Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1145-1146
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1145 Kreis

Krempel 1146

kreiden, v., spätmhd. Kriden(15. Jh.). krei- dicht, adj., 1691 bei Stieler. kreidig, adj., 1618 bei Schönsleder. Kreidling, m., von Campe 1801 für Kretin(s. d.) vorgeschlagen, jedoch mit falscher Ableitung. ZUS. kreide- weiß, adj., 1575 bei Fischart Garg. 113 reidenweiß.

Kreis, m.(Gen.-es, Pl.-e): um einen Punkt laufende, überall gleichweit von diesem entfernte Linie; Landbezirk; Verkehrskreis. Mhd. Kreiz m.«Kreislinie, Umkreis, eingehegter Kampfplatz, Landeskreis», spätahd. creiz m. (noch im 18. Jh. Kreiß, Kraißz); dazu ndrhein. im 14. Jh. Kreytz und kryft, mnd. Krét, kréte, kreit, krit m., mndl. crit n. Nebst mhd.(md.) krizen ceine Kreislinie machen», bekrizen«mit einer Kreislinie umziehen», bekreigen aden Grundriß, die Umrisse zeichnen», entweder zu kritzen«kritzen, ritzen»(s. Kritz) oder zu alb. Fep m. Reif eines Fasses, Rades, Ringesy. 4 L. kreisen, v.: sich kreisförmig bewegen, mhd. kreizen. ZUS. Kreislauf, m., 1741 bei Frisch.

lkreischen, v.: laut, grell aufschreien. Mit schwacher Biegung Prät. Kreischte, Part. gekreischt, aber in der Volkssprache und älternhd. starkflekt. Prät. Krisch, Part. ge- krischen, um 1200 ndrhein. und md. Krischen (Prät. Kreisch, Pl. krischen, Part. gekrischen), spätmhd. im 15. Jh. Kreischen(deutsch Passion, Frankf. Hds. Bl. 61 b); dazu mnd. Krischen, krisken, mndl. crischen, crijschen(Prät. erésc), nndl. Krijschen(Prät. Kreesch, Part. gereschen, aber auch schwachflekt. Krijschte, gekrijscht). Nebenformen: kröschen(oberd. und nd.), vreuschen(Fischart Garg. 169, Stieler 1691, Musäus Volksm. 3, 278), mit Dental obersächs. krietschen, vgl. kreißen und Kreisten.

zkreischen, v. kochendes Ol, Schmalz usw. durch ein hineingelegtes Brotstück oder ein- gespritztes Wasser reinigen, bratend auslassen. Im 17. Jh.(bei Kirchhoff) kreuschen, bei Adelung 1775 kröschen. Schwachbiegendes Faktitiv zu kreischen, urspr. aufschreien machen, wie mhd. erkereischen; im 16. und 17. Jh. Kreischen«quälen, peinigeny.

Kreisel, m.(-S, Pl. wie Sg.): kleines trichterförmiges Spielgerät, das auf dem spitzen Ende sich drehend läuft. Angelehnt an Kreis und Kreisen 1691 bei Stieler Kreisel, aber urspr.«Topf, Krug»(s. 2Krause, wie mhd. und noch oberd. ½ m.«Kreisel»), daher noch bei Voß, Goethe, Lichtenberg usw. Krusel, bei Freyer 1722, Duez 1664 und Soranus 1587 Kreusel, 1421 crußel(Diefenb.

nov. gl. 372²), md. im 13. Jh. kräsel m. (hl. Elisabeth 3610); dazu mnd. 1424 crusel (Hor. belg. 7, 29 b), bei Chyträus Krüsel, nnd. krüselding, in Anlehnung an nd. küsel«Wirbel, Strudel»(brem. Wb.), mnd. cusel Diefenbach nov. gl. 3723.

kreisen, v., s. Kreis.

kreisten, v.: stöhnend ächzende Töne aus- stoßen. Mhd. Kristen. Noch bayr.o-östr., dafür in der Wetterau und in Nassau kresten. Vgl. kreißen und Kreischen.

kreißen, v.: in Geburtswehen schreien (und stöhnen); Wehen haben. Schwachbiegend Prät. Kreißte, Part. gekreißt, aber mit starker Flexion mhd. Xrizen(Prät. Kreiz)«scharf rufen, scharf schreien, stöhnen», im 15. Jh. Kreysen (Hützlerin 1, 25, 68 u. 30, 9), in der heutigen Bed. zuerst 1691 bei Stieler(kreußen). Dazu mnd. Writen«schreien, heulen»(Prät. Nrét) kreten, kriten«streiten, zanken», 1477 clevisch crijten, mndl. oriten«grell aufschreienꝰ, nndl. Erijten(Prät. Kreet, Part. gelreten)«schreiens. Vgl. Kreischen und kreisten.

Krematörium, n.(-S, Pl.-rien): Anstalt zur Leichenverbrennung. Von lat. cremãre «verbrennen» in neurer Zeit gebildet.

Kremortärtari, m.: gereinigter Wein- stein. Von lat. crémor m. dicker Saft, Breiꝰ, und dem Gen. von nlat. fartarus«Weinsteinv. 1801 bei Campe.

Krempe, f.(Pl.-en): aufwärts gebogner (geschlagner) Hutrand usw., 1673 bei Weise Erzn. 26 Krempe. Aus dem Nd., Nebenform von Krampe(s. d.), 1691 bei Stieler Krampe, Krempe fibulas und Krempe auf dem Hut «spinther»(die Agraffe an der Hutkrempe), ahd. chramph m. Rand, Kran, widirgichrampht zurückgebogen». krempen, v.: den Rand wovon aufwärts biegen, 1741 bei Frisch grem- pen(aus dem Niedersächsischen).

1Krempel, f.(Pl.-n): Wollkamm. Zu- fällig erst 1734 belegt bei Steinbach Grampel f.; md. im 15. Jh. krempel m. n.«gekrümmter Zacken, Häkchen(1404 bei Cersne Minne Regel 2713), Kralles, mit hd. pf älternhd. Krempfel Hakengabel, Fleischgabeb(Schmeller*1, 1370). Abltg. v. ahd. chramph m. Haken»(s. Krampe). Davonkrempeln, v.um 1480 im Voc. inc. teut. I1 b kemmen, vulgariter grempeln. Krempler, m., ebenda kemmer, grempler. Kremplerin, f., 1429 bei Diefenbach nov. gl. 283 b kemmerin, gramplerin.

Krempel, m.(-s): geringwertige Sachen, eig. Trödelware. Zu älternhd. grempel m. eKauf-