1141 kraus
Kraut 1142
Klaue, Kralle»; dazu and. krauavil m.«drei- zackige Gabel afries. Krauel, mndl. Krauawel, nndl. Kraauapel m. Hakengabel, Kralley. Von krauen, v.(Prät. Kraute, Part. gelerau): kratzen; zu Wohlgefühl gelinde kratzen. Mhd. krouaoen, krawen, Kreuaen, im 15. Jh. Krauen, ahd. chrouwon; dazu mnd. Krauwen, afries. krauwa, ndl. Krauwen«kratzen». Wohl wurzel- verwandt mit Kratzen oder mit lit. gräuziu «nagey. 4 B L. Kraueln, v.: sanft streicheln. Im 15. Jh.
kraus, adj.: viel ins Runde gekrümmt oder geringelt. Mhd.(nicht häufig) und mnd.&rãs, ndl. 1599 bei Kilian kruys, mndl. Kroes, ahd. noch nicht nachzuweisen. Dazu mit Ablaut Gekröse und auch wohl Krolle(s. d.), also aus*xrütto-. Davon Krause, f.(Pl.-n): ge- fältelter Halskragen, 1673 bei Weise Erzn. 32 Krause f., aber 1644 bei Moscherosch Philan- der 1, 263 f. Kräuse, Kräuß n., gegen Ende des 16. Jh. Kraus n., mit Anlehnung an das Adj. kraus umgedeutet aus dem im 16. und 17. Jh. üblichen gleichbed. Kröß n., bei Fisch- art Garg. 172 Kalbskröß, nach der Ahnlichkeit mit einem Kalbsgekröse benannt, wie noch ditmars. kaleverkrüsen«gefälteter Kragen», dän. kalvexkrös Busenstreif, franz. fraise f. Kalbsgekrösey und gefälteter Hemdkragen». Kräusel, m. fortlaufender Ringel(bei Goethe an Fr. v. Stein 1, 260); Halskrause(Goethe [Werther]19, 40). kräuseln, v.: Kraus machen, fälteln, 1572 bei Fischart Garg. 171 gekräuselet, 1562 bei Mathesius Sar. 79 b sich derkreuseln, mndl. im 15. Jh. cruselen. krausen, v.: Kraus werden(Goethe6, 61). kräusen, krausen, v.: kraus machen, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1731 kraussen, 1510 in der Hagenauer Gemma c82 gekrußt, md. im 15. Jh. crusen (Diefenbach gl. 158 5b), im 17. Jh. Kräusen (Schupp 712); dazu mnd. und muld. Krusen. ZDS. Krauseminze, f., zusammengeschoben aus krause Minze, Anf. des 15. Jh. crusemyntze (Diefenbach gl. 66²), 1482 in Voc. theut. r 2 b krawsmintz. kraushaarig, adj., 1664 bei Duez kraufßhaarigt, 1477 clevisch cruysshayrich, wie wie auch das Subst. Kruushaer n. Kraus- kopf, m., bei Luther W. 8, 23 Kraußkopff.
1Krause, f., s. Kraus.
„Krause, f.(Pl.-n): eine Art(Deckel-) Krug. Oberdeutsch, hessisch. Alternhd. auch Krause m.(-n/, Pl.-n) und Kraus m. (Pl. Krause). Mhd. Kräse f. mit dem schon im 12. Jh. erscheinenden Dim. cräselin n.; dazu mnd. krüs und Krös m. n., ndl. Kroes m.
Da Gefäßnamen häufig entlehnt werden, hat man auch hier an Entlehnung gedacht; etwa aus gr. kouccôc m.«Wasser-, Ol-, Aschen- krug»(so wieder Falk-Torp); nach Weigand aus mlat. cruci-, crusihulus m. Bechery(urspr. in Kreuzesform), lat. crucibulum n.«Nacht- laterne in Kreuzesform), Lampentiegelꝰ, dar- auf weisen auch die älternhd. Formen und Bed.(krusel, Krüsel, Krausel, kreusel, m. f. cbreitbauchiger Krug, Napf, Tiegel», noch schweiz. chräüsel m. f. Henkelkrug mit brei- tem Bauch, starkbauchige Kasserole, gedeckte tiefe Schüssel mit Handhaben», nd. Krüäsel m. changende Lampe geringer Leute, worin meistenteils Tran gebrannt wird»(brem. Wb. 2, 888), mnd. Krusel, Kruczel, crusele, andfrk. erãsul«crucibulum», md. Kreusel m., chan- gende tragbare Arbeitslampe der Bäcker» usw. Doch könnte das Wort auch echt deutsch sein und mit kraus in der Bedeutung«drehend zusammenhängen. Vgl. Kreisel.
Kraut, n.(-els, Pl. Kräuter): Blattge- wächs, das keinen Holzstengel hat; Häupter- kohl; das grüne Blattwerk einer nicht über Winter dauernden Pflanze(im 16. Jh. bei Paracelsus);(nordwestdeutsch) eingekochter Fruchtsaft;(heute veraltet) Schießpulver. Mhd. kr’t, ahd. chrät n.«kleinere Blätter- pflanze, Gemüse, Kobl»; dazu asächs. crüd Unkraut mnd. Krät, Krüd(auch Gewürz) ndl. ruid n. In der Bed. Schießpulver schon im 14. Jh. am Niederrhein kruyt n., nhd. auch Büchsenkraut, Zundkraut(Grimmelshausen Simpl. 229), dann in Kraut und Lot«Pulver und Blei»(Liliencron Volksl. 2, 324, 12 vom J. 1493), mnd. Krüt unde lõôt. Vielleicht zu gr. Bpow chervorsprossen», Bpov n.«Moos, See- moos, Kätzchen, Blüte». RA. Das geht mit Kräutern zu: mit unrechten Dingen, Zauber- kräutern(Wickram Rollwagen 17, 22). 48B L. kräuteln, v.: Kräuter sammeln, 1691 bei Stieler kreutelen(1556 bei Frisius 483 2 Kreütlen, causjäten»); daher Kräutler, m.: Kräuter- sammler, frühnhd. Krüteler(Anf. d. 15. Jh.), kreutler und krãdener, kreiotener(Diefenbach gl. 275²2, nov. gl. 202²); Gemüsehändler, 1582 bei Golius 355, noch heute in Wien. krau- ten, v.: Unkraut jäten(Fastnachtsp. d. 15. Jh. 610, 2), mhd. krüten«Kraut holen», mnd. kruden(auch würzen). kräutern, v.: Kraut holen oder jäten(in der ersten Hälfte des 15. Jh. Kkreytren), Kräuter suchen. Kräu- ticht, n.: Kräuterblätter, Unkraut, md. im 15. Jh. crädech, crädecht, crewtecht, im 14. Jh.
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