Schönborn, Goethe und einige andere, die deutſch ſind, einladen, und mit vereinten Kräften wollen wir den Strom des Laſters und der Sclaverei aufzuhalten ſuchen. Unſer Bund ſoll das innerſte Heilig— thum der Gelehrtenrepublik bilden, zwölf Mitglieder deſſelben, gleich⸗ ſam die 12 Apoſtel der neuen Aera, um Klopſtock geſchart, die Leitung derſelben übernehmen. Jeder nimmt einen Sohn an, der ihm nach ſeinem Tode folgt; iſt ein ſolcher nicht vorhanden, ſo wählen die Elfe einen andern. Ohne Einwilligung des Bundes darf künftig niemand etwas drucken laſſen. Klopſtock ſelbſt will ſich dieſem Geſetz unter⸗ werfen. Das ſind in kurzem ſeine Vorſchläge. Was meint ihr dazu?“
„Was wir dazu meinen,“ ſchrie Voß, und ſchlug auf den Tiſch, „was anders, als daß wir uns von Herzen ſolcher Ehre freuen. Ja, der Bund muß in Deutſchland obenanſtehen, und mit Klopſtock können wir's. Sein Segen wird auf uns ruhen!“
„Ich meine aber doch,“ warf Gotter mit einem Achſelzucken ein, „wir ſehen uns die Sache erſt etwas beſonnener an. Ich zweifle an Klopſtocks Größe nicht, aber woher hat er die Macht, ſolchen Plan auszuführen, welche Mittel ſtehen ihm zu Gebote? Seine Gelehrten⸗ republik findet keineswegs die gehoffte Anerkennung; je mehr man auf dieſes lange, ſchon lange, und es iſt nicht zu leugnen, etwas pomp⸗ haft angekündigte Werk geſpannt war, um ſo mehr fühlt man ſich hie und da getäuſcht, ja vieles erſcheint als Phantaſterei und Anmaßung.“
„Wer verſchreit es?“ fuhr Voß ungeſtüm heraus.„Die alten Zöpfe und die Franzoſenfreunde! Daß die toben und wüthen, das zeigt nur, daß der große Mann ſie mit ſeiner gewaltigen Schrift ins Herz, wenn ſie eins hätten, getroffen hat. Die Mittel? Die Macht? Iſt einer der Mann, der ein ſolches Werk ausführen kann, ſo iſt es der göttliche Klopſtock. Schande über uns, denen er ſolche Ehre erweiſt, wenn wir ſeine Erwartung nicht erfüllen! Gott wird uns helfen, denn Freiheit und Tugend iſt unſere Loſung!“
„Ich denke doch,“ entgegnete mit Ruhe Gotter,„die Herren ſollten mit ihrer Bewunderung ein wenig haushälteriſcher ſein! Ich ſelbſt achte Klopſtock hoch, aber wer wird es denn bei jeder Gelegen⸗ heit ſo laut und gefliſſentlich in alle Welt ausſchreien?“
„Und mich däucht,“ polterte Voß,„es iſt eben ſo wohl falſche, franzöſiſche Sitte, die Sprache der Bewunderung und des Entzückens zurückzuhalten, wenn das ganze Herz davon voll iſt, als einen Tadel zu verſchweigen.“
„Zudem,“ fiel dem Eifernden Graf Heinrich Leopold ins Wort, „ſcheint Klopſtock doch auch einige Alliirte ins Treffen zu führen, die nicht verächtlich ſein düͤrften. Als wir ihn in Hamburg beſuchten, ließ er einige geheimnißvolle Winke fallen, daß der große Kaiſer Joſeph ſelbſt ſich an dem Werke betheiligen werde, und daß ihm ſelbſt vielleicht eheſtens ein ehrenvoller Ruf nach Wien bevorſtehe, wo er eine Stellung einnehmen werde, die ihn in Stand ſetze, ſeinen Plänen Nachdruck zu geben. Außerdem rieth er uns und allen denen, die ſich an der Neugeburt des deutſchen Volkes und der deutſchen Literatur mit Ernſt betheiligen wollten, dringend an, in den Freimaurerorden zu treten, der mit ſeinen großen Kräften und Capitalien bereit ſei, ſich als Herd der großen nationalen Sache zu conſtituiren. Viele ſeiner Freunde ſind ſchon beigetreten, und wir ſelbſt, ich und mein Bruder, haben vor, es nächſtens zu thun. Ich möchte den lieben Brüdern rathen, ſo viel ihrer es möglich machen können, ſo bald als es geſchehen kann, nach Hamburg zu gehen und ſich durch ſeine Ver⸗ mittlung in die dortige Hauptloge aufnehmen zu laſſen!“
„Und das wollen wir, und es muß und wird gehen!“ ſchrie der feurige Hahn vom Ofen her dazwiſchen,„wir müſſen nach Hamburg, wir müſſen das Antlitz des großen Mannes ſehen!“
„Ja, das müſſen wir,“ jubelte Voß,„da werden wir in einer Woche bei Klopſtock mehr lernen, als man in hundert Collegiis lernt, wo zehnfaches Wiedergekäue wiedergekäut wird.“
„Wir haben auch ſchon unſere Vorbereitungen getroffen,“ fuhr Hahn fort,„hört: wir haben zuſammen zwei Bogen Neujahrswünſche gemacht und uns zwei Ducaten damit verdient. Nun wollen wir überſetzen und für das Geld zu Klopſtock reiſen. Ich und Miller werden ein engliſches, Hölty ein italieniſches, Voß ein ſpaniſches und Millers Bruder ein franzöſiſches Buch überſetzen. Das ſoll gehen.“
„Ja,“ lächelte Gotter,„überſetzt iſt leicht, aber wo bleibt der Verleger?“—„Der Verleger?“ entgegnete Voß,„nun den beſorgt Boie, der hat die Buchhändler an der Leine.“
„Ja, der Verleger,“ meinte Hahn und kratzte ſich mit ſehr bezeichnender Weiſe hinter den Ohren,„das iſt eine verdammte Ge⸗
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ſchichte. Die Buchhändler ſind eine böſe Race Menſchen. Geld
wollen ſie haben; denkt euch, fordert ein Buch. Dieſer erkennt ihn nicht gleich und fragt:
bis dieſer den Betrag baar auf die Ladentafel gelegt. Pütter ſelbſt
erzählte mir's mit großer Entrüſtung, und ich konnte ihm dagegen
erzählen, daß derſelbe Herr, für den ich etwas arbeitete, mich jüngſt
beſuchte, ſich breit vor mein etwas coloſſales Tintenfaß ſtellte und mit impertinenter Miene ausrief: mein Gott, wie viel Buchhändler werden
Sie aus dem großen Tintenfaſſe noch bankerott ſchreiben!“ Ein allgemeines Gelächter brach bei dieſen mit komiſcher Weh⸗
muth geſprochenen Worten hervor; und damit endigte die Discuſſion über dieſen erſten Punkt, die einige Mal ſo warm zu werden drohete, ſein Präſidentenanſehen zu Gunſten
daß Boie ſich ſchon bereit hielt, des Friedens geltend zu machen.
Boie brachte nun den zweiten Gegenſtand, der auf der Tages⸗
ordnung ſtand, den Stolz und das Schoßkind des Vereins, in welchem derſelbe eine mächtige Waffe zur Durchführung ſeiner literariſchen Eroberungspläne ſah, den Almanach, zur Sprache. Er berichtete, daß ſich der Abſatz in erfreulicher Weiſe gehoben habe, daß der Ver⸗ leger ſehr guten Muthes ſei, und daß der neue Jahrgang 1774 in jeder Beziehung den vorhergehenden nicht nur zu erreichen, ſondern auch auszuſtechen verſpreche. Es handelte ſich zunächſt um bereits eingegangene und gebilligte Beiträge der Mitglieder, Klopſtock hatte vier Beiträge eingeſendet, welche von dem Bunde mit gewohntem Enthuſiasmus aufgenommen worden waren; drei Bardengeſänge aus ſeinem Singſpiele:„Hermann und die Fürſten“, welche ihn eröffnen, und eine Ode:„die Weiſſagung“, die er ſeinen Freunden, den Grafen Stolberg gewidmet, die ihn beſchließen ſollte. In dieſen koſtbaren Rahmen ſollten die übrigen Gedichte eingefügt werden. Von Stolberg war bereits dazu beſtimmt eine ſchwunghafte, etwas herausfordernde Ode:„die Natur“, von Voß ein Minnelied, darinnen er die alten Troubadours nachzuahmen geſucht:„Der Holdſeligen ohne Wank“; von Brückner einige Idyllen ꝛc. Als neu eingegangene und zu prü⸗ fende Beiträge machte er namhaft drei Lieder von Bürger: Nachtfeier der Venus, ſchön Sußchens Traum und die Lenore“; mit beſonderem Nachdruck erwähnte er ferner zwei Beiträge von Claudius, unter denen des Barden Neujahrsgruß zu großer Berühmtheit ge⸗
langt iſt, und noch in unſeren Commersbüchern im Munde der ſanges⸗
luſtigen academiſchen Jugend lebt; und endlich, dabei ſtrahlte ſein Geſicht von Freude und Stolz, berichtete er, auch der Dichter des
Götz von Berlichingen, der damals alle Herzen und beſonders die desg
Göttinger Hainbundes in Flammen ſetzte, habe vier Gedichte einge⸗ ſandt, betitelt:„der Wanderer, der Geſang“(ſpäter: Mahomeds“), ein Epigramm:„die Sprache“, und eine Fabel: Adler und die Taube“. Die Nachricht wurde mit großem Jubel auf⸗ genommen; Gotter, der Goethe in Wetzlar kennen gelernt, wo beide Collegen waren, und ihm perſönlich ſehr nahe getreten war, mußte von demſelben ausführlich berichten, da ihn die Göttinger als einen
dieſem Punkte herrſchte in dem Freundeskreiſe die vollſte Harmonie zumal da auch der Altmeiſter Klopſtock, der mit Goethe befreundet war ihn als eine jedenfalls für ſeine Gelehrtenrepublit zu gewinnende Größe bezeichnet hatte. Es kam nun die Rede darauf, welche der bekannteren Dichter etwa noch zur Mitarbeit am Muſenalmanach aufzufordern ſeien Boie ſchlug den Leipziger Weiße vor, fand aben an Voß einen ſehr energiſchen Gegner.
„Weiße,“ eiferte dieſer und erhob ſich dabei in tiefſter Erregung altn! „Weiße darf um keinen Preis in unſeren Kreis gezogen werden; hal ime den ſchändlichen
dieſer elende Witzling nicht die Frechheit gehabt, Klotz zu bitten, doch in ſenen Journal Klopſtock nicht zu frei zu den theilen, weil er lbrigens ſein Freund ſei. Das iſt mehr als unver⸗ ſchämt, der Maulwurf will den Adler ſchonen!“ 1 „Ja, ja,“ lächelte Heinrich Stolberg,„dem hat Voß ein Liedlei geſungen! und mit erhobener Stimme Veanniel er den Vers auf
Voßens Ode: Mein Vaterland: di
Der mit des Seraphs Stimme, Meſſias, Dich
Den Söhnen Teuts ſang: ſiehe, den lohnt der Spott Des ungeſchlachten Volks, den lohnt das Schimpfliche Schonen des Afterfreundes!
Laſſen wir den.“
neulich kommt der Hofrath Pütter zu dem alten ſteinreichen Abraham van den Hoeck in den Laden und Haben ſie auch Geld, mein Herr? und läßt das Buch nicht eher ſuchen, als
„Die
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ihrem Kreiſe Angehörenden anſahen, und war ſeines Lobes voll. In 1d
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