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anderes als Stab(Zweigstück) der Buche, auf denen ein Runenzeichen zu Los- und Weissagung eingeritzt war. Solche Stäb- chen wurden aufs Geratewohl über ein aus- gebreitetes weißes Gewand gestreut, sodann aufgelesen und jenen Zeichen gemäß gedeutet, entweder indem man, wie die Stäbchen nach und nach aufgelesen wurden, aus ihnen ein Wort zusammensetzte oder auch dem Namen jedes Zeichens(Buchstabens) einen Bezug auf den fraglichen Gegenstand gab. Im Anord. findet sich neben bökstaf auch das einfache stafr, wie im Ags. stœf für Buchstabe. Vgl. Buch, lesen. Das zugrunde liegende schwache M. wird durch Antreten eines s im Gen. Sg. zur starken Dekl. übergeführt, der Nom. Sg. erhält sich im ältern Nhd. meist mit, abgeworfenem e als Buchstah(für diese Form tritt noch Adelung ein), während jetzt Buch- stabe das Gewöhnliche ist, nur selten mit Antreten des a von den andren Kasus als Buchstaben(doch schon vereinzelt bei Luther 2. Kor. 3, 6); starke Flexion von Buchstab kommt vereinzelt vor. 4BL. buchstabieren, v.: die Buchstaben einer Silbe, eines Wortes einzeln aussprechen und zusammensetzen. Schon frühnhd.(z. B. bei Luther 8, 294 b Jen.), doch daneben ohne die fremde Endung auch buchstaben, wie schon mhd. buoch- staben. buchstäblich, adj. Bei Ludwig 1716, älternhd. dafür buchstabisch.
Bucht, f.(Pl.-en): Einbiegung des Meeres oder eines Sees ins Land; hohlrunde Ein- biegung. Aus dem Ndd., mnd. bucht, mul. bocht Einfriedigung fürs Viehy. In der 1. Bed. erscheint das Wort zuerst bei Apinus 1728 und wird dann im 18. Jh. mehrfach, zu- nächst als ndd., dann von Adelung als hd. (doch vorzüglich in Niedersachsen übliches) Wort verzeichnet; die Bed.«Krümmung, Biegung», dann(urspr. runder)«Verschlag» (namentlich in Schaeineb.) ist noch jetzt ndd. Dazu ndl. bocht f. Bucht, Krümmungy, engl. bougkt und bight«Bucht, Bug, Krümmung, schwed. bukt, dün. bugt m. Krümmung, Buchts. Zu biegen mit Dentalsuffix gebildet, wie Flucht zu fliehen. 4BL. buchtig, adj.
Buchweizen, m.(-S): Mehlfrucht aus dem Geschlechte des Wegebreites, das Heide- korn(s. d.). Die Pflanze kam erst im 15. Jh. nach Europa und wurde Buchaveizen genannt, weil die Frucht in ihrer Gestalt der Buch- ecker und nach ihrem Geschmacke dem Weizen ähnelt. Die Benennung stammt aus dem
nördlichen Deutschland, sie kommt schon im 15. Jh. in Urkunden vor(v. Fischer-Benzon altd. Gartenflora S. 170), 1517. verzeichnet Trochus zuerst Buchabeiß, 1537 Dasypodius Butzweyß, 1561 Maaler Butznweissen, im 17. Jh. steht BPuchweitzen bei Duez, Krämer u. a.
1Buckel, f.(Pl.-n): erhabene Metallver- zierung. Mhd. buckel f. m.«erhabener Erzbe- schlag in der Mitte des Schildes, aus dem gleichbed. afranz. bocle, nfranz. boucle f., die zurückgehen auf lat. buccula«Backen», dann Erhabenheit, Erhöhung», das Dimin. von lat. bucca f. der(volle, aufgeblasene) Backens.
²Buckel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Rücken- auswuchs; der Rücken selbst. Früher auch Puckel geschrieben, namentlich bei nordd. Schriftstellern. Zu bucken= hücken cbiegen), also eig.«Krümmung»(nach andern aus 1Buckel geflossen). Erst frühnhd., zunächst in der 1. Bed.(um 1480 im Voc. inc. teut. d 4 b hickel, verdruckt für buckel«Höckery, 1515 bei Hüpfuff buckel, 1561 bei Maaler das Dim. bügkele n. ckleiner hoger»), dann auch in der 2.(1546 bei Liliencron 4, 391 der puckel hat sie gejückt). Das Wort scheint aus dem Obd. zu stammen, hat sich später auch im Norden festgesetzt, wobei für das anl. stimmlose b p gesetzt worden ist. Vgl. auch Büúhel. 4B L. buckelig, bucklig, adj., alternhd. bucklig(um 1480 im Voc. inc. teut. t7 b) und buckelicht, spätmhd. pugklocht chöckerig. Buckelörum, m.: Bueckliger(Goethe 13,300). Aus der rheinischen Umgangssprache, eig. Gen. Pl. von einem halblat. buckelas.
bücken, v.: vorwärts niederbiegen. Mhd. backen, bücheen. Als Intensivum zu biegen gebildet.
Bücking, Bückling, m.(“s, Pl.-e): ge- räucherter Hering. Spätmhd. bücking(Nürnb. Polizeiordn. 168 päücking, 14. Jh.), auch schon bückling(um 1480 im Voc. inc. teut. d4 b buckling), wie das ndl. bokking m. abgeleitet von Bock, weil der Fisch einem Bockshorn ahnelt, weshalb er mnl. neben buckinc auch boxhoren heißt. 1616 bei Henisch 440 Böck- ling(auch Gargantua 80), Bockshering. Mit geschwächtem Vokal 1537 bei Dasypodius Bicking, 1616 bei Henisch 368 Bickling, Pick- ling, in md. Mundarten auch Bittling und Bittlich. Vgl. Pickelhering.
bucklig, s. Buckel.
Bückling, m.(-S, Pl.-e): Verbeugung. Von sich büchen. Erst im 17. Jh.(bei Grim- melshausen Simpl. 304).


