Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1037-1038
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1037 Kiosk

Kirche 1038

Kien, Kihn, aber mhd. kinne, ahd. Kinni n. «Kinn, Kinnlade»; dazu asächs. kinni n.«Kinn- backen», ndl. kinne, kin f., ags. cinn f., engl. chin«Kinnꝰ, anord.-schwed. kinn f., dän. kind, got. kinnus f. cBackes. Im 16. und 17. Jh. auch Kinn m.(1517 bei Trochus N 2 5b), ebenso and. kin, mnd. in, kinne m., obersâchs. thüring. auch Kinne f. Es gehört zu lat. gena f. Wange», kymr. gen«Wange, Kinnꝰ, gr. Tévuc f.«Kinnbacken?, Teveiov n.«Kinnlade, Kinn,

Kinnbarto, lit. Zndas m. Kinnbacken, Kiefer»,

arm. cnaut«Kinnbacke, Wange», aind. hänas f. Kinnlade». Z0S. Kinnbacken, m., bei Luther Kinbacke, mhd. Kinnebacke, ahd. chinni- pacho m.; dazu andfrk. kinnebako m., mnd. kenne-, kinnebacke f., ndl. 1599 kinnebacke, afries. Kinbaka, kenbalc. Kinnbein, n.: Backenknochen, mhd. kinnebein, ahd. chinni- pein, ags. cinbãn, anord. kinnbein n. Kinn- kette, f.: Kette am Pferdegebiß unter dem Kinne, im 17. Jh., dafür mhd. Kinnereif, spät- ahd. chinne-, chiniraif m. Kinnlade, f., 1768 bei Moerbeek; Lade ist das Gestell, worauf oder worin etwas befestigt ist, z. B. Gestell des Hakenpflugs, Lafette des Ge- schützes(schon im 15. Jh.), Schaft der Arke-

buse(1664 bei Duez), die Schalen des Rasier-

messers(1539 bei Braunschweig Chirurg. 43),

1653 bei Corvinus fons lat. 1, 590 die Laden, darinnen die Zeene Stehen.

Kiösk, m.(-és, Pl.-e): türk. Gartenzelt

oder Gartenhaus auf Säulen, 1787 bei Goethe

17, 38, 1791 bei Roth. Aus türk. kK)öskt 1621 den Titel Kippediwipp oder Wachtel-

«Gartenhaus».

Kipfe, f.: Spitze, bei Luther Hiob 39, 28

kipffe, s. Kippe.

Kipfel, n.(-s, Pl. wie Sg., bayr. auch Kipf m.): hornförmiges Weizenbrötchen. Bayr.- österreich.(bei Abraham a S. Clara), vom österreich. kipfe m.«feines Gebäck»(13. Jh.). Vielleicht verwandt mit spätmhd. Kipphel n. und chipf n. f., ahd. kipfa f.«Runge, Stemm- leiste am Rüstwagen.

Kipparsch, m.(-es, Pl. Kippärsche): wund geriebne Stelle am After vom Reiten oder Gehen in der Hitze. Zunächst vom Reiten; wohl zsg. mit kippen cauf- und abschnellen?, wie dies bei unfesten und unsichern Reitern vorkommt. Md. 1340 und mnd. 1424 Kipars m.

1 Kippe, f.(Pl.-/): Punkt des Schwankens und Umschlagens(1734 bei Steinbach); die jähe Spitze(S. Kipfe); Goldwage(1768 bei Moerbeek). Aus Nord- und Mitteldeutschland ins Hoch- deutsche aufgenommen, thüring. Kipfe, Kepfef.

in 1. Bed., 1711 bei Rädlein Käppef.«Schaukel». Von kippen.

² Kippe, f.: Gemeinschaft(Kippe machen), aus der Juden- und Gaunersprache.

kippeln, v.: kleinlich zänkisch sein, mhd. kipeln, noch Oberdeutsch-Hessisch. Neben- form zu kibbeln(s. d.).

kippen, v.: intr. wie auf einer Spitze umschlagen, das Gleichgewicht verlierend umschlagen; trans. die Spitze(Käippe) oder Spitzen abhauen, abschneiden; leicht anhauen. In 1. Bed. 1663 bei Schottel; in 2. Bed. 1540 bei Alberus dict. Qd 4*b, aber 1508 bei Alten- steig 61° kipfen. Bei Lessing 8, 23 küppen, in der Insel Felsenburg 2, 314 auf kufen, in der 1. Bed., als wenn das Wort von Kuppe(s. d.) käme, was falsch ist. Das Wort gehört vielmehr zu anord.-schwed. kippa, dän. kippe crücken, wippen» und weiter zu anord. keifr«schiefy.

Kipper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Münz- fälscher; wucherischen Münzwechsel Treiben- der. Zuerst 1619, von kippen«mittels Auf-

und Abschnellens der Wage die voll- und

überwichtigen Münzen ausscheiden(dann aber auf kippen am Rande beschneiden und verstümmeln» 1711 bei Rädlein bezogen), zumal da in Kipper und Wipper«wucherischer, betrügerischer Münzwechsler, Münzfälscher» der letzte Ausdruck auf wippen«wägen, schnellen»(s. Wippe) zurückgeht. Man legte den Schlag der Wachtel als Kipp die Wipp aus, und deshalb hatte eine Flugschrift von

gesang. 4L. Kipperei, f., 1691 bei Stieler Kipperey.

Kirb, s. Kirchzweih.

Kirche, f.(Pl.-n): christliches Gottes- haus; Gesamtheit der Christen; christlicher Gottesdienst. Mhd. kirche, am Oberrhein kilche, ahd. kirihha, chirihha(841 bei Wala- frid Strabo Liber de exordiis cap. 7 kyrica i. e. dominica a Domino nuncupatur), bei Isidor (S. Jh.) chirühha(d. i. chirshha), bei Notker chilicha(noch schweiz.-oberrhein. Chilche) f.; dazu and. kirilca, Kerilca, mnd. Kerke, Karke, mndl. kerke, afries. Kerke, tzerlce, ags. cyrice, cirice, engl. church, anord. kirkja f., schwed. kurka, dän. kirke; ebenso abg. crükg. Noch vor der ahd. Zeit mit Genuswechsel ent- lehnt aus gr. kupioköv n. Gotteshaus, Haus des Herrn»(während des 4. Jahrh. ge- bräuchlich, zur selben Zeit als die Goten

von arianischen Griechen das Christentum