Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
1035-1036
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1035 Kind

Kinn 1036

Kind, n.(tes, Pl.-er): durch Zeugung Entstehendes, der oder die Erzeugte im Ver- hältnisse zu den Eltern oder auch bloß im frühen, unreifen Alter. Mhd. kint(Gen. kindes), ahd. kind n.; dazu asächs.-afries. kind(auch in norw. und schwed. Mundarten), mnd. und mndl. kint(ags. cild n., engl. child gehören zu got. kilpei f.«Mutterleibs); ferner anord. Kind f.«Geschlecht, Nachkomme»(lat. gens). Alte Partizipialbildung auf-t(vgl. alt, Kalt) zur Wurzel Wun, ken, kan« erzeugen, gebären», wozu anord. kundr m.«Sohn», got. kunds, ags.-cund«entstammend», mhd. künne, ahd. xunni, got. kuni n.«Geschlecht», ags. cennan cerzeugeny und gr. Tevoc n. Ge- schlecht, Tévoc m. Geburt, Abkömmling, Nachkommenschaft⸗, Tevvâv zeugen», fürve- c9oi cgeboren werden», lat. gignére(Prat. genaui)«erzeugen», genus n. Geschlechto, gens f.«Geschlecht, Stamm⸗, awest. zan- cerzeugen, gebären?, aind. janati«erzeugt», Jänas- n.«Geschlecht, Jänas m. Geschöpf, Menschy». Im Plural, den mhd. Formen (Nom. kint, Gen. kinde, Dat. kinden) gemäß, noch mitunter die Kind(Goethe 2, 36). 4BL. kindern, v.: ein Kind gebüren(schon im 16. Jh., dafür mhd. Kkinden, ahd. chindôn, chindan, noch schweiz. chinden); kindisch tun (1691 bei Stieler, davon Kinderei, f., 1648 bei Zesen Ibrahim 115 Kinderey). kindisch, adj., mhd. Kindisch, kindesch, ahd. chindisc, kindisc, asâchs. kindislt(ags. cildisc ckindlich, jugendlich»), im tadelnden Sinne schon mhd. (Passional 262, 36 Köpke). Kindlein, n.: kleines Kind, mhd. Kindelin, ahd. kindilin, chindilin, im Plur. auch Kinderlein, 1482 bei Melber K 5 b kinderlin, daneben mhd. kindel, ahd. chindili, noch oberd. Kindel n.; dafür md. Kindelin, Kindichin, nhd. Kindchen n., im Plur. gewöhnlich Kinderchen(schon im 16. Jh.), nd. kinderken(Uhland Volksl. 81). kindlich, adj., mhd. kintlich, ahd. chindlih, im Adv. mhd. kintliche, ahd. chindlihho. ZUS. 1) eigentliche: Kindbett, n.: Wochenbett, mhd. Kintbette(daneben kindelbette), ahd. chintpette, chindebette n., woneben älternhd. und noch schweiz. ein Fem. Kindbette; da- von Kindbetterin, f.: Wöchnerin, mhd. kintbetterinne,-betterin, auch kindelbetterin f. Kindelbier, n.: Kindtaufsschmaus, 1691 bei Stieler, dafür bei Luther 4, 117²2 Kinderbier.

Kindheit, f., mhd. kintheit, ahd. cindheit f.

(ags. cildhãd) m. Kindschaft, f., bei Luther. Kindtaufe, f., mhd. kinttoufe, daneben im

teil unter der Unterlippe.

15. Jh. Kindeltouf m., im 16. Jh. Kindtteufete f. Zimm. Chron. ² 4, 47, 13. 2) uneigentliche a) mit dem Gen. Plur.: Kinderfrau, f.: 1691 bei Stieler. Kinderfreund, m.: Zeit- schrift für Kinder. Chr. F. Weiße gab 1775 die erste unter diesem Namen heraus. Kinder- garten, m.: Erziehungsanstalt für kleine Kinder. Von Fröbel 1840 begründet und benannt. kinderhaft, adj., 1775 bei Adelung. Kinderlehre, f., bei Diefenbach-Wülcker 697 vom J. 1611, mnd. kener lare ebd. kinder- leicht, adj., 1800 bei Langbein Ged. 2, 75. kinderlos, adj., 1664 bei Duez. Kinder- mädchen, n., 1691 bei Stieler, dafür bei Luther Kindermagd. Kindermuhme, f,, 1691 bei Stieler, in Thüringen und Ober- sachsen. Kinderschuh, m., 1535 bei Luther 6, 292 b die Kinderschuch ausziehen. Kinder- spiel, n., in der Bed. leichtes Tun im Gegen- satz zu ernstem schon mhd. chindispil, kinde- spil, kintspil, auch Kindes Spil, 1561 bei Maaler Kinderspill n.; im gemeinen Leben auch «Menge von Kindern». Kinderstube, f., 1618 bei Schönsleder kinderstuben, pæda- gogium», aber schon vom J. 1496 bei Kriegk Deutsches Bürgert. 364 Kinderstobe f.«Schule» (des Liebfrauenstifts in Frankfurt a. M.). Kindertaufe, f.: an Kindern vollzognes Sakrament der Taufe, früh im 16. Jh., 1525 bei Zwingli Kindertoufm. Kinderzucht, f, bei Luther 6, 433 b. b) mit dem Gen. Sing.: Kindesbein, n., ahd. vona chindes peine, mhd. von Kindes beine, bei M. Rinckart( 1649) von Kindesbeinen an. Kindeskind, n., mhd. kindeskint n. Kindesnot, f.: Geburtswehen, bei Luther in Kindesnöten sein, mhd. in nœten. Kindesteil, m. und n.: der gesetzliche An- teil eines Kindes an der Erbschaft, 1691 bei Stieler. Kindskopf, m.: Dummkopf, 1776 bei Wagner Kindermörderin 37. Kinkerlitzen, Plur.(in Bayern) mit dem Dimin. Kinkerlitzchen(Gotter Schausp. 216): Flitterkram, Flunkereien. Md. Der erste Teil des Wortes berührt sich mit md. Kickerling m.«schlechtes Geldstück, ver- krüppelte Pflaume, verwachsnes Kind»(auch Kinkerling)«unausgewachsne Feder beim Federschleißen», nordital. chiccheri, chichera «itterstaat, engl. kich neues Putzstück», der zweite Teil entspricht bayr. litz, litzen, mhd. liz, litze m.«Laune, Grilley, ahd. liz m. «Vorwand», got. lita f.«Verstellungy. Kinn, n.(Jels, Pl.-e): vorstehender Kopf- Alternhd. auch