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kriechen 1150
unverkürzte Form das Kreutze, Kreuze noch bei Opitz, Fleming, Günther, Lessing 1, 186, Rückert 1, 111. RA. zu Kreuze riechen (urspr. zum Crucifig bei der Kirchenbuße) csich demütigen⸗(bei Luther zum Creutze kriechen). 4BL. kreuzen, v.: das Zeichen des Kreuzes machen(schon mhd.); kreuzweise herumfahrend und aufpassend auf der See sich bewegen(von Schiffen, 1678 bei Krämer kreutzen, creutzen); kreuzweise durchschneiden oder sich schneiden(18. Jh.). Mhd. kriuzen cans Kreuz schlagen, mit dem Zeichen des Kreuzes versehen», ahd. Krhzon«kreuzigen), lat. erãciãre«kreuzigen, peinigen». Kreuzer, m.(s, Pl. wie Sg.): kleine Silber- oder Kupfer- münze, urspr. mit aufgeprägtem Zeichen des Kreuzes(X, deshalb die Kürzung xr., dann auch kr.), mhd. Kriuzer, mlat. denarius eru- ciatus oder cruciger(zuerst als Silberpfennige im 13. u. 14. Jh. in Verona und Meran geprägt); kreuzendes Schiff, Kaper 1716 bei Ludwig Creutzer). kreuzigen, v.: ans Kreuz schla- gen, mhd. Kriuzigen, md. crüzigen, ahd. cru- cigõn; dazu Kreuzigung, f., mhd. Kriuzi- gunge, ahd. chrücigunga f. ZUS. Kreuz- band, n.: kreuzweis umgelegtes Band, bes. für Postsendungen. In diesem Sinne erst im 19. Jh. kreuzbrav, adj.: durchaus brav, 1756 im Leipz. Avanturier 1, 109 creutzprav, wie schon bei Fischart Garg. 231 u. 240 Kreutzgut, eine Verstärkung nach dem Vorbilde von Kraft- wörtern wie Kreuzdonnerwetter usw. Kreuz- fahrt, f. Kreuzzug, mhd. Kriuzevart f. Kreuz- gang, m.: Umaug mit dem Kreuze, Wallfahrt; für diesen Umzug Säulengang oder Halle an Kirchen und Klöstern; Leidensweg im mensch- lichen Leben(nach Christi Leidensgang, 1578 bei Spangenberg Ehespiegel 84²). In den bei- den ersten Bed. mhd. Kriuze-, Kriuzganc m. Kreuzschnabel, m.: der Christvogel mit ge- kreuztem Schnabel, 1557 b. Heußlin 168 2 Krütz- vogel oder Krumbschnabel. Kreuzspinne, f.: Spinne mit einem weißpunktierten Kreuz auf dem Rücken, 1691 bei Stieler. Kreuzweg, m., 1640 bei Comenius, bei Spe Trutzn. 34 (Balke), 1598 bei Kilian krugsweg. kreuz- weise, adv., mhd. Kriuzewtse,-. Kreuz- Woche, f.: die zweite Woche vor Pfingsten, in der die katholische Kirche Bittgänge mit vorgetragnem Kreuz hält, mhd. Kriuze-, Kriuz- woche f., and. Krazervilka f. Kreuzzug, m., am Anfang des 18. Jh. bei Günther 132. kribbeln, v.: vielfüßig, vielfingerig sich be- wegen, wimmeln; wimmelnd jucken, prickeln.
Gedehnt kriebeln(im 16. Jh. Weim. Jahrb. 5, 224). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. yl2 kribeln, in der Reimformel Kribbeln und wihheln 1455 bei Liliencron Volksl. 1, 483 b in der 2. Bed. md. im 13. Jh. Kribeln; dazu nd. Wribeln und Kribbeln, ndl. 1599 bei Kilian xrevelen und Kribbelen. Im Ablaut stehend zu krabbeln(s. d.) 4L. kribb(e)lig, adj.: unruhig. Niederd. Im 16. Jh. Kryblecht. ZUS. Kribbelkopf, m.: reizbarer Mensch, norddeutsch, 1748 im westfäl. Robinson 265. Kribbel-, Kriebelkrankheit, f.: unauf- hörliches Jucken, vom Genuß mutterkornhalti- gen Brotesstammend, bei Musäus Volksm. 2, 192 Kribellcranicheit, 1741 bei Frisch Griebelsucht. Kribskrabs, m. n.: ein Durcheinander von Zügen im Ritzen, Schreiben usw. sinnlosen oder zauberhaften Charakters; wunderliches Durch- einander(Goethe Faust 3268). Bei Schuppius 502 Kribbes Krabbes, 1573 kribiß Krahaß, ein Ablautgebilde wie Schnickschnack, Kriel- krakel, ripsraps usw., von ndl. Krabben«krat- zeny, Kribben«kritzeln»(1599 bei Kilian). krick(e)lig, adj.: mit allem unzufrieden und tadelsüchtig wie zänkisch(Goethe 22, 249, 1. H.); leicht zu Zank und Streit führend. Von krickeln, v.: zanken, streiten. Mundartlich kreckeln, nd. kräkeln rechthaberisch wider- sprechen, unzeitig und mürrisch tadeln». Da- von Krickelei, f., Goethe Briefe 3, 247. Krieche, f.(Pl.-n): die Pflaumenschlehe. Mhd. krieche f., ahd. chriehboum, Krichboum m.; dazu 1477 clevisch criecke, mnd. Krekce, krike f.«Schlehenpflaume», ndl. Kriek f.«Vogel- kirsche», ins Französische entlehnt créque f. Krieche», ins Skandinavische schwed. Kricon, dän. krœge. Wahrscheinlich zu mhd. Krieche m. Grieche», vgl. 1517 bei Trochus K 1 b prunum grecum, greculum, krichen. Vgl. E. Schröder Anz. fdA. 23, 158. kriechen, v.(Prät. kroch, Konj. röche, Part. gekrochen): niederliegend sich fortbewegen. Mhd. kriechen(Prät. Krouch, Pl. kruchen), ahd. chriochan, engl. crouch sich niederbücken», norw. Krulca sich niederhocken», sonst mit labialem Auslaut anfrk. criepan, mnd. Krupen (auch md. Kräüfen neben Krichen), ndrhein. krũfen, Kruifen, mndl. crufen, nndl. Kruipen, ags. crꝰopan, engl. creep, afries. Wriapa, anord. rjũpa, schwed. Erypa, dän. krybe. Man ver- gleicht(mit k-Auslaut) air. gruc(aus*grunko-) Runzel⸗ und(mit p-Auslaut) gr. vpõnòc krumm. Vgl. Btr. 26, 301. Alternhd. im Präs. kreuchst, Kreucht, Imp. kreuch, nach mhd.


