Vorwort zur fünften Auflage.
F. L. K. Weigands Wörterbuch hat eine lange Geschichte. Es ist ur- sprünglich eine Bearbeitung des„Kurzen deutschen Wörterbuchs für Etymologie, Synonymik und Orthographie“ von Friedrich Schmitthenner, 1834, 2. Aufl. 1837 gewesen. Aber wie schon Jacob Grimm dem Verfasser schrieb:„In Ihrem Wörterbuch ist nicht mehr Schmitthenner, sondern bloß Weigand“, so war es in der Tat, und so durfte und mußte mit Recht dieser Name auf dem Titel stehen. Das Werk hat dann zu Lebzeiten des Verfassers, dank dem aus- gezeichneten Inhalt, drei Auflagen erlebt; während des Druckes der vierten starb der Verfasser, es konnten aber noch die zahlreichen in seinem Nachlaß vorgefundenen Notizen für die neue Auflage benutzt werden.
Daß es sich bei einer weitern Auflage nicht nur um einen etwas ver- besserten Abdruck handeln konnte, sondern, daß den Fortschritten der Wissen- schaft entsprechend eine gründliche Umarbeitung stattfinden mußte, war dem Verleger klar. Leider hat diese manche Schwierigkeiten gehabt. Zunächst hatte sie Prof. v. Bahder übernommen. Er hat nach mehrjährigen Vorarbeiten, die in umfangreichen Sammlungen bestanden, A bis Flecken geliefert und diesen Teil auch später bei der Drucklegung noch einmal durchgearbeitet. Dann ist, da er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheitsriicksichten aufgeben mußte, Dr. Kant, der längere Zeit neben Hildebrand am Deutschen Wörterbuche gewirkt hatte, eingetreten, und dieser hat die weitern Teile bis stark im Manuskript fertig- gestellt(mit Ausnahme des Buchstaben P). Leider hat Dr. Kant das Werk nicht so fördern können, wie man wohl hätte wünschen müssen. War doch das Buch schon seit langem vergriffen, und der Wunsch nach einer neuen Auflage dringend.
Meine eigene Tätigkeit hat damit begonnen, daß ich mich auf Wunsch von Prof. v. Bahder und auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 verpflichtete, den etymologischen Teil des Werkes durchzusehen und zu er- gänzen. Es war dies um so mehr unbedingt nötig, als Dr. Kant auf dem Gebiete der indogermanischen Etymologie kein Fachmann war.
Unter diesen Umständen hat der Satz begonnen. Bald darauf mußte aber auch Dr. Kant von der UÜberwachung der Herausgabe und der weitern Bearbeitung zurücktreten. Da ich bei der Bearbeitung der Etymologie und der Durchsicht des fertigen Manuskriptes den hohen Wert des bisher Geleisteten kennen gelernt hatte, so habe ich mich unter diesen Verhältnissen, namentlich


