99 lutherisch
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(1773 bei Amaranthes 3«Wandleuchter, hinter dem sich ein Spiegel befindet»); schillernder wollner oder baumwollner Zeugstoff. Aus glbd. frz. lastre m., von lat. lasträre chell machen?.
lutherisch, adj.: von Doktor Martin Luther (§. Lothar). Oft bei Luther(seit 1520 ZfdW. 3, 183). Der Ton liegt auf der 1. Silbe(Fischart 3, 301 Kz., Schiller Pikk. 2, 2, Wallenst. Tod 3, 4); die Aussprache luthérisch beruht auf dem latinisierten Namen Luthérus und wird im dogmatischen Sinne gebraucht, die luthé- rische Kirche, aber die Lütherische Bibel.
Ilutschen, v.: anhaltend saugen. In Mittel- deutschland, 1781 bei Kindleben; bayr. Iuzeln. 4B L. Lutscher, m.: püppchenartiger Saug- lappen kleiner Kinder; in gleich. Bed. Lutsch- beutel, m.(1781 bei Kindleben).
Lutter, m.(-s) beim Branntweinbrennen der durchs erste Feuer abgezogne Spiritus, der im zweiten Feuer geläutert werden mufß. 1777 bei Adelung. Von lauter(s. d.).
Ilützel, adj.: klein, wenig. Schon im 16. Jh. veraltend; jetzt nur noch hie u. da mundartl., sowie in Orts-, Flur-, Berg-, Flußnamen. Mhd. lützel(das N. auch als Subst. u. Adv.), ahd. lu(z) il, liuzil; dazu asächs. luttil, mnd. luttel, ags. /tel, engl. little, mit abweichendem Vokal u. davon zu trennen anord. Mlill, got. leitils. Zurückgehend auf mhd. lütze, lüz, nnd. lütt cklein, gering, wenig», asächs. lut, liut, ags. Iyt «wenig», wovon abgeleitet ahd. Iuzzen, mhd. lützen«gering machen, herabsetzeny u. ahd. luzzic, luzig, asächs. luttic, mnd. Iuttix, und. lüttilc, lüttje, afrs. litilc, littec«klein, wenig, gering». Weiter dazu got. liuts«heuchlerisch» und weiter abg. luditi«täuschen»(entl. lit. Ldnas ctraurig, betrübt»).
Luv, f.(Pl.-en): Windseite des Schiffes, d. h. die Seite, woher der Wind kommt. 1741 bei Frisch Lof, Luf. Aufgenommen aus glbd. mnd. 10h m.«Windseitey, ndl. Ioef f., (entlehnt) engl. 1oο*†, dän. luν. Gekürzt aus ndl. loef zuıjde«Luvseite». L. bed. eig. ein großes Ruder an der Seite des Schiffes. Es gehört zu mengl. lô großes Rudery, älterndl. loef, loeve«Pinne, Pflock» u. weiter zu ahd. laffa«Ruderschaufel⸗, air. lue«Steuers(aus *lopet), abg. lopata«Schaufelꝰ, lett. Iãpsta f. «Schaufel, Spaten, Schulterblatt.
Luxus, m.: Prunkliebe, Prachtaufwand. Schon im 17. Jh. üblich. Das lat. Iuxus m. cüppige Fruchtbarkeity, dann«übermäßige
Pracht. luxurios, adj.: üppig, prunkvoll, 1703 bei Wächtler, aus glbd. frz. laxurieua, lat. luxuriosus, von lat. luxuria f.«Oppig- keit, Prunksuchty.
Luzérne, f.: Schneckenklee. 1777 bei Ade- lung Lucerne. Aus der schon im 16. Jh. sich findenden frz. Benennung luzerne f.(in der Provence und Languedoc).
Luzifer, m.(-S): Morgenstern, Teufel. Schon mhd. Lucifer vom obersten Teufel, dem Fürsten der Hölle, aufgenommen aus kirchenlat. Lucifer(das Adj. lucifer«Licht bringend» als Substantiv)«Morgenstern und dann der vom Himmel gefallne Morgenstern (Jes. 14, 12) in Anwendung auf den Teufel».
Lymphe, f.(-n): Blutwasser. 1712 bei Hübner Lympha, aus lat. Impha f.«Wasser». Daher lymphätisch, adj., bei Herder und Goethe 36, 118, nach lat. Imphdticus.
lynchen, v.: eigenmächtig an ertappten Verbrechern Volksrache üben. Mitte des 19. Jh. entlehnt aus glbd. amerikanisch-engl. Iynch, benannt nach dem Farmer John Lynch, der gegen Ende des 16. Jh. in Nordkarolina von den Kolonisten mit unumschränkter Macht ausgestattet wurde, die Raubzüge flüchtiger Sklaven und Verbrecher zu unterdrücken.
Lyra, f.(Pl.-en u.-s): Die Leier der alten. Griechen u. Römer. Gr.-Jat. Iyra, gr. Xupo f. (s. Leier). Lyrik, f.: Gefühlsdichtung; Ly- riker, m.: lyrischer Dichter, Liederdichter; Iyrisch, adj.: sangmäßig, den Seelen-, Ge- mütszustand, die Empfindung dichterisch wie- dergebend(1774 bei Sulzer). Im 18. Jh. nach dem gr.-lat. Adj. ricus, gr. Aupixéc(zum Spiele der Lyra gebörig, von ihr begleitet), nach dessen substantiv. M. Igricus Lyriker, sowie nach dem subst. F. lyrica Lyrik ge- bildet wurde, beide erst im 19. Jh., z. B. 1834 bei Petri.
Lyzéum, n.(-s, Pl. Luzeen): Gelehrten- schule. Das gr. Jat. wcéaum, gr. Aukxetov n., worunter man einen außerhalb Athens auf der Morgenseite der Stadt gelegnen, nach dem nahen Tempel des Apollon Lykeios be- nannten öffentlichen Ringplatz(Gymnasium) mit bedeckten Gängen zum Lustwandeln ver- stand, in welchem Raum Aristoteles lehrte. Daher im Mittelalter Name von Anstalten, in denen die Aristotelische Philosophie in scholastischer Form gelehrt wurde, und seit dem 16. Jh. Name der Lateinschulen(1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 77).


