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mit anord. orn-Kippa«Behälter für Saatkorn», mhd. Keibe f.«Mastkorby. Zugleich scheint aber lat. cypa f.-Tonne, Faß, Getreidemaß» mit darin zu stecken. Bei den obersächs. Winzern an der Elbe auch in der Bed.«Faß, Bütte», in Nordböhmen chohes Faß der Färberv. Kies, m.(Gen. Kieses, Pl. Kiese): grober, steiniger Sand; im Bergbau geringhaltiges metallisches Erz(im 15. Jh. kys,«antimonium⸗ bei Diefenbach, mhd. kis«schlechtes Metall, bei Berthold v. Regensburg 1, 147, 27). In 1. Bed. mhd. kis, schon bei Luther gedehnt Kies(Jes. 48, 19), aber noch in md. Mund- arten kiss; dafür in Norddeutschland Grand (s. d.). Dazu ndl. kei«Kiesely. Zupitza Gutt. 194 vergleicht weiter lit. 2 νορ2dros f. Pl. Grandy, apreuß. sigdo«Sand». Hierher auch phryg. ficca«Stein?? 4BL. Kiesel, m. (s, Pl. wie Sg.): sehr fester Stein aus Kiesel- erde, mhd. Kisel, auch in der Bed.«Hagelstein, Schloßen(wie noch fränk.-hess.-rhein. Kiesel m.«Hagel»), ahd. kisil m., ags. cisil, ceosel m. Kieselsteim, in weitrer Ableitung Kieseling, Kiesling, m., bei Luther Spr. 20, 17 Kiseling, mhd. Kiselinc, ahd. chisiling m.; dazu mnd. keser-, Kesser-, kiser-, Keselink m., ndl. Kese- linge. Kieselgur, f.: Bergmehl, Infusorien-
erde. Zgs. mit Gur(s. d.). Kieselstein, m. erst nhd., 1501 Leipziger Voc. opt. Bb 42.
kiesig, adj., bei Luther 5. Mos. 21, 4 Kiesicht, 1562 bei Mathesius Sar. 156°2 Kisig.
kiesen, v.(Prät. kor, Konj. köre, Part. geloren): prüfend ausersehen, auswählen, er- wägend wählen. Seit dem 17. Jh. nur noch in poetischer Sprache. Mhd. kiesen(Prät. kbs, Plur. kurn, Prät. gekorn und schwüb.- aleman. gekosen), auch«prüfend kosten», ahd. chiosan; dazu asächs. Kiosan, mnd. kesen, keisen, mndl. Kiesen, ndl. kiezen, afries. Kiasa, sæiasa, ags. céosan, engl. choose, anord. Kosa, got. kiusan. Verwandt sind gr. Tebecgoi ckosten», aind. Jusäts chat gern, findet Ge- fallen, liebt, kostet», awest. zaosa- m. Ge- fallen, apers. dausta(2. Sg. Aor. Med.) cliebe- voll behandeln», alban. desa(Aor.) cich liebtey, ir. to-gu«Wahlꝰ, lat. gustäãre«schmeckenꝰ, deguno ckostey. Vgl. Küren, Kosten.
Kiez, m.(-s): Ort, wo die Fischer bei- sammen wohnen. In Nordostdeutschland. Bei Haltaus 1073 der Kytz als Gerichtsstätte vor der Stadt Brandenburg, vom J. 1249. Wahrscheinlich slawischen Ursprungs.
Kieze, f.(Pl.-n): Rindengefäß zu Erd- beeren usw.; Korb; Starkasten. 1741 bei
Frisch Kieze, 1562 bei Mathesius Sar. 274² Kitze f., bei dem Schlesier Czepko(T 1660) Kiez m., Nebenform zu Kötze(s. d.).
Kikeriki, der Hahnenschrei, 1787 bei Schubart Ged. 2, 253 Kikrilci, bei Gleim Kiri, dafär 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 2, 73 guckc guckc curith.
Kilber, f.(Pl. wie Sg.): weibliches Lamm, Mutterlamm, noch thüring.-fränk.-österr.- schweiz. Mhd. Kilbere, ahd. chilburra, kilbira f. cLamm'y, ags. cilforlamb n. S. Kalb.
Kilogramm, n.(-, Pl.-e): 1000 Gramm (2 Pfund), und Kilometer, n. und m.(-s, Pl. wie Sg.): 1000 Meter, 1868 gesetzlich auf- genommen aus franz. Kilogramme m.(S. Gramm) und kilomètre m., deren kilo- aus gr. xiwon ctausend», in Zusammensetzungen xo-
Kilt, m.(-es, Pl.-e): Nachtbesuch des Jünglings bei dem Mädchen. Schweizerisch, elsässisch, eig. Abendtätigkeit, besonders im geselligen Beisammensein. Aus Quilt, wie keck aus queck, noch elsässisch guelte. Ahd. 817 chawiltiwerch n.«Abendwerk», d. h. Ar- beit am Abend bei Licht», anord. Kveld n., schwed. qväll m., dän. Kveld Abendy, ags. cwyldseten f. Abend?, cay*ldtid«Abenduzeity.
Das Wort gehört zu ags. cwield«zZerstörung,
Tod, lit. gälas m.«Endey. Die idg. Wg. gwel- ist in ihren Bedeutungen außerordent- lich weit verzweigt. Vgl. noch Zupitza Gutt. 85. ZUS. Kiltgang, m., wie Kilt. Kiltgänger, m.: nächtlicher Besucher. 1Kimme, f.(Pl.-n): Kerbe in den Dauben, am Gewehr usw. In Nord- und Mitteldeutsch- land. 1557 bei Agricola Bergwerk 135 kimme, 1716 bei Ludwig Keime, holstein. Kieme. Vgl. ags. cimbing f.«Fuge». 4BL kimmen, v.: die Kimme einschneiden, 1741 bei Frisch. Davon Kimmer, m.: Böttcher, nord- und z. T. mitteldeutsch, mnd. kimmer, iemer m. ²Kimme, f.(Pl.-n): vor-, übertretender scharfer Rand. An Fässern 1663 bei Schottel. Aufgenommen aus nd. kimm m., Kimme f. cäußerster Rand, den Faßboden überragender Faßdaubenrand, auch«Horizont», ndl. kim, kimme f., 1599 bei Kilian kime, kimme, kieme; schwed. kim m. Faßdaubey, engl. chimb, chime, mengl. chimbe«überstehendes Faß- daubenende». Wie es nach dem Englischen scheint, eins mit dem vorigen Kimme, zumal da jener Rand von der Kerbe anhebt, in welcher der Boden sitzt. Vielleicht ablautend zu Kamm. Anders Zupitza Gutt. 144. Dazu Kimmung, f.: Horizont, Luftspiegelung, nd.


