Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
215
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Ich brachte glücklich hervor, daß ich in Sellin ſchon am 17. Oc⸗ tober Eis geſehen habe!

Gutmi lächelnd ſagt der Graf:Ja, Rügen hat eigenthüm⸗ liche Temperaturverhältniſſe, durch die Kleinheit und Zerriſſenheit der Inſel in viele Halbinſeln bedingt, indem das Meer, das ja ſtets von einer viel gleichmäßigeren Temperatur iſt, wie die Luft, überall tief in die Landeinſchnitte eindringt und der Luft ſeine Temperatur mittheilt. Der Fürſt ſagt mir, daß es im Winter auf Rügen viel wärmer iſt, wie bei uns in Berlin. Sie ſind Badegaſt?

Ein eingefrorner, Excellenz!

Ich dachte ſchon, ich ſei der letzte Badegaſt auf Rügen, jedenfalls werde ich aber wohl der letzte bleiben. Wenn ich hier auch jetzt keine Seebäder mehr nehmen kann, wie früher im October und November in Biarritz, ſo erweiſen ſich mir doch die köſtlich friſchen Seeluftbäder von Putbus faſt eben ſo ſehr alsBäder der Verjüngung, wie die Herbſtſeebäder von Biarritz. Ich hoffe, auch jetzt nicht zum letzten Mal in dem ſchönen Putbus zu ſein, ich habe es in dieſen wenigen Wochen ſehr lieb gewonnen. Wenn ich wieder nach Rügen komme, geht's auch in die See hinein. Und wie ruhig kann ich hier in Putbus leben, wenn ich nach Biarritz gehe und dort zufällig mit IHM zu gleicher ZeitBäder der Verjüngung nehme wie entſetzlich ſchreit die liebe Welt immer gleich über hohe, geheimnißvolle Politik. Meine Spaziergänge in dem ſelten ſchönen, naturfriſchen Putbuſſer Parke, am Meeresſtrande und in den nahen Wäldern thun mir ſehr gut, vor allem aber die friedliche Stille des grünen Oert⸗ chens, das mit ſeinen ſauberen, weißen Häuſern lebhaft an eine Herrenhuter Colonie erinnert. Ich begreife nicht, daß das Bade⸗ publikum ſich in letzter Zeit von ſeinem ſchönen früheren Lieblinge fern hält doch mutabile semper femina und bei Familien⸗ badereiſen hat die Frau doch ſtets die erſte Stimme!

Excellenz haben bei Aufzählung der Schönheiten und An⸗ nehmlichkeiten von Putbus aber gerade eine Specialität unſeres Bade⸗ ortes vergeſſen! ſagt ein Herr der Geſellſchaft.

nd die wäre?

Ein Briefträger für Liebende!

Ein Briefſteller für Liebende ſell unter Umſtänden ein ſehr nützliches Stück Möbel ſein ich hab's nicht ausprobirt, postil- lons d'amour gibt's auch aller Orten mit und ohne Uniform aber Ihre Specialität iſt mir unbekannt!

Da war über Sommer eine Ruſſin hier im Bade, natürlich eine Gräfin, denn geringer thun's die Ruſſen nicht. Die ruſſiſche Gräfin hatte natürlich eine ſchöne Tochter und die wieder natürlich einen armen ruſſiſchen Gardeofficier von Herzen und mit Schmerzen liebt und natürlich wollte es die Mutter nicht leiden. Die Tochter ſagte zum Briefträger:Für jeden Brief aus Petersburg, den Sie direct an mich abgeben, erhalten Sie einen Thaler. Die Mutter ſagte zum Briefträger:Für jeden Brief an meine Tochter, den Sie mir aushändigen, erhalten Sie zwei Thaler. Der Briefträger hat ein gutes Herz und erzählte der Tochter die Offerte der Mutter wieder und ſie zahlte ihm pro Brief drei Thaler Beſtellgeld!

Wie unpraktiſch doch alle Liebenden ſind andere nüchterne

Leute recommandiren wichtige Briefe ganz einfach. Für Ihren

Briefträger für Liebende iſt es aber ein großes Glück, daß er ein ſo gutes, ſpeculatives Herz hat und ſich bei den zwei Thalern der Mutter nicht beruhigte ſonſt würde ihm doch College Itzenplitz ein wenig aufs Dach ſteigen!

Inzwiſchen ſind die Damen in den Salon getreten. Neben der ſchönen und geiſtreichen jungen Schloßherrin geht eine ältere Dame im einfachen, grauen Seidenkleide. Das ſchwarze, reiche Haar iſt ſchlicht geſcheitelt und ohne jeden Kopfputz. Das dunkle Auge blickt mit heiterem Lebensernſte ruhig klar umher, auf dem be⸗ ſcheidenen Geſichte ruht ein gewinnender Zug von Wohlwollen und hausmütterlichem Wohlthun, verbunden mit Geiſt und Charakter. Eine thatkräftige Tüchtigkeit im Denken und Handeln ſpricht trotz aller Anſpruchsloſigkeit aus dem ganzen Auftreten der Dame.

Das iſt die Gräfin Bismarck. Ihre Tochter, die Comteſſe Anna Bismarck iſt eine junge Dame von kaum achtzehn Jahren, mit weichen Zügen und ſtillen, dunklen Augen.

Es iſt ſervirt. Die kleine Geſellſchaft tritt in den mit Por⸗ zellan getäfelten und mit alterthümlichem reichem Geſchirr auf dem Büffet geſchmückten Speiſeſaal. Schnell und zwanglos nimmt jeder Platz, wo er ihn findet.

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Das Diner wird mit Auſtern eröffnet. Es iſt ein Vergnügen, zu ſehen, mit welcher Eleganz und Praxis Graf Bismarck ſeine Auſtern ſchlürft. Die Gräfin läßt ihren Teller unberührt ſtehen.

So gut wurde es uns nicht in Böhmen, meine Herren! ſagt der Graf heiter zu einigen Officieren der GeſellſchaftDa fehlte uns oft das liebe Stückchen Brot oder Fleiſch oder gar alles beides!

Excellenz, dafür waren wir im Kriege und in Feindes Lande. Ein wunderliches Mittagsmahl werde ich übrigens nie vergeſſen. Es war nach der Schlacht von Münchengrätz und wir hatten uns redlich müde und hungrig geſchlagen und was gab's da zu eſſen? trockne ungeſalzene Kartoffeln und Champagner!

Der König hat ſelber alles mit durchgemacht, ſagt der Graf ernſtda wurden dem Soldaten Entbehr ungen und Stra⸗ pazen leicht! Ich war in der Schlacht von Königgrätz in der Suite des Königs, und gar oft waren wir mitten im Gewühl des Kampfes. Um Mittag trat eine momentane Windſtille im Brauſen der Schlacht ein der Kronprinz wurde auf dem Schlachtfelde erwartet mit Sehnſucht erwartet. In dieſer bangen Pauſe fragte der König ſeine Umgebung, ob niemand etwas zu eſſen habe, ihn hungere. Der Reitknecht hatte etwas Wein, ein Officier zog verſchämt ein winziges Stüccchen Wurſt aus ſeiner Ledertaſche, und freudeſtrahlend trat ein Soldat heran, ein Stück Commisbrot in freier Fauſt.Mein Sohn, haſt Du denn ſelber ſchon zu Mittag gegeſſen? fragte der König. Nein, Majeſtät!So wollen wir ehrlich theilen! und der König brach das Stück Brot durch und reichte dem Soldaten die HälfteDa nimm es nur, Dein König dankt Dir! Und dann rückte der Kronprinz mit ſeiner Armee heran zur rechten Zeit! Unſere plattdeutſchen Soldaten nannten ihn fortan auch nur Prinz taur rechten Tiet! Die Schlacht wüthete von neuem. Der König, mit ſeiner Suite auf einem Hügel haltend, hatte ſeine ganze Aufmerkſamkeit auf den Gang des Kampfes gerichtet und achtete nicht im geringſten auf die ihn dicht umſauſenden Granaten. Auf meine wiederholte Bitte: Majeſtät möge ſich nicht ſo rückſichts⸗ los dem mörderiſchen Feuer ausſetzen, erhielt ich die königliche Antwort:Der oberſte Kriegsherr ſteht dort, wohin er ge⸗ hört! Erſt ſpäter, als der König beim Dorfe Lipa perſönlich das Vorgehen der Cavallerie befohlen hatte und die Granaten wieder um ihn herum niederfielen, wagte ich, aufs neue zu bitten:Majeſtät, da Sie keine Rückſicht auf Ihre Perſon nehmen, ſo haben Sie wenig⸗ ſtens Mitleid mit Ihrem Miniſterpräſidenten, von dem Ihr getreues preußiſches Volk ſeinen König fordern wird im Namen dieſes Volkes bitte ich: verlaſſen Sie dieſe gefährliche Stelle! Da reichte mir der König die Hand:Nun Bismarck, ſo laſſen Sie uns weiter reiten! Der König wandte auch wirklich ſeine RappſtuteSadowa, der er nach der Schlacht von Sadowa ſelbſt dieſen Namen gegeben hatte und ſetzte ſie in einen ſo langſamen Galopp grade, als wär's ein Spazierritt die Linden hinunter in den Thiergarten. Da zuckte es mir doch in Händen und Füßen Sie alle und noch manche andere Leute kennen ja den alten heißblütigen Bismarck, ich ritt meinen Dunkelfuchs dicht an die Sadowa heran und verſetzte ihr einen kräftigen Stoß mit meiner Stiefelſpitze; ſie machte einen Satz vorwärts, und der König blickte ſich verwundert um. Ich glaube, er hat es gemerkt, aber er ſagte nichts.

Führten Excellenz während des Kriegs bei ſich?

Nein, ich habe ihn auch nur ein Mal mit wirklichem Bedauern vermißt. Es war gleich nach der Schlacht von Königgrätz. Ich ritt einſam über das Leichenfeld es war ein Anblick, um das Blut in den Adern erſtarren zu laſſen grauſig, blutig unver⸗

einen Revolver

geßlich! Da ſehe ich vor mir ein armes, ſchönes Pferd, beide Hinter⸗

füße ſind ihm durch eine Granate fortgeriſſen. So ſtemmt es ſich zitternd und jämmerlich wiehernd auf die Vorderfüße und ſchaut mich mit den großen naſſen Augen wie hilfeflehend an da wünſchte ich mir eine Kugel, ſie der armen Creatur ins Herz zu jagen. Aber auch Bilder voll rührender Poeſie und unwiderſtehlicher Komik hatte das Schlachtfeld aufzuweiſen. So ſah ich noch während des Kampfes einen blutjungen Officier bleich und ſchön wie ein Schlafender an einem Gartenzaun lehnen. Er war todt. Drinnen im Garten ſtanden die Roſen in voller Blüthe. Ein Soldat brach ſich ſo eben haſtig eine Hand voll dann ſtieg er über den Zaun und legte die Roſen dem jungen Helden auf die Bruſt, wo die Unform. ein ganz