801 halt
Hämling 802
halt, Adv. der Bekräftigung: vielmehr, allerdings, eben, freilich. Mhd. und ahd. halt, asächs. hald, wie baß(s. d.) ein um die Endung verkürzter Adverbialkomparativ(zum ahd. Adv. halto«sehr»), der sich in mhd. haltir, halter, got. haldis, anord. heldr, dän. heller, cvielmehr» vollständigzeigt, noch österr. halter (auch bei Wieland 11, 221, Schiller Turandot 4, 7). Davon verschieden schles. haldich, hallich, henneberg. heillich, im Schelmuffsky(1697) 109 fg. halt ich dafür, als zwischengeschobener Bestärkungssatz. Das oberdeutsche halt wird auf dieses halt, 1. Sg. vom Verbum halten «meinen» zurückgehen.
Halt, m.(Lels, Pl. e): Festigkeit, Stütze (1691 bei Stieler); festes Benehmen(Goethe 23, 178); das Anhalten(Opitz 2, 131); Hinter- halt(Voß Ilias 6, 189, schon spätmhd. im 15. Jh.). Von halten, v.(Präs. halte, hältst, hült, Prät. hielt, Konj. hielte, Part. gehalten, Imp. halt, halte): in Fürsorge und Aufsicht haben; festsein und-bleiben woran usw. Mhd. halten, urspr. Verbum des Hirtenlebens: ahd. haltan, halthan(Prät. hialt) c«hüten, als Hirte das Vieh?(Otfrid 1, 12, 1),«bewahren, ver- wahrenꝰ, asächs. haldan(Prät. held)«hüten, in Pflege haben, bewahren, fest haben, preisen, feiern», ags. healdan«bewachen, leiten, inne- haben, fest-, aufrechthalten⸗, engl. hold, afries. halda«beobachten, leiten, festhaben» usw., anord. halda, altschwed. halla, schwed. halla, got. haldan(Prät. haihald) chüten, wei- den». Man kann f als präsensbildend betrach- ten und als urverwandt aind. kaldjati«treibt, hält», gr. kéxecéoi antreiben, rufeny, keNerv «treibeny, Bouxéöxoc m. Rinderhirt», altir. büachaill«Hirt⸗ vergleichen. 4 L. Halter, m.: Hirt(bayr.), Haltender, Werkzeug etwas festzuhalten(Behälter 1663 bei Schottel), mhd. haltœre, halter m. firt, Beobachter, Be- wahrer, Erlöser, Inhaber», ahd. haltari m. Erlöser, Empfänger». Mit Umlaut Hälter, m.: Aufnahme- und Bewahrungsort, bei Frisch aus Alberus dict. 1540. haltig in gold-, reichhaltig, spätmhd. halteg«festhaltendy, ahd. nur in Zussetz. haltic«haltend. Hal- tung, f., mhd. haltunge f. Verwahrung, Ge- wahrsam, dann«das Verhalten. ZUS. halt- bar, adj., 1691 bei Stieler nebst Haltbarkeit. Haltepunkt, m., bei Goethe 35, 245.
halter s. halt.
Halünke, m.(m/, Pl.-n): nichtswürdiger Mensch. 1527 bei Waldis verlor. Sohn 879
Holunck cnackter Bettler», 1541 Hollunk
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
Bettler»(Germania 20, 68 bei Beschreibung eines Brandes in Prag), 1542 bei Alberus der Barfuser Münche Eulenspiegel No. 94 Hal- luche«verwildert aussehender Mensch», 1615 bei Wallhausen Kriegskunst zu Fuß 141 Hal- lunck«Nichtswürdiger», bei Fischart Pract. Großm.(1607) B 12 Holunck, noch bei Schiller Räuber 1, 2 Hollunkee. Wohl entlehnt aus böhm. holomel m. nackter Bettler, Nichts- würdiger», von böhm. holy;«kahl, nackt, bloß, arm. Anders H. Schröder Streckformen 11. Vgl. noch Kern ZfdW. 7, 307.
Hambutte, f.(Voß Luise 1), s. Hagebutte.
iHamen, m.(„s, Pl. wie Sg.): sackför- miges usw. Fangnetz. Mhd. hame, ham m., auch urspr.«Haut, Hülle, Kleidy, ahd. hano Hülle, Kleid in Lihhamo(s. Leichnam), eben- so asächs.-hamo in güd-, fedhar-, llhamo, ndl. haam Fischnetz, Kummet», ags. hama, homa, ham m., engl. hame«Kummet, Ge- schirrstöcken, anord. hamr m. Hülle, Haut, Balg», schwed.-dän. ham cabgestreifte Haut, Balgy. Dazu got. hamön kleiden», in af-, ana-, and-, ga-, ufarhamõn, anord. hamast «die Gestalt eines andern Wesens annehmen). Auberhalb des Germ. sind noch verwandt aind. cgam f.«Hülsenfrucht», çũõmauljäm n.«wollnes Hemd. Vgl. Hemd.
²Hamen, m.(*, Pl. wie Sg.): Angelhaken, Angelrute. Mhd. hame, ham m.(dazu das Dim. hamel n. Hükchen, kleines spitzes Werkzeug), ahd. hamo m., vielleicht urverwandt mit lat. hämus m.«Haken, Angelhaken, Angel». Vgl. aber Walde s. v. Im 16. Jh. Hame m. chölzerne gebogne Fessel zum Festhalten von Kühen und Schweinenv», noch westfäl. Ham und westmd. Hamen m. Pferdekumty, engl. hame«Kumt».
Hamfel s. Hampfel.
hämisch, adj.: versteckt boshaft mit Lust zu schaden. Mhd. hemisch, hamisch, im 15. Jh. hämisch, im 16. Jh. in gleicher Bedeutung heimisch und heimlich, aber mit diesem wohl nicht verwandt. Im 15. Jh. das mit Dat. der Person verbundne Adj. hem«zu schaden be- flissen, aufsässigy. Wohl von 1Hamen abge- leitet, eig.«mit einem Gewand bedeckt», dann «verhüllt),«versteckto.
Hämling, m.(-s, Pl.-e): Verschnittner, Eunuch. 1486 Hemling als Verdeutschung von eunuchus, von Gottsched nöthiger Vor- rath(1757) 1, 39 angeführt, woher das Wort bekannt und dann von Lichtenberg, Wieland usw. gebraucht wurde; spätmhd. 1404 hembe- linc m.«Hammel»(s. d.).
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