Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
363-364
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363 Panisbrief

Pantheismus 364

frz. panique f., dem subst. F. des Adj. panique, von gr. lat. panicus, gr. novuxwòc«vom Pan, gr. TIäv, dem Wald- u. Hirtengott der Griechen herrührend, ihm eigen». Die Griechen glaubten nämlich, plötzlicher, ohne sichtbare Veran- lassung entstandner Schrecken, bes. bei einem Heere, rühre vom Pan her u. nannten jenen daher deiua Tfaviwévy panischer Schrecken. Schon 1575 im Garg. 409 ein panischer Laub- plattrauschender schreckcen.

Panisbrief, m.: Brotbrief, Versorgungs- brief, d. h. ein Schreiben, wodurch deutsche Kaiser seit dem 13. Jh. dürftige Laien an eine geistliche Stiftung überwiesen. Zgs. mit lat. pPãnis m. Brot». 1691 bei Stieler, 1616 bei Henisch. Noch b. Bürger Kaiser u. Abt V. 152.

Panne, f.(Pl.-n): Unfall bei Automobilen, Luftschiffen. Aus frz. panne, das in der Pariser Theatersprache einen Unfall bedeutet, zurück- gehend auf en panne«mit beigesetzten Segeln?, so daß das Schiff nicht von der Stelle kam.

Panner, veraltete Schreibung für Banner.

Panöptikum, n.(-s, Pl. ken): Raum, wo alles zu sehen ist, Schauhalle. Gebildet aus gr. ſov- allesy u. ôrrixév, dem N. des Adj. örricöc«das Sehen betreffendy, vom Stamm op«sehen». In der 2. Hälfte des 19. Jh., wohl von Berlin ausgehend.

Panorâma, n.(-s, Pl.-men): Rundge- mälde, Rundblick auf einem Aussichtspunkt. Um 1800 aus England überkommen, vgl. Zfd W. 3, 323. Zus. aus gr. xâv alles» u.-öpouo n. «Anblick, Schauspiel), von òôpdeiv sehen?. 1813 bei Campe.

lpanschen, v.: übermäßig essen oder trinken; eig.«sich woran den Bauch(Pansch, s. Panzen) füllen», d. h. voll essen od. trinken. Noch obd. 1765 bei Rondeau. Viell. schon spätmhd. pansen(Hätzlerin S. 71, 127).

2panschen,(bayr. nur) pantschen: schla- gen(bes. Kinder mit der flachen Hand auf den Hintern), noch obd.(bei Schiller 1, 345 gepanscht«geschlageny, 1765 bei Rondeau hantschen æbattrey); worin herumwühlen(na- mentl. im Wasser); Flüssigkeiten durchein- ander mischen;(Wein) verfälschen(bayr.- tirol.schles. u. jetzt in der Umgangsspr. weit verbreitet). In letzter Bed. 1716 bei Ludwig; 1616 bei Henisch u. 1618 bei Schönsleder Bier- pantscher«pantex ceruisiaey. Unerklärt. Man könnte an eine Mischbildung von mantschen u. patschen denken.

¹ Panse, f.(Pl.-n), Pansen(so öst.-bayr.), m.(-s, Pl. wie Sg.), auch Panzen: der erste

Magen der Wiederkäuer;(in der letzten Schrei- bung auch) Wanst, Schmerbauch. Mundartl. obd. u. md. auch Pan t)sch, Bansch. 1664 bei Duez Pantz, Pantsch. Schon mhd. panze m. «Wanst, Magen». Dazu nd. panse(n) m. Tier- magenꝰ, panse f.«Schmerbauch), mndl. pense f. «Fett von Därmen(hor. belg. 7, 13²), ndl. pens f. Wampev. Die Formen mit s entl. aus frz. panse f.«Wanst, dicker Bauch, erster Magen der Widerkäuer», älter pance, woraus mhd. panze, während die Formen mit(t)sch aus ital. pancia f.(spr. pantscha)«Wanst, Bauch» zurückgehen. Alles aus lat. panter m. Bauch, Wansty.

² Panse, Panze(Pl.-n): Kind. Mehr herabsetzend. Bei Fr. Stolberg im deutsch. Museum 1783 Okt. S. 292. Aus glbd. nd. panse f. n. Mit dem vorigen eins.

Panslavismus, m.: Allslaventum. Seit den 40 er Jahren des 19. Jh. aufgekommen. Zgs. mit gr. rov- ally. Vgl. Zfd W. 8, 16.

¹1Pantalon(bayr. nur so), m.(-S, Pl.-s), auch Pantalöne(-IS], Pl.-s u.-n): lustige Maske der ital.(venez.) Komödie, s. Pantalons. 1703 bei Wächtler P.«ein Narr, Pickelhäringy.

2 Pantalon, n.: Klöpfelklavier, d. h. Klavier, bei dem mit Anschlag der Taste ein Klöpfel- chen(Hämmerchen) an die zugehörige Saite schlägt, von Pantaleon Hebenstreit 1697 er- funden u. nach ihm benannt(s. Allgemeine deutsche Biographie 11, 196 f.). Bei Schiller Kab. u. Liebe 5, 7 Mask.

Pantalons, Pl.: Beinkleider. Der im 18. Jh. entl. Pl. von frz. pantalon m.«Hose u. Strumpf aneinander, Beinkleid bis zur Sohlen, eig. das Kleidungsstück, das der pantalöne, die lustige Maske der italienisch. Bühne trägt (s. 1Pantalon). Urspr. venezianische Tracht, denn die Venezianer hatten den Spitznamen pantalãni, weil sie den hl. Pantälon bes. ver- ehrten, u. daher dieser Name als Taufname unter ihnen häufig vorkam. Bei Herder Cid Nr. 15 dafür Pantalone.

Pantheismus, m.(ohne Pl.): Ansicht, daß das Weltall Gott selbst sei. Aus dem Anfang des 18. Jh.(von dem Engländer Toland ge- schaffen, 1727 bei Hübner) herrührendes neu- lat. Gebilde, das als Fortbildung einer Zus. von gr. râv n.«das Ally(das substantivische Adj. nâv«alles», s. Panazee) u. gr. 6ec m. «Gotts erscheint(vgl. Atheismus). Pantheist, m.(en, Pl.-en): wer glaubt, daß das Weltall Gott sei. Wie das vorige von Toland her- rührend. Vgl. nlat. pantheista, frz. panthéiste,