte weiß ſie die jedesmalige Stimmung in Wort und Ton zu treffen, und das auf die einfachſte Weiſe von der Welt, indem ſie etwa nur in folgender Weiſe abwechſelt:Sie haben Recht!Recht haben Sie!Sie haben ganz Recht!Da haben Sie Recht! und wenn ſich eine entgegengeſetzte Stimmung plötzlich geltend machteJetzt

29 vermag dem Wer möchte hier nicht dieſem edlen Dichterwort gern nachge⸗ ützen Herzens gul kommen ſein? Wer hat wohl das Herz, dem Verſchmachtenden das

4 ur ſo mand Glas Waſſer von den Lippen zu reißen, dem Hungrigen ſein letztes

ich rief. Vi Stücklein Brod aus der Hand zu nehmen, dem Armen ſein einziges

3 ergriff, wel Beſitzthum zu rauben?

nend noch ſanſg Und doch wurde das ſtille Glück des armen Schneiderphilipp 2 icht war ds au vernichtet und ohne Reue zertreten und gemordet, etwa wie der Fuß

nhauzt der Liel ohnungslos die Blume niedertritt, die in dem Graſe verborgen blühte, 1 de aupfiudet, wie die Hand des Kindes die Fliege mordet, die ſo luſtig in der uſannen. Au Sonne ſpielte..

zuſuct übrigas Ein unauslöſchliches Gelächter ging durch das ganze Dorf über

bun in der 29 dieſe Geſchichte. Es war, als wenn alle ein böſer Zauber erfaßt Bunſ väre, ihn! hätte. Man brauchte nur eine Anſpielung zu machen, ſo ſchallte die Sa einem auch ſchon brauſendes Gelächter entgegen. An den Hausthüren, 5, we iteinamt am Brunnen, in den Spinnſtuben überall mußte der arme Schneider⸗ mual 44 ſt das philipp herhalten. Man konnte ſich, ſcheint es, gar nicht hinein⸗ cu.. en Männ 3 3 3

bei in p 3