Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
485-486
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485 prüde

Psalter 486

prüde, adj.: zimperlich, übertrieben sitt- sam. 1801 bei Campe u. noch 1834 bei Petri nur Prude f.«eine zimperliche Persony, dieses schon im 17. Jh. Aus glbd. frz. prude adj., das auf afrz. preuz«tapfer» zurückgeht. 1786 bei Möser Patriot. Phan. 4, 107. Davon Prü- derie, f., aus frz. pruderie f.

Prudel, m.(s, Pl. wie Sg.): aufwallendes kochendes Wasser; dicker Dampf von heißem Wasser, Pferden, Land usw. Bei Hagedorn Od. 45. Bei Schottel Brodel«ZLusammenfluß von Unraty. Vgl. brodeln.

2Prudel, s. 2prudeln. 1prudeln, s. brodeln.

²prudeln, v.: Fehler bei der Arbeit, bes. beim Stricken machen. 1716 bei Ludwig brud- deln, broddeln, 1781 bei Kindleben prudeln. Schles.«langsam arbeiten», rhein. prutteln «schlecht stricken, nd. prudeln nachlässig arbeiten, pfuschen, stümpern». Dazu nd. brod- delen, brodden«hudeln, stümperny. Unklarer Herkunft. 4BL. Prudel, m.: Fehler.

prüfen, v.: die Beschaffenheit wovon kennen zu lernen suchen, wie sie sei. Im 16. Jh. öfters brüfen, im 15. Jh. prufen, brufen, bruefen usw., mhd. prüeven, auch prüefen, brüeven, pruoven, bruoven, md. pruven, proven cbeweisen, dartun, darstellen, schildern, zum Darstellen kennen lernen u. überhaupt kennen lernen, genau sehen od. hören, nachdenkend kennen lernen, erwägen, schätzen(nach dem Preise, dem Wert anschlagen), erwägend ver- anlassen, hervorbringen, zurechtmachen, be- reiten, erregens u. a., zuerst Ende des 11. Jh. aus afrz. prouer, frz. prouver cbe-, erweisen, dartun», ital. provâre auch«versuchen», u. diese aus lat. probãre, s. Probe. Eben daher auch mnd. prouen, mndl.'ndl. proeven, afrs. prõuja, prõgja, ags. prõfian, engl. prove, anord. prõfa, schwed. prfva. 4BL. Prüfung, f. (Pl.-en), mhd. prüefunge f. ZUS. Prüfstein, m., bei Luther Sir. 6, 22 prüfestein.

Prügel, m.(-v, Pl. wie Sg.): dicker Stock (zum Schlagen, auch am Gewehr, Schießprügel); zu Brennholz abgehauner ungespaltner nicht zu dicker Baumast;(Pl.) derbe Schläge(1711 bei Rädlein). Im 16. u. 17. Jh.(bei Maaler, Duez, Kramer u. selbst noch 1691 bei Stieler) Brügel, spätmhd.(selten) brügel m. Ahd. gi- prugilön contutari?, eig.«mit Prügelholz verdecken»(ahd. Gl. 1, 698, 33) ist unsicher. Schon von Grimm zu Brücke gestellt. Brücke ist eig. ein«Knüppelweg». Vgl. jetzt Meringer Wörter u. Sachen 1, 190. Anders Falk-Torp

s. v. prygl. 4L. prügeln, v.: durchhauen. 1534 bei Franck Weltb. 102 ⁵b. Bei Schöns- leder, Duez, Stieler mit b. ZUS. Prügel- junge, m.: Knabe an Fürstenhöfen, der die Strafe erhielt, die der junge Prinz verdient hatte. Prügelsuppe, f.: Prügel. 1548 bei Waldis 4, 74, 80 Brügelsuppe.

Prünélle, f.(Pl.-/): feine getrocknete Pflaume. Das frz. prunelle f., Abl. von prane f. Pflaumen, von lat. präna, Ntr. Pl. von lat. prünum n. Pflaume». 1676 bei Krämer ital.- teutsch. Wb. 1321²2 Brünelle, Brunelle, 1678 bei Krämer Brunell«Schlehenpflaume», 1711 bei Rädlein Brunellen.

Prunk, m.(-els, ohne Pl.): zierender großartiger Glanz, Aufsehen erregende, zur Schau getragne auszeichnende Verschönerung. 1741 bei Frisch u. bei Lessing 8, 266 Brunk, (brunken). 1691 bei Stieler, der die Aufnahme tadelt, 1663 bei Schottel pronk«gravitas su- perbiens». Aus nd. prunk m.«Aufputz, Schau- stellungy, ndl. pronk f.«Pracht, Schmuck, Zierden, mndl. bronc«Glanz, Prachty. Dazu engl. mundartl. prankc, brankc«stolz sein?, prinke«prunkeny. Viell. zu prangen. Dazu prunken, v., schon md. im 14. Jh. brunken in verbrunkin(Jeroschin 7407), dann aber erst wieder 1663 bei Schottel pronkcen, wie eine ausgeputzte Braut hereinpronken, 1716 bei Ludwig aus nd. prunken, ndl. pronken. Dazu auch md. gebrunkcel n.«heller Waffenglanz» bei Jeroschin 21435. prunkhaft, adj., bei Herder antiquar. Aufsätze 369. prunklos, prunkvoll, adj., bei Wieland.

prusten(mit d), v. stark niesen, schnauben, lautlos lachen u. dabei dem andern Feuchtig- keit ins Gesicht blasen(ins Gesicht prusten). Aus dem Nd., wo schon 1424 prusten. 1781 bei Kindleben æniesen». Viell. zu brausen od. zu russ. bryzgati, brysnuti«spritzen?.

Psalm, m.(-els, Pl.-en): erhabnes from- mes Lied. Mhd. salm m.(-es, Pl.-e) mit Ab- fall des p u.(p)salme(Gen.-n, Pl.-n), ahd. (p)salm(Pl.-Selmi) u.(g)salmo m. Aus kirchl. gr. lat. psalmus m., gr. okuöc m.«zum Saiten- spiel gesungnes Lied, Gottesliedy, eig.«das Berühren, Schlagen der Saiten zum Spiel» von gr. wd eiv«berühren, rupfen, die Saite schnel- len, anschlagens». Vgl. noch 1Salm. Psalmist (-en, Pl.-en): Psalmdichter. Spätmhd. psal- miste. Aus glbd. kirchl. lat. psalmista m.

Psalter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Saiteninstru- ment von harfenühnlicher Gestalt(bei Luther, H. Sachs, mhd. psalterje f.): Psalmbuch; Blätter-

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