Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1091-1092
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1091 Kohl

Kokon 1092

mhd.(schweiz.) Köllgarten, anord. käãlgardy m. Kohlräbi, m.(-S, Pl. wie Sg. und-s): Kohl- art mit dicker oberirdischer Knolle, im 16. Jh. aus Italien eingeführt. 1691 bei Stieler Kolrabi, 1715 bei Amaranthes Kohlrabi, Cauliravi, 1731 bei Zinck öcon. Lex. Kaulirabi, Kohl-Rabi oder Rüben-Kohl, entlehnt aus ital. cavolo rapa, Plur. cavoli rape(cavolo m.«Kohlꝰ, rapa f. «Rübe»), woher auch frz. chou-rave m. Kohl- rübe, f.: Erdrübe mit kohlartigen Blättern, 1775 bei Adelung; in Thüringen Name des Kohlrabis, 1678 bei Krämer Köhlrube. Kohl- strunk, m.: Kohlstengel, spätmhd. im 14. und 15. Jh. Kolstrunk, kolstrunke m. Kohl, m.(-s): langweiliges, dummes Ge- schwätz. Studentisch(1790 bei Bahrdt Lebens- geschichte 1, 250), gaunerisch 1753 Kohl«blauer Dunst», 1814 Kohl«Erzählung», von hebr. 907 m.«Stimme, Gerücht, Schalb-. 4 L. kohlen, v.: Kohl machen, viel durcheinander sprechen. Kohle, f.(Pl.-/): schwarz geschweltes Holz usw., ähnliches Mineral als Brennstoff. Mhd. kol m. n.(Pl.-en-n, im Neutr. köler), selten Kole f., ahd. chol n. und cholo m.; dazu Iinnd. Xo*⁴ο), 1477 clevisch coil, ags. col n., engl. coal, anord. schwed. kol n., dän. Kul. Vielleicht urverwandt mit aind. Jpälati«brennt, glüht,, air. güal«KoOhley. 4BL. kohlen, v.: tr. Kohlen brennen, mhd. im 14. Jh. Kolen; intr. schwelen, glimmen, 1562 bei Mathesius Sarepta 201 2 olen. Köhler, m.(es, Pl. wie Sg.): Kohlenbrenner, mhd. Koler, im 15. Jh. Köler m.; davon Köhler- glaube, m.: treuherzig fester Glaube, dann unbedingter Kirchenglaube, blinder Glaube (anschließend an eine Anekdote bei Luther 6, 107²ein Doctor hab einen Köler zu Prage auff der Brücken gefragt: Lieber man, was gleubstu? Der Köler antwortet: Das die Kirche gleubt. Der Doctor: Was gleubt denn die Kirche? Der Köler: Das ich gleube.), im 16. Jh. bei Agricola Sprichw. Nr. 234 des Kolers Glaub, 1575 bei Fischart Garg. 251 des Kölers Glaaaben, 1654 bei Logau 3, 2,85 Köhler-Glaube. ZS. 1) mit Kohl-: Kohlapfel, m.:(kohl)- schwärzliche rotbäckige Apfelart, 1691 bei Stieler Kolapfel. Kohlfeuer, n.: Feuer von Kohlen, urspr. Holzkohlen, im 15. Jh. Kollefäer n. (Altd. Blätter 1, 125), mnd. Kõölvdr, bei Luther Joh. 18, 18 Kolfeꝛwer, noch bei Schiller 4, 78, jetzt Kohlenfeuer. Kohlmeise, f.: Schwarz- meise d. h. Meise mit kohlschwarzem Scheitel, mhd. kolemeise, ags. colmase f. Kohlrabe, m.: der gemeine schwarze Rabe, 1775 bei Adelung. kohlschwarz, adj.: schwarz wie eine Kohle,

mhd. Kolswarz, anord. Kolsvartr; verstärkt ohlrabenschwarz(Maler Müller 1, 128), Kohl- pechsembarz(1644 bei Klaj Auferst. Jes. Chr. 16), kohlpechrabenschwarz(in Mitteldeutschland), kohlrußrabenpechschawarz(1745 bei Schwabe Tintenfäßl, Titelbl.). 2. mit Kohlen-: Kohlen- brenner, m.: Köhler, 1691 bei Stieler Kol- brenner, 1508 in der Straßburger, 1510 in der Hagenauer Gemma db Kolenbrenner, aber 1518 in der Straßburger kolbrenner, mnd. 1277 kolebernere, ndl. 1598 kolenberner m. Kohlensäure, f.: die übliche Benennung für Kohlendioxyd. Kohlenstoff, m., in der Chemie ein zuerst aus Kohlen gewonnener Stoff, beide 1808 bei Campe als neugebildete Worte.

Kohlrabi, s. 1Kohl.

Koje, f.(Pl.-/): Schiffsverschlag zum Schlafen; enge mit Brettern abgeschloßne Winkelschlafstelle überhaupt. In 1. Bed. um 1600 bei Hulsius Schiff. 3, 70 und 1691 bei Stieler Koye, aus mnd. koje, mndl. Koye f.«Ver- schlag, Stall, nndl. Kool f.«Schiffsbettstelley, Nebenform von Kaue(s. d.).

Kokärde, f.(Pl.-n): Hutzeichen als Ab- zeichen, Feldzeichen. Im spätern 18. Jh. (Schiller 11, 143, Goethe 17, 269) entlehnt aus gleichbed. franz. cocarde f., urspr. bonnet d la cocarde«Mütze mit einer hahnekammähnlichen Schleife», von cog m. Hahn.

kokeln, v., md. und nrhein. Form von gaukeln(s. d.), schon im 16. Jh. bei Melanchthon kokeln und kökeln, 1495 in der Kölner Gemma S 4 b cokelen; daher obersächs. Kõökeln«kindisch mit Licht oder Feuer spielen», Kékeln«mit dem Stuhle kippeln, einen Kopfsprung(Kélcelpurz) macheny.

köken und köcken, v.: laut rülpsen; sich erbrechend von sich geben. In der letzten Bed. bei Luther köcken, göchen, 1566 bei Mathesius Historien 120 b köken; 1517 bei Trochus Q3 b kocken«rülpsen». Noch md. köken, kKäken, schweiz. gœggen in beid. Bed. Dazu engl. to Keck Brechreiz empfinden». Wohl lautnachahmend.

kokétt, adj.: gefallsüchtig. 1694 bei Neh- ring coqvet, aus gleichbed. franz. coquet, von franz. cog m.«Hahny, eig.«sich brüstend wie ein Hahn?. Dazu Kokétte, f.(Pl.-/): gefall- süchtiges, buhlerisches Weib, 1694 bei Nehring Cogvete, franz. coquette f. kokettieren, v.: sich kocett zeigen, im 18. Jh. aus franz. coquetter. Koketterie, f.: Gefallsucht, im 18. Jh. aus franz. coquetterie f.

Kokön, m.(-S, Pl.-S): Gehäuse der Seiden- raupenpuppe. Das franz. cocon m., abgeleitet