Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
243
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fahrt allgemein hieß es: Der Kurfürſt Friedrich Wilhelm liege zu Potsdam im Sterben. Halb Berlin war auf den Beinen, denn das nahende Ende eines ſolchen Fürſten, der mit gewaltiger Hand die Geſchicke ſeines Landes geregelt und ſie den mächtigſten Feinden zum Trotze befeſtigt hatte, mußte die Gemüther beſorgt machen. Deshalb wollte man durchaus Nachricht haben von den Vorgängen in Potsdam, aber damals kamen die Neuigkeiten von dorther erſt in ſechs bis acht Stunden nach Berlin, denn der Weg war ein beſchwerlicher..

Henning Ringwald und ſein Freund wurden geſtoßen, geſchoben, gedrängt. Sie retirirten endlich auf einen kleinen Hügel an der Straße, von wo aus ſie das Getümmel überſehen konnten, welches ſich gegen das Leipziger Thor und aus demſelben wälzte.Gehen wir nach dem einſamen Garten von Rackemann, wo ſie Bier aus⸗ ſchenken, dort trinken wir eins und dann in die Stadt zurück, ſagte Oelven.Es wird heut noch genug zu ſehen geben. Man muß die Soldaten zuſammenholen, wenn der Alte ſtirbt, ſie müſſen ſchwören.

Die beiden ſchlugen den Weg nach dem Rackemannſchen Garten ein. Die Straße war ein wenig ruhiger, und obgleich viele Reiter und Wagen hier paſſirten, blieb der Garten dennoch ziemlich leer. Zwei Krüge Duckſteiner, commandirte Oelven, mit ſeinem Rappiere auf den Tiſch ſchlagend. Der erſchreckte Junge des Wirthsgartens eilte in das Haus, um die verlangten Humpen zu bringen, während einige ältere Bürger, ſehr verletzt über das prahleriſche Benehmen, den Renommiſten verdrießlich anſchauten. Die warme Witterung und die Aufregung hatte die Gäſte in den Garten gelockt, den ein Holz⸗ gitter von der Straße ſchied, man konnte hier alles ſehen, was von Potsdam kam.

Gerade als Oelven und Henning ſich an den Tiſch und die Krüge an ihre Lippen ſetzten, entſtand ein furchtbarer Lärmen auf der Straße, gleich darauf traten drei Perſonen an das Gitter. Sie waren in Reiſekleidern, hatten kleine Felleiſen in den Händen und geberdeten ſich ſehr ungehalten.Dieſer Tölpel, ſagte einer der Männer.Ich ſage ihm noch ausdrücklich, er möge ſich in Acht nehmen, das Rad iſt ſchon heut Vormittag nicht recht in Stande ge⸗ weſen. Eine Viertelſtunde ſpäter fliegt es ab.Glücklicherweiſe ſind der Herr Rath nicht beſchädigt, ſagte der Begleiter,aber es gibt doch einen Aufenthalt, erwiderte der erſte,und wir haben Eile! heda! einen zwei drei Krüge. Die Reiſenden nahmen an dem Tiſche neben Oelven und Henning Platz, während draußen an der Straße, von Hunderten umringt, ein herbeigerufener Schmied das Rad an dem Reiſewagen wieder in Stand ſetzte. Der erſte der drei Männer war ein ſchon bejahrter Herr. Er trug dunkle Kleidung. Sein kühnes, ſcharfgeſchnittenes Geſicht, konnte mit dem Haupte eines Adlers verglichen werden, doch zog zuweilen ein Schimmer von Sanftmuth über dieſe ſtrengen und offenbar durch eine lange Reihe von Erfahrungen und Sorgen, Kämpfen und Entbehrungen ge⸗ furchten Züge. Die Augen blitzten unter den buſchigen Brauen ganz ſeltſam und den Gegenſtand, auf den ſie ſich hefteten, faſt durch⸗ dringend, hervor. Eine magere, weiße Hand, wie ſie den Gelehrten eigen iſt, ſtreckte ſich zwiſchen dem Spitzenbeſatz des Aermels hervor, und eigenthümlich geſchlungene Ringe zierten die Finger. Der Fremde, deſſen Begleiter ganz gewöhnliche Menſchen zu ſein ſchienen, warf den beiden Freunden einen forſchenden Blick zu, dann ſetzte er ſich, ohne ſich weiter um den Lärmen zu kümmern, an den Tiſch. Das Geſpräch mit ſeinen Begleitern war ſehr einfach, und die Freunde verſtanden, daß die Reiſenden von Breslau kamen, nach Magdeburg wollten und den Weg über Potsdam nahmen. Es währte nicht lange, ſo hatte Oelven mit dem einen der Begleiter ein Geſpräch angeknüpft.Sie glauben, daß der gnädigſte Herr Kur fürſt nicht wieder ſich erholen werde? fragte plötzlich der Fremde, das Geſpräch unterbrechend.Dazu iſt gar keine Hoffnung vor⸗ handen, ſagte Oelven.Sie ſehen ja hier draußen das Gewimmel, ganz Berlin iſt in Aufregung, man hat ſeit geſtern die Gewißheit vom nahen Tode des Herrn. Die drei Männer warfen ſich bedeutungs⸗ volle Blicke zu.Wie weit iſt das Rad? vief der erſte durch die Gitterſtäbe dem arbeitenden Schmiede zu.Gleich, gleich iſt es in Ordnung.Sie ſcheinen große Eile zu haben, ſagte Oelven. Gewiß, entgegnete der Mann.Jeder Augenblick iſt koſtbar für den Kaufmann, den ein wichtiges Geldgeſchäft nach dem Ort ſeiner Beſtimmung führt.Alſo Geldgeſchäfte, ſagte Oelven.Ich

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hätte Sie nicht für Kaufleute gehalten Sie ſehen mehr wie Ge⸗ lehrte aus.Wie weit iſt das Rad? rief der erſte durch das Gitter.Jetzt iſt es gleich ſo weit, antwortete der Schmied. Immer Geduld, ſchrien einige Stimmen aus dem Haufen.Alſo Sie gehen nach Potsdam, begann der zudringliche Oelven wieder. Ich werde auch bald dorthin müſſen.Sie haben Geſchäfte dort? In Sachen der Regierung, ſagte Oelven ſtolz,ich bin Secretär des Geheimen Rathes Herrn von Danckelmann. Der alte Herr ſtutzte, er ſah ſeine Begleiter an, und ohne daß die Freunde es be⸗ merkten, machten die drei Männer ſich gegenſeitig ein gewiſſes Zeichen, indem ſie mit der flachen Hand eine Art Figur auf ihrer Bruſt be⸗ ſchrieben. Von dieſem Augenblicke an vermochte Oelvens Beredſam⸗ keit ihnen nichts als einſilbige Wörter: Ja oder nein! zu entlocken, und als der Diener in das Gitter mit der Meldung trat, das Rad ſei fertig, grüßten ſie kurz und wendeten ſich dem Ausgange zu. Gerade jetzt erſchallte ein wildes Hallohgeſchrei, dann ohne auf die Menge zu achten, galoppirte ein Reiter von Potsdam her auf das Leipziger Thor zu. Er ſchrie aus voller KehlePlatz! Platz! und ſein Pferd ſpornend, hieb er zugleich mit der ſchweren Peitſche rechts und links um ſich. Schreiend und fluchend wich die Menge zurück, die Vorderſten drängten die Hintenſtehenden zurück, ein Theil ward gegen das Gitter des Rackemannſchen Gartens gepreßt, während die andre Hälfte in den Graben drängte, der neben der Straße hinlief, ſo vermochte der Reiter endlich fortzukommen.Der bringt was der hat was, ſchrie die Menge, welche, kaum auseinandergetrieben, ſich gleich wieder hinter dem Reiter ſchloß. An ein Weiterkommen der drei Reiſenden war aber für den Augenblick nicht zu denken, denn der Menſchenſtrom umflutete den Wagen von allen Seiten, die Pferde bäumten ſich ängſtlich in die Höhe, kaum vermochte der Kutſcher, ſie zu halten, dazu ſank die Dunkelheit immer dichter hernieder, Lampen und Laternen begannen ſich an dem Stadtthore zu entzünden, endlich nahte eine Schwadron kurfürſtlicher Dragoner, aus dem Thore kommend, langſam, aber dennoch die Verwirrung mehrend, zugleich erſchien der Polizeimeiſter mit Stockknechten, welche die Menge mit Hurrahgeſchrei empfing.

Fatale Lage, murmelte der älteſte der drei Männer,wir können nicht vorwärts. Ich hätte viel darum gegeben, zwei Stunden früher in Potsdam zu ſein. Das Toben der Menge wuchs niemand wollte mehr Neuigkeiten erfahren, nur Unfug treiben, das war das Beſtreben, dem ſich alle mit Aufbietung ihrer Kräfte widmeten.

Aber was iſt das? in einem und demſelben Augenblicke beginnen ſämmtliche Glocken Berlins zu läuten. Durch all das Getümmel, durch die Nacht hallen die dumpfen, feierlichen Töne von den Thürmen hernieder, ſcharf klingen die Glocken von St. Gertraud und Petri, aber in tiefem Summen gibt die Glockenſtimme des Domes ihr Zeichen, wimmernd und klagend fallen ſämmtliche anderen Glocken ein, dieſes einförmige Getön hatte etwas Schauerliches, Ueberwältigendes. Der Lärm der Menge ließ nach, die lauten Rufe verſtummten, die Fuhrleute hielten ihre Wagen an, viele lüfteten die Mützen, ein leiſes Gebet ſprechend, und wie ein Lauf⸗ feuer ging durch alle Gruppen die Kunde:Friedrich Wilhelm, der große Kurfürſt, iſt zu Potsdam verſchieden.

Eine Rieſenſeele hatte ſich emporgeſchwungen ein flammendes Licht war verlöſcht. Die Stille wich einem mächtigen Brauſen; als hätte jeden die Trauerkunde mit Unruhe erfüllt vor der nächſten Zu⸗ kunft, ſo lief, fuhr, ritt alles durcheinander. Eben wollte des Wagen mit den drei Männern ſich in Bewegung ſetzen, als ein Trupp Leibgardiſten zu Pferde von Potsdam her in ſcharfem Trabe an⸗ rückte, zugleich fuhr aus einem der Seitenwege ein ſehr ſchöngebau⸗ ter Reiſewagen, neben deſſen Kutſchbock zwei mächtige Laternen brannten, und da der Wagen der drei Männer umlenken wollte, wieder nach Berlin zu fahren, geſchah es, daß er mit jenem noblen Reiſewagen zuſammengerieth, was ohne die Geſchicklichkeit der Kutſchers deſſelben leicht zu großem Unheile hätte führen können, allein trotz der ſorgfältigſten Lenkung hatten ſich dennoch die Pferde ſo ineinandergefahren, daß ihre Stränge ſchwer zu entwirren ſein mochten, und die Folge davon war, daß die ganze Straße verſtopft wurde, ſo lange die fluchenden Kutſcher mit der Entwirrung beſchäf⸗ tigt blieben. Die Eigenthümer oder Inſaſſen der Wagen blieben auch nicht unthätig und regalirten ſich gegenſeitig mit Vorwürfen. Dieſe Scene währte bereits einige Minuten, als die Reiter der Leib⸗ garde herankamen.