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Arm Niklas deiht ſo trurig gahn— O, dörft ick rut in Haſt, Dei Arm' öm minen Leiwſten ſchlahn— Min Mutte hölt mi faſt!
Dei rieke Michel ſtolzt heran— Min Mutte ſtött mi rut- Dat Hart ſo weih— in'n Oog dei Thrau — Un ick bün Michels Brut!“
„Die uralte Geſchichte, die immer neu bleibt, alſo auch ſchon
auf dieſer von der Cultur ſo wenig beleckten Erdſcholle— o weh! tout comme chez nous! Sie ſprechen das Plattdeutſche aber ſehr geläufig!“
„Es iſt meine Mutterſprache, Excellenz, Franzöſiſch und Eng⸗ liſch kann man wie ein Franzoſe und Engländer ſprechen lernen— aber das Plattdeutſche muß man ſchon beim erſten Lallen üben!“
„Mir ſind ſtets Vergleichungen des Plattdeutſchen mit dem Hochdeutſchen intereſſant geweſen,“ bemerkte der Graf,„und gern forſche ich den Wandlungen nach, die das Hochdeutſche zu beſtehen hatte, ehe es ſich aus dem Altdeutſch⸗Platten zu ſeiner jetzigen Form entfalten konnte. Originell iſt, mit welcher ängſtlichen Gewiſſen⸗ haftigkeit das Hochdeutſche die Vocale des Plattdeutſchen geradezu umkehrt: z. B. Brut in Braut— und dann wieder im Gegenſatze dazu: Bauk in Buch!“
Alſo auch für Sprachforſchungen findet der Miniſterpräſident Zeit— und wie kauft er dieſe Zeit aus?
. Das Diner iſt vorüber— Mitternacht nahe. Putbus ſchläft. Nur ein Licht ſchimmert noch durch die herbſtlichen Bäume des Parkes. Es führt uns zu dem freundlichen Gartenhauſe am fürſt⸗ lichen Küchengarten.
Graf Bismarck iſt noch auf— aber es iſt nicht mehr derſelbe heitere Plauderer Bismarck— der liebenswürdige, witzige Geſell⸗ ſchafter, wie wir ihn noch kurz vorher bei dem Diner geſehen haben
— bei dieſem Lichte wacht in ſtiller Nachtſtunde der Miniſter⸗ präſident Bismarck.
Er, der nach Rügen gekommen iſt, auszuruhen von der Arbeit, ſitzt an einem mit Papieren bedeckten Tiſche in ſtraffer Haltung— die rechte Hand iſt geſchloſſen— das faſt finſtere Geſicht, die ge⸗ dankenſchwangere Stirn ſind in Falten gezogen— der eiſerne Grafarbeitet!
Er denkt nach— tief— ernſt— erſchöpfend... dann dictirt er eine Depeſche.
Aber wo iſt der Cabinetsſecretär, die Depeſche niederzu⸗ ſchreiben?
Der Miniſterpräſident hat keinen Secretär, keinen Rath ſeines Miniſteriums mit nach Rügen genommen... aber an einem Seiten⸗ tiſche mit einer Lampe ſitzt eine Frau— ſchmucklos— beſcheiden— Ruhe auf der Stirn und Klarheit im Auge... mit feſten, ſchnellen Zügen ſchreibt ſie nieder, was der Miniſter dictirt.
Wir kennen dieſe Frau, wir lernten ſie ſchon hochachten.. jetzt bewundern wir ſie.
Die Gräfin Bismarck iſt dem Grafen nicht nur die liebevolle Gattin, die tüchtige Hausfrau, die ſorgſame Pflegerin in ſeinen körperlichen Leiden, die zärtliche Mutter ſeiner Kinder— ſie iſt
dem eiſernen Grafen auch die treue, unermüdliche Gehilfin in ſeiner
Arbeit.
Stunde auf Stunde der ſtillen Nacht rollt dahin— Depeſche auf Depeſche häuft ſich vor der Gräfin auf... Preußen ſchläft... es mag immerhin ſchlafen: der eiſerne Graf wacht.. wie eine Ver⸗ körperung der Deviſe ſeines fünfhundertjährigen Wappens ſitzt er da:„Das Wegkraut Ihr mir ſollt laſſen ſtahn!“
Bilder aus dem Heeleben.
Von Corvettencapitän Werner.
xX. Der fliegende Holländer.
„Wie ſind Sie eigentlich ſo früh zu Ihrem weißen Haar ge⸗ kommen?“ fragte ich meinen alten Freund, Capitän Stamann, der das Seeleben quittirt und ſich als mein Nachbar ein hübſches Häus⸗ chen gebaut hatte,„ich kenne Sie nun ſchon ſeit zwanzig Jahren ſo; Sie ſind wenig über die fünfzig, ſo früh erſcheint weißes Haar doch ſehr ſelten.“
„Da haben Sie Recht,“ erwiderte mein Freund, deſſen Züge auf einmal ſehr ernſt wurden;„ich bekam es auch in einer Nacht. Gott bewahre Sie vor einer ähnlichen,“ ſetzte er hinzu, und es war, als ob ein innerer Froſt ihn ſchüttelte,„den weißen Kopf danke ich dem flie⸗ genden Holländer.“
Capitän Stamann war ein tüchtiger Seemann von practiſchem Verſtande und einem geſunden Urtheile, mit dem ich allabendlich gern ein Stündchen verplauderte und der ganz vortrefflich zu erzählen ver⸗ ſtand. Dabei war er jedoch etwas abergläubiſch, wie faſt alle See⸗ leute aus der alten Schule und nahm es ſehr übel, wenn man in dieſem Capitel ein Zweifler war. Ich hütete mich deshalb wohl, eine ungläubige Miene zu machen, und bat ihn dringend, mir die Sache zu erzähleu.
„Es war im Jahre 1820“‧, begann er,„als ich mich an Bord eines ſchönen Oſtindienfahrers in Vliſſingen einſchiffte. Ich war damals ein junger, fixer Kerl, der ſein Fach verſtand, und da es mich drängte, etwas mehr von der Welt zu ſehen, als meine bisherigen Fahrten in der Oſtſee mir boten, hatte ich mich nach Holland begeben, wo ich auch bald dieſe Stelle fand.
„Es war ein ſchönes Fahrzeug, eben vom Stapel gelaufen und gehörte dem Capitän.“ Letzterem ſah man auf den erſten Blick den tüchtigen Seemann an; gegen die Mannſchaft war er gut, verſtand aber auch, ſie in Ordnung zu halten; dabei gab es vortreffliches Eſſen und hohe Gage— was konnte mir alſo weiter fehlen?
„Nur die Mannſchaft ſelbſt wollte mir nicht recht gefallen. Es war wildes, zuſammengelaufenes Volk aus aller Herren Länder, das
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ſich aus Gott und der Welt nichts machte und den ganzen Tag läſterte und fluchte. Anfänglich kehrte ich mich nicht daran und dachte: „mit den Wölfen muß man heulen;“ ich wunderte mich jedoch, daß auf einem ſo ſchönen Schiffe ſich kein ordentlicher Matroſe verheuert hatte.
„Hätte ich freilich den Grund gewußt, ſo würde ich keinen Fuß auf das Fahrzeug geſetzt haben, aber als ich die näheren Um⸗ ſtände erfuhr, war es zu ſpät, ich konnte nicht mehr fort und mußte die Reiſe mitmachen.
„Der Capitän war nämlich bei allen ſeinen guten Eigenſchaften ein ſogenannter Freigeiſt, ſprach verächtlich von dem ſeemänniſchen „Aberglauben“ lachte über die Furcht vor dem Freitagſegeln, nannte den Klabautermann und den Kraken Ammenmährchen und den flie⸗ genden Holländer unſinniges Geſchwätz. Ja, denken Sie nur, um, wie er ſagte, dem Aberglauben ſo recht auf den Kopf zu treten, hatte er ſein Schiff nicht nur„Freitag“ getauft, ſondern auch an einem Freitage den Kiel ſtrecken und wieder an einem Freitage es vom Stapel laufen laſſen.
„Das Allerſchlimmſte kam aber noch. Wir ſegelten Mittwoch in der Oſterwoche aus Vliſſingen. Das Schiff war ſeeklar, der Wind gut, aber wir gingen nicht etwa in See— nein, der Ca⸗
pitän legte ſich ruhig auf der Schelde vor Anker und wartete bis Charfreitag Morgen, dann erſt lief er in die Nordſee aus.
„Ja, er rühmte ſich auch noch damit und ſagte, er wolle es dem fliegenden Holländer nachmachen, hoffe aber weiter als bis zum Cap der guten Hoffnung zu kommen.
„Ich ſtand grade am Steuerruder, als er dies den Steuerleuten
auf dem Hinterdeck erzählte, und ſie lachten darüber, mir aber lief es eis⸗
kalt über den Rücken. Von dem Augenblicke an wußte ich, daß ich
mich auf einem Unglücksſchiffe befand und konnte keine Stunde mehr froh werden. Von meinen gottloſen Kameraden zog ich mich ganz
V zurück, und meine einzige Freude war, den zehnjährigen Sohn des Capitäns in ſeemänniſchen Fertigkeiten zu unterrichten. Der hübſche,
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