Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1039-1040
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1039 Kirche

Kirsche 1040

annahmen), eigentlich Adj. in der Bed.«dem Herrn gehörig», von gr. kοpiοc m. Herry; das Fem. kxuptioki dagegen kommt nicht in Betracht, denn es bedeutete bis ins 10. Jh. «Tag des Herrn, Sonntag», erst im 11. Jh. cGotteshaus». Der Schwund des a findet darin sein Analogon, daß auch der Name Cyriacus schon früh als Cyricus vorkommt. 4BL. Kirchlein, n., mhd. kirchelin, da- neben Kirchel, ndrhein. im 15. Ih. kirchelgen, nhd. Kirchelchen. kirchlich, adj., mhd. Kirchlich, alemann. Kilchlich, ahd. chirlich(d. i. chirchlich), ags. cyrichc. Kirchner, m.: Küster, Meßner, mhd. kirchener m. Z08. 1) mit Kirch-: Kirchfahrt, f.: Wallfahrt, Bittfahrt(mhd. kirchvart, mnd. kerkvart f.); Kirchspiel(1741 bei Frisch). Kirchgang, m., mhd. Kirchganc, mnd. kerkgankc m. Kirch- hof, m.: eingefriedigter Raum um die Kirche, zugleich als öffentliche Begräbnisstätte, dann bloß diese, mhd. kirchhof, kirchof, frühmhd. chirichhof, alemann. kilchhof, mnd. Kerkhof. Kirchspiel, n.: zu einer Kirche gehöriger Bezirkvon Gemeinden, mhd. kirchspel, alemann. kilchspel, kilchspil, md. Kirspil, kirspel, köln. 1275 kirspell, afries. kerspel n., eig.«Bezirk, soweit die Verkündigung(Rede) der Kirche reicht», zsg. mit ahd. spel, afries. spel, Spil, got. spill n.«Rede, Sage, Verkündigung» (vgl. Beispiel). Kirchtag, m.: Kirchweih- fest, in Osterreich und Bayern, schon in mhd. Zeit dort kirchtae m. Kirchturm, m., mhd. Kirchturn m. Kirchweg, m., spät- mhd. kirchoec, alemann. kilchaec m. Kirch- weih(e), f., ahd. chirihwihi, mhd. kirchaihe, kirwihe, gekürzt im 15. Jh. kirwe, kirbei, 1540 bei Alberus dict. F2 b und mm 3 b kirb, wie noch mundartlich in Süd- und Mittel- deutschland Kirbe, Kirh, alemann. Kilhe f. «jährliches Fest mit Musik und Tanz, das sich an die Einweihung einer Kirche knüpft» (vgl. Kirmes), schon im 15. Jh. Kirchawey «Festy überhaupt(Fastnachtsp. 1344). 2) mit Kirchen-: Kirchenbuch, n., 1562 bei Ma- thesius Sarepta 194 5; ags. cyrichöc f., engl. church-boohx. Kirchendiener, m.: Auf- wärter in der Kirche, bei Keisersberg und noch im 18. Jh. Prediger. Kirchengeschichte, f., 1691 bei Stieler. Kirchenlicht, n.: ausgezeichneter Kirchenlehrer, 1576 bei Ma- thesius Luther 211 b, noch kirchenlat. lumen ecclesiae(13. Jh.). Kirchenmaus, f.: in einer Kirche wohnende Maus, die dort keine Vorräte findet, im 18. Jlh. Kirchenstaat,

m.: das päpstliche Landesgebiet, 1678 bei Krämer. Kirchentum, n., erst am Ende des 18. Jh. gebildet. Kirchenvater, m:: Kirchenlehrer der altchristlichen Zeit, 1711 bei Räüdlein, nach mlat. patres ecclesige«Vater der Kirche; Kirchenältester als Ehrentitel», 1691 bei Stieler.

Kirmes, Kirmesse, Kirmeß, f.(Pl. Kirmessen und Kirmsen): Kirchweih. Ge- kürzt aus md.(14. Jh.) Kirmesse f. eur Einweihung einer Kirche gelesne Messe, mit Musik und Tanz begangnes Gedächtnisfest der Einweihung einer Kirche, Jahrmarkt. Im 15. Jh. md. Kirmeß, im 16. kirmes, ndr- rhein. 14. Jh. kirmisse f. Erst Ende des 15. Jh. die volle Form Kirchmesse; dazu mnd. Kerkmiisse, ndl. 1599 kerlmisse, keromiis, nordengl. Kirkemass.

kirnen, s. kernen.

kirre, adj.: aller natürlichen Furchtsam- keit benommen, zutraulich. 1691 bei Stieler kirre, 1664 bei Duez kirr, kirr, bei Luther

körre, 1482 im Voc. theut. pp 3 kurre, md.

kurre, im Renner kürre, ein ostmitteldeutsches Wort mit K aus qu, denn nd. guir, guir, guer, mnd. quere«kirrey, got. qaõrrus«sanftmütigy, gairrei f.«sanftmuty, anord. Kvirr, kyrr, schwed. guar, dän. kuär cruhigy. Nicht er- klärt. Denn die Vergleiche mit lit. gurus cbröckelig, locker» oder géras«gut»(Btr. 23, 352) sind nur Notbehelfe. 45 L. kirren, v.: Kirre machen, 1691 bei Stieler Kirren, 1719 bei Fleming Jäger 2432 Lörren, bei H. Sachs Kern, kerrn.

kirren, v.(Prät. kirrte, Part. gekirrt): einen scharfen, schneidenden, seufzenden Ton von sich geben. Schweizerisch. Spätmhd. kirren, Nebenform des gleichbed. starkbiegen- den mhd. Kerren(Prät. kar, Plur. Xurren), ahd. kerran, cherran, zu lat. garrire«schwatzenꝰ, garrulus«geschwätzig», gr. ipuc f.«Stimme, Ton, Schall». Vgl. Zupitza Gutt. 78.

Kirsche, f.(Pl.-/): Die Frucht des Kirschbaums. Im 16. Jh. Kirse und Kirsche, schon im mrhein. Voc. ex quo von 1469 kirsche, um 1470 kersch, mit sch aus s(vgl. Birsch, Hirsch), mhd. Kerse, kirse, bei dem Schweizer Boner 8, 33 Kriese(noch schweiz.- oberrhein. Chriesi n.), ahd. kirsa f. In sehr früher Zeit durch Vermittlung des Lateinischen (cerasum und mlat. cerasium n.«Kirschey, cerasus und mlat. cerasius Kirschbaum») entlehnt aus gr. epdciov n. cKirschey, kepacéd, xepocic f.«Kirschbaumy, d. h. wohl Baum