Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1073-1074
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1073 Knebel

kneipen 1074

Knebel, m.(-, Pl. wie Sg.): kurzes dickes Querholz, insbesondre zum Sperren des Mun- des(1512 bei Murner Narrenbeschw. 24, 54) oder in Verbindung mit einem gesehlungnen Strick als Fessel des Halses, der Häünde usw. (Weisth. 4, 749 vom J. 1400); kurzer dicker Holzschoß, Gerte(1537 bei Dasypodius), Reb- schoß(1561 bei Maaler, noch schweiz.); Knö- chel, Knorren an den Fingergelenken(80 Zelter an Goethe 1, 311, im 15. Jh. knebel bei Diefenbach gl. 140 b); im 15. und 16. Jh. auch «grober, plumper Mensch», vgl. Knõbel. In 1. Bed. mhd.«nebel, ahd. chenebil, im 11. Jh. knebil«fesselndes Querholz, Art Pferdekum- met»; dazu nd.-ndl. Knevel m. Knebelholzy, anord. knefill m.«Stock, Pfahl»,(entlehnt) dän. nehel, nevel, echt einheimisch schwed.- dial. Knavel«dünner Pfahl, Stange, Sensen- griffy; ferner hess. Knabe m.«Stift, Bolzen⸗ (Pfister 136). Vielleicht urverwandt mit gr. Fôuꝓœ m. Pflock, Bolzeny, lit. gémbé f. Haken, Nagel», die genauer zu ahd. kembil m. Art Fessel, Block», anord. Kimball m.«Bündel⸗ stimmen. 4B. knebeln, v.: mit dem Knebel schnüren, fesseln, 1617 in der Limburger Chron. 56 Rossel, knöbeln bei Gellert 1, 159. Knebelbart, m.: gedrehter Querbart der Oberlippe, Schnurrbart, 1530 knebelpart(Die- fenbach gl. 363°), 1534 Knebelbart bei Franck Weltb. 80 b, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 3, 1, 11, 31 Knebel m. der doppelte Flügel des Schnurrbarts»; man verbindet dieses mit afries. kenep, kanep, knep, ags. cenep m., anord. kanpr, kampr m.«Schnurrbart, doch ist dies unsicher. Knebelspieß, m.: Spieß mit einem Querholz, später mit einem Quereisen unter der Spitze zum Saufange, 1561 bei Maaler, aber sicher älter, da 1540 Alberus dict. X 4 b den mit einem Riemen umwickelten Knebel am Spieß beschreibt.

Knecht, m.(-es, Pl.-e): in Lohndienst Stehender, besonders zu niedriger Arbeit. Mhd. kneht, ahd. Kneht, cheneht m.«Knabe, Jüngling, Diener, Edelknabe, Kriegsknecht, sich zum Ritter bildender Adeliger, Kriegs- mann, streitbarer Held»; dazu afries. Kniucht, knecht m.«Dienenderꝰ, ags. cniht, cnyht, eneoht m.«Knabe, Jüngling, Diener», engl. Knight cRitter», entlehnt dän. knegt Dienstknecht», schwed. knekt m. Soldaty, im Kartenspiel Bube». Ableitung von der Wz. gen cer- zeugen»(s. Kind) ist kaum wahrscheinlich, da das Suffix nicht erklärt werden kann. 4L. knechten, v.: zum Enechte machen, zuerst

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

1833 bei Heyse 1, 889, wie es scheint aus den Aufständen vom Herbst 1830 herrührend, dagegen in der Bed.«Knecht sein, knechtisch denken und handeln» zuerst 1808 bei Campe als von ihm gebildet, jedoch in dieser Bed. schon 1691 bei Stieler in über-, ver-, ent- knechten mit Bezeichnung des einfachen Knech- ten als ungebraucht. knechtisch, adj., um 1500 bei S. Brant 160 b Zarncke. Knecht- schaft, f., bei Luther(Gal. 4, 24).

Kneif, m.(-S, Pl.-e): kurzes, gekrümmtes Messer. Um 1640 bei Finckelthaus Deutsche Gesänge D 6 b Kneiff m.«Stechmesser mit ge- krümmter Spitzes, 1530 Gneiff m. Messer des Sauschneiders»(Ein antwort Katherinen Hornung auf D. M. Luthers notbrief A 2 5), md. 1517 bei Trochus R 2 b Knifft m.; aufge- nommen aus mnd. knof m., im 14. Jh. ndrhein. knyf; dazu mndl. cnijf m.«langes spitzes Messery, ags. cnif m., engl. knife, anord. Knsfr m., schwed.-dän. Mniu« Messery, woher franz. canif m.«Federmessery. Daneben in Mittel- und Oberdeutschland Kneip, m.(-es, Pl.-), 1691 bei Stieler Kneip neben Kneif, 1540 bei Alberus dict. aa 4 b kneip m. Taschenmessery, 1482 im Voc. theut. 15 b gneyp Schuster- kneips, um 1480 im Voc. incip. teut. h4 gnp, 1479 hip m. Messer(Malagis 268 ²), aber auch mnd. Knip m. Rebmesser, Schustermesser»; dazu mhd.(md.) gnippe, Enipe f.«Stech- messer, Dolchy, schweiz. gnippe f.«Schuster- kneif), wie Kneipe f.«Schustermesser» bei Goethe 16, 123 und schon im 17. Jahrh. bei Comenius orbis pictus 1, 129.

kneifen, v.(Prät. Kniff, Part. gekniffen): zwischen zusammengehende Spitzen, Schärfen usw. drücken, zwicken;(stud.) sich einer Sache entziehen. Im 16. Jh.(1581 bei Ringwaldt Evangelia Kk 7 b) auftauchende Nebenform von kneipen(s. d.).

Kneip, s. Kneif.

Kneipe, f.(Pl.-n/): Klemme, Zange(1734 bei Steinbach); gemeine Schenke(1775 bei Adelung, Kneipschenke bei Lessing 8, 203 vom J. 1769); daher studentisch Bierschenke(1781 bei Kindleben), seit Ende des 18. Jh. auch studentische Wohnung, Bude. Aufgenommen aus nd. knipe f. Klemme, Kloben zum Vogel- fangy, dann bildlich(1755 bei Richey). Vgl. ZfdW. 3, 114; 362.

¹kneipen, v.: zwicken, kneifen(s. d.), mit starker Flexion Prät. Knipp, Part. ge- Knippen, daneben mit schwacher, zuerst 1734 bei Steinbach, namentlich bei obd. Schrift-

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