Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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war ihm ſeine ganze Lage klar an dieſem einen Anblicke begriff unter und ging auf Sepp zu, der neben der Thür ſtand.

wart nur, ihr kriegt mich nimmer.

Hans gab noch einmal arglos nach. Er folgte dem hinter⸗ liſtigen Freunde und wäre wahrſcheinlich mit ihm ohne Anſtoß und Zögern bis zum Ziele gegangen, wenn nicht plötzlich in dieſer Rich⸗ tung ein Schuß gefallen wäre. Er ſtutzte, wollte nicht weiter gehen und konnte nach langem Zureden des Sepp zuletzt nur durch deſſen Verhalten beruhigt werden, daß ja er ſelbſt hier jagen dürfe, wo er wolle, er ſolle ihm nur den Stutzen geben, ruhig neben ihm hergehen und ſich um nichts kümmern denn niemand würde ihm etwas anthun, wenn er, der Sepp, mit dem Gewehr daneben ſei.

Hans war durch den nahen Schuß etwas verwirrt und ging, ohne viel zu überlegen, mit fort. Mit dem Schuß ſelbſt aber hatte es folgende Bewandtniß.

Der Herr befand ſich mit den Knechten in der That um jene Zeit auf der Ebener Hütte. Er ſah dort Sepps Büchſe an einem Nagel hängen und beſchloß in einer Anwandlung von ſcherzhafter Laune, ihrem Beſitzer einen Poſſen zu ſpielen.

Brenn einer, ſagte er,den Schuß aus dem Sepp ſeiner Büchs!

Es geſchah. Dieſen Schuß hörten unten die beiden. Sodann lud der Herr die Büchſe aufs neue, ſetzte aber keine Kugel, ſondern Fäſerln(Sägmehl) darauf, damites dem Sepp recht ſtaubt, wenn er einmal ſchießt. Dann hing er ſie wieder an ihren Ort, und wenige Minuten nachher war die ganze Geſellſchaft aufgebrochen, um jenſeits der entgegengeſetzten Jochhöhe zu jagen.

Als daher Sepp mit ſeinem Begleiter bei der Hütte ankam, fand er zu ſeinem großen Aerger niemanden vor. Er ſtand jetzt in ſeiner Angelegenheit gerade auf demſelben Punkte, wie zwei Stunden zuvor.

In ſeiner Verlegenheit griff er wieder zu dem Mittel, allerlei untereinander zu ſchwätzen. Er ſchlug dem Hans einen Tauſch ihrer Büchſen vor, indem er die ſeinige von der Wand herabnahm.

Dieſer aber begnügte ſich zu antworten:

Schau, ich kenn' dei' Büchſ'n, ſie iſt ſo viel ſchlecht und die mei' iſt gut. Du weißt, ich muß davon leben, alſo ſchau, ich kann nit tauſchen.

Das weitere Zureden Sepps half nichts es war ihm auch in Wirklichkeit gar nicht um das Austauſchen der Büchſen, ſondern nur darum zu thun, den Wildſchützen hinzuhalten und ſein Fortgehen zu verzögern, bis ihm jemand zu Hilfe käme. Aber darauf hätte er lange warten können es verrann eine halbe Stunde um die an⸗ dere, ſie raſteten noch immer und ſahen niemanden.

Endlich erwuchs dem Sepp ein Verbündeter im Durſte ſeines Gefährten. Dieſer fragte nach Branntwein und gab ihm Veran⸗ laſſung, den Vorſchlag zu einem Gange nach demBranntweinhäusl, einer Wurzgräber⸗Hütte, zu machen, die etwa eine halbe Stunde ent⸗ fernt lag. Allerdings war dort kein anderer Mann, als Sepps alter Vater, dem die Hütte gehörte, aber es kam vielleicht zufällig ein Gaſt hinein jedenfalls war es eine neue erwünſchte Verzögerung.

In kurzer Zeit traten ſie über die Schwelle der Wurzhütte. Der Vater war nicht da die beiden jüngeren Geſchwiſter, ein Knabe von etwa fünfzehn und ein Mädchen von ſechs Jahren hüteten das Haus.

Moidei, Du bringſt'n Branntwein! befahl Sepp dem Mäd⸗ chen. Während der Wildſchütze verlangensvoll nach dem Glaſe ſah, nahm ſein Genoſſe den Knaben vor die Hütte und ſagte zu ihm:

Jetzt laufſt in die Brenner⸗Alm und ſagſt den Haltern, ſie ſollen gach komma. Sie ſollen mir helfen, den Hans fangen ich hab' ihn ſchon in der Hütten. Lauf, was Du kannſt!

Der Knabe rannte davon; in demſelben Augenblicke ſah ihn aber Hans, zufällig durch eins der kleinen Fenſter ſchauend. Blitzſchnell

er alles. Raſch ſtand er auf, ſtürzte den Reſt des Branntweins hin⸗ Alſo ein ſolcher Tropf biſt Du? lachte er ihn an,aber

Mit dieſen Worten überſchritt er ſchleunig die Schwelle. Jetzt ſtand für Sepp alles auf dem Spiel. Dieſer Gedanke gab ihm Muth. Mit einem Satze hatte er den Wildſchützen gepackt und ihm mit ſeinen ſtärkeren Armen das Gewehr aus der Hand gewunden.

Hans wehrte ſich verzweifelt, aber er wäre ſicherlich von der über⸗

habt hätte, was ſonſt nicht zu ſeiner Ausrüſtung gehörte und auch von Sepp vorher nie geſehen worden war. Es gelang ihm, dieſes im Griff feſtſtehende, geſchliffene Eiſen zu faſſen. Nun ſchrie er den

Knecht an: Uhr Laß aus, oder ich ſchneid' Dir die Hand ab! Sepp trat eingeſchüchtert zurück; der Wildſchütze benutzte den zu

Augenblick, zu entfliehen. Dieſes that er in ſolcher Eile, daß er ſich nicht einmal nach dem Hut bückte, der im Ringen auf die Erde fiel.

Der Verdruß des Knechtes, daß ihm Hans auf dieſe Weiſe ent⸗ kommen war, wurde in etwas durch das Vergnügen an deſſen zurück⸗ gebliebenem Stutzen gemildert. Er nahm ihn als Beute mit und be⸗ richtete am Abend dem Herren über ſeine Unternehmung, welche als theilweiſe geglückt bete achtet werden konnte, weil der Wildſchütze ohne Gewehr fortan unſchädlich und es ihm bei ſeiner Mittelloſigkeit wahrſcheinlich unmöglich war, ſich ſobald wieder ein neues zu ver⸗ ſchaffen. Der Herr belohnte ihn mit einigen Gulden, und ſeine Freude war groß.

Das Glück Sepps ſollte indeſſen durch Nachrichten, welche drei Tage nachher von den Alpen einliefen, nicht wenig getrübt werden. Folgendes hatte ſich zugetragen.

Am Tage nach den erzählten Vorgängen erſchien der Schützen⸗ Hans wieder auf der Ebener-Hütte und gab Zeichen der höchſten Be⸗ ſtürzung von ſich.

Aus is, aus is! rief er ein über das andere Mal,der Sepp hat ſich g'ſchoſſen!

Dann erzählte er der Sennerin, wie er mit Seppjagern ge⸗ gangen ſei, dieſem ſich durch einen Zufall das Gewehr entladen und ihn ſchwer verwundet habe.

Nimm Weihbrunnen und Eſſig, daß mer ani kemma! drängte Hans. Während die Sennerin in das andere Stübchen der Hütte ging, nahm der Wildſchütz das Gewehr Sepps, welches an der alten Stelle hing, herab und hängte es ſich um die Schulter. Der

Sennerin ſiel das nicht auf; ſie hatte gar nicht bemerkt, daß Hans tner ohne Gewehr angekommen war und jetzt hinderte ſie der Schreck am ſcj Sehen und Hören. Endlich hatte ſie das Weihwaſſer in einen kleinen pre Hafen, den Eſſig in eine Schüſſel gefaßt und folgte Hans. Bald dr mußten ſie über einen Zaun ſteigen, der die obere Ebener Alpe von die dem Wald trennte. Am unteren Ende des Zauns angelangt, blieb Na Hans, wie überraſcht, ſtehen und ſagte zur Almerin: al Du haſt ja kein Hadern lauf zurück! 3 Er meinte irgend ein Stück Zeug oder Leinwand, womit ſie V ba dem Sepp die Eſſigumſchläge machen ſollte. Die Dirne ſtellte Weihbrunn und Eſſig auf den Boden und ei

eilte der Hütte zu, ſo ſchnell ſie konnte. Als ſie mit demHadern zur Stelle zurückkam, waren der Wildſchütz und die Geſchirre ver⸗ ſchwunden. Sie ſuchte und ſchrie, umſonſt ſie mußte einſehen, daß ſie von jenem zum Beſten gehalten worden war. Als ſie über die Gründe ſeines Benehmens nachdachte, fiel ihr Auge in der Hütte auf die Stelle, an welcher ſonſt Sepps Gewehr gehangen war jetzt begriff ſie, daß es ſich um einen Diebſtahl handeltef iw welchem ſie die Rolle der Ueberliſteten geſpielt hatte. Am meiſten ärgerte ſie, daß er ſelbſt das Geſchirr mitgenommen hatte, er brauchte es eben zum Kochen.

War ſchon dieſe Poſt nicht geeignet, Vergnügen zu machen, ſo war es noch weniger eine Meldung,

dem verrätheriſchen Freunde welche

legenen Körperkraft ſeines Widerſachers beſiegt worden, wenn er nicht

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zufällig gerade heute ein Meſſer in der kleinen Hoſentaſche ſtecken ge⸗

von ſeiner Braut auf der Seethaler⸗Alm kam. Zu dieſer war Hans am Abend nach dem erzählten gelungenen auch Streich, durch den er ſich wieder in den Beſitz einer Büchſe geſetzt für hatte, insGaſſeln gekommen. Es war klarer Mondſchein. Er klopfte an ihren Laden und ſang: d Hans, meine Madeln, kennts mi nit, 1 L

Oder is dös enka Fenſta nit? R

einGaſſelſpruch, durch welchen ſich gewöhnlich Sepp Einlaß ve 2 chaffte. ſüaſ Sie öffnete das Fenſter und erkannte den Wildſchützen. b Du biſt es, der lurlt(ſingt)? ſagte die Dirne. We

J bin's. Aber jetzt ſei ſo gut und ſag mir, wie viel Uhr als 15a

es ſein thut.. Kin In der Hütte war es finſter die Herdflamme längſt er⸗ noch loſchen. Die Sennerin nahm die ihr von Sepp geliehene Uhr, gin⸗ das damit ans Fenſter und hielt ſie in den Mondenſchein, um die Stur ſ de

abzuleſen. Während ſie ihre Augen in dem flimmernden Licht

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