Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
799-800
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799 Halle

Hals 800

¹ Halle, f.(Pl.-n): offner Bau mit einem ploß auf Säulen oder Pfosten ruhenden Dache; von Säulen getragner Vorbau. Bei Luther häufig, seit der Mitte des 18. Jh. von Dichtern (Klopstock, Ramler) wieder erneuert. Aus gleichbed. md. halle(13. u. 14. Jh., Germ. 20, 41), ahd. halla f.«Tempels; dazu asächs. halla, ags. heall, engl. hall, anord. höll f., schwed. hall, dän. hal«Hallen; aus dem Ger- manischen entlehnt gleichbed. afranz. hale, nfranz. halle f. Ableitung von ahd. helan «verbergen, verdecken»(s. hehlen) ist un- wahrscheinlich, vielmehr entspricht das Wort nebst ndd. hille«Ort über den Viehställen, wo Gesinde und Kinder zu schlafen pflegen?, dem lat. cella f. Kammer, Zelle»(beide mit aus In). Verwandt sind noch gr. xid f. Hütte, Scheune, Nesty, aind. gãld f. Hütte, Haus, Gemachy, ir. cuile«Keller, Magaziny. ²Halle, f.: die Salzkote, das Siedehaus der Salzwerke. Im hallischen Talrecht aus dem 14. Jh. hallé f.«Salzwerk», mhd. hal n., wie noch schwüb.-bayr. Hall n., womit 2g8. mhd. 1130 halgräve m., ahd. halhts n.«Salz- werk», woraus schwäüb. Halles n.«Siedhausv. Nach den meisten neuern Forschern dasselbe Wort wie 1Halle, es ist aber mit V. Hehn Das Salz daran festzuhalten, daß in hal das idg. Wort Salz steckt und daß das Wort also aus einer Sprache entlehnt ist, die s in k verwandelte. Hallöre, m.(-en, Pl.-en): Salzwerkarbeiter zu Halle a. S., erst 1681 der Pl. Halloren(Dreyhaupt Saalkreis 1, 510), entstanden aus der burschikosen Wortbildung Hallorum(ebd. 1681), auch als Singular, wie Buckelorum, wohl umgestaltet aus einem 1668 belegten halurga«Salzwirker», einer Bildung aus gr. GXC«Salz» und einer Ableitung von epfov«Werk». Vgl. Gebhardt ZfdW. 10, 205. hallelüja, hallelüjah: gelobt sei Gott. Das hebr. hallelijäh,«preiset Jehovay, von Nillél«preisen», eig.«glünzen machen» und Jäh(= Jähoeh) Jahwe, Jehovay. Im deutschen Kirchenlied durch Luther, der Raleluia schreibt, kirchenlateinisch alleluja (so noch österreichisch). hallen, Halljahr, s. Hall. Hallig, f.(Pl.-en), auch Halling: kleine flache, gegen die Flut nicht geschützte Insel. Aus dem Ndd. Unklarer Herkunft. Vielleicht von hallig für haldig«geneigt». hallo! Zuruf des An- und Aufregens; subst. Hallõ, n.(*s, Pl.-es). Urspr. Zuruf an den Fährmann zum Überfahren(1471 in

Weist. 1, 530 séss ein mentsche hinsit Meyms und riff dri male: hallo, hallof wolt der ferge ine dan nit halen, holen usw.), dann allgemeiner Ausruf zum Herbeirufen von Leuten, endlich Hetzruf an Hunde auf der Jagd(gleichsam zum Herbeiholen des Wil- des), in den beiden letzten Bed. auch engl. halloo. Das Wort ist Imperativbildung von halen cholen»(s. d.), mit dem nachdrück- lichen Suffixd, verdunkelt-5(vgl. Rolla,

euerjo).

Hallre, s. 2Halle.

Halluzinatiön, f.(Pl.-en): Art Sinnes- täuschung, Trugbild. Aus lat. halläcindtio f. Träumerei» im 19. Jh.

Halm, m.(es, Pl.-e, fast veraltet-en):

hohler Gras-, Getreidestengel. Mhd.-ahd. halm

m.(Pl. mhd. halme und helmer, ahd. halma); dazu astichs.-ndl.-schwed.-dän. halm, ags. healm, engl. halm«Halmꝰ, anord. halmr m.«Strohy. Ubereinstimmend mit gr. k⁴½Bduοα(daraus lat. calamaus, aind. kalãmas) m.«Rohr, Schreib- rohr, Getreidehalmꝰ, lat. culmus«ᷣHalm», abg. slama f., apreuß. salme, lett. salms Halm. Spätmhd. auch die schwache Form halme m., woher der nhd. Pl. Halmen(Schiller 11, 352).

Hals, m.(Gen. Halses, Pl. Hälse): zwischen

Kopf und Rumpf befindlicher Teil des Körpers.

Mhd. ahd. hals m.; dazu asächs.-ndl.-afries.-

anord.-schwed.-dän.- got. hals, ags. heals m. Urverwandt mit lat. collum n., alat. collus

(aus*ols-) m.«Hals', ir. coll«Haupts. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 287. 4 B L. halsen, v., ahd. halsn, halséen und halsan, helsen, mhd.

helsen und in starke Biegung übergehend

halsen(Prät. hiels); dazu and. helsian, anord. halsa, engl. halse«um den Hals fallen».

ZS. Halsband, n., mhd. halsbant. hals- brechend, Part., 1678 bei Krämer. Hals-

eisen, n., mhd. halsisen n.«am Pranger

befestigtes Eisenband, das dem ausgestellten Verbrecher um den Hals gelegt wurdey. Halsgericht, n.: hohe Gerichtsbarkeit und Gericht über Leben und Tod, md. 1302 bei

Haltaus 785 halsgerichte m. halsstarrig,

adj., bei Luther, mit Umlaut 1538 bei Serra- nus halß sterrig, eig.«die Halsstarre habend 5,

dafür mhd. halsstarc, noch im 16. Jh. halpstarck (Dasypodius, Luther W. 6, 15), 1400 bei Lilien- cron Volksl. 1, 178a halsstarg; davon Hals- starrigkeit, f., bei Luther, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 430 halhßstarckait, 1482 bei Melber T 6 b halßsterckikeit. Halstuch, n., ahd.-mhd. halstuoch, afries. halsdox m.