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1Kiel, m.(-S, Pl.-e): der untre hohle Teil der Flügelfeder des Vogels; Schreib- feder; Pflanzenstengel(im 18. Jh.). Mhd. kil m. n.«Federkiel», jedoch ndrhein. im 15. Jh. Keil, kijl(Diefenbach gl. 2775b), elsàß. 1579 bei Golius 288 kKeil, schwäb. 1646 bei Weck- herlin 2, 307 federkeil, 1663 bei Schottel Kejl und federkeil, 1691 bei Stieler Kiel, Keil et
Kengel(wie Stiel neben Stengel); daneben
ein Fem. obersächs.-thüring. Xiele, auch schles. 1734 bei Steinbach Kiele f., schon 1587 bei Soranus Federkile f. Nebenform westfll. quiole f., entsprechend engl. guill«Federkiel, Stengel. Dunklen Ursprungs. 4L. kielen, v.: Ansatz zu Federn haben, md. im 17. Jh., dagegen bei Luther Tischr. 242 b und 1691 bei Stieler Keilen.
2Kiel, m.(-es, Pl.-e): der lange Grund- balken des Schiffes. 1691 bei Stieler Kiel, Kehl, 1734 bei Steinbach Kiel, Keel, aus dem Nd., mnd. kil, Kiel, Kel, 1594 bei Chyträus Keel, ndl. Kiel, ags. cele m., anord. kjölr m., schwed. köl, dän. Kjö! Schiffskiel, auch Gebirgsrücken⸗; aus dem Germanischen entlehnt das gleichbed. franz. quille, ital. chiglia, span. quilla f. Man nimmt Verwandt- schaft mit Kehle an, was aber nicht sicher ist. K. wurde vermengt mit dem urspr. verschiednen Kiel m.«Schiffs, mhd. kiel, ahd. kiol m.«größres Schiff»; dazu and. Kiol, ags. cẽol, col m.«Langschiffy, anord. Njol- m.«Schiff„y. Man hat gr. Tookoc Kauf- fahrteischiff», Tauköc m. Melkeimer» ver- glichen, doch sind diese eher aus dem Se- mitischen entlehnt, vgl. Lewy die semitischen Fremdwörter 151. Außerdem stimmt der Vo- kalismus nicht. Auch aind. gölas m.«Kugel» bleibt besser fern. Im letzten Grunde könnten germ.*Kela, falls aus idg. gw)elã und*eula durch Ablaut verbunden sein. Vgl. noch Btr. 23, 227. ZUS. kielholen, v.: ein Schiff zum Ausbessern auf die Seite legen; einen zur Strafe unter dem Schiffskiele durch das Wasser ziehen(herumholen), nd. und ndl. Kiel-halen. Entlehnt schwed. kölhala, dän. Kjölhale, engl. keelhaul, keelhale. Kiel- schwein, n.: schwerer Holzblock am Schiffs- kiel, worauf der Mast steht. 1734 bei Stein- bach Kielschewin, aus dem Nd., wo auch kolswinn, gekürzt Kolsen, wohl entlehnt aus dem Nord., schwed. Kölsvin, dän. Njölsvün, die aus Kiölsvill(svill zu d. Schawelle) um- gewandelt sind. Kielwasser, n.: Wasser- furche hinter dem Schiff, 1775 bei Adelung,
aber ndl. 1599 kielzater n.«Wasser im Kiel- raum des Schiffes.
Kielkropf, m.(Tels, Pl. Kielxröpfe): groß- köpfiges, dickhalsiges Kind, das man als von Zwergen untergeschoben ansah, Wechselbalg Bei Luther Kilkrob, Pl. Killeroppe(S, 902 J.,
in den Tischr. 210 b Kilekrröpffe, 213 2 Kil-
krõpff), 2gs. wohl aus Kropf(s. d.) und Kiel m. Quelly(1562 bei Mathesius Sar. 96 b; 165²), ältermd. guil f.«Quelley, denn man glaubte wohl, solche mißgestaltete Kinder seien aus Wasser oder Wellen hervorgegangen. Urspr. westmd. und nd. Wohl mit Anlehnung an Kaul in Kaulkopf(s. d.) 1550 bei Alberus Fab. 39, 101 Kolkropff m.
Kieme, f.(Pl.-n): Fischkiefer. Erst im 17. Jh. in den spätern Ausgaben des Soranus und 1716 bei Ludwig Kieme, 1663 bei Schottel Kimme f.; dafür früher 1482 im voc. theut. 4 4 ² Kinlein, 1462 kieffe(s. 1Kiefer), An- fang des 15. Jh. kie(Diefenbach nov. gl. 58 b), 1666 bei Comenius Sprachenthür 163 Kibe, 1716 bei Ludwig, 1734 bei Steinbach Kiepe f., 1558 in Eber-Peucers Vocab. rei num. H 2 b kampff m.; dazu and. kio m., kian Pl.«branchia», ags. cun, céon. Die Herkunft ist unsicher. Grundform ist wohl*mno-.
Kien, m.(-es): das harzvolle Holz der Kiefer zum schnellen Feueranmachen oder Leuchten, sowie das Harz selbst. Mhd. Lien m. n., ahd. chien m.«Kiefernharz, Kienspan, Harzfackel, Kienbaumꝰ, im 15. Jh. auch Kien- apfel; dazu mnd. kén, ags. cén m. Harz- holzfackel, Kiefer». Im 17. und 18. Jh. in Mitteldeutschland Kühn geschrieben, 1574 bei Fischart Onomast. 89 b Kün. Dunkler Her- kunft. Vgl. Wiedemann BB. 29, 314. 4L. kienig, adj., um 1480 im Voc. inc. teut. n 2 b kinig. ZUS. Kienapfel, m.: Samen- zapfen der Kiefer, 1501 im Leipziger Voc. opt. V8b kinapfel, später auch Kühnapfel (1613 bei Colerus 421 b). Kienbaum, m.: Kiefer, mhd. kienboum. Kienruß, m.: Ruß
von Kienholz, 1618 bei Schönsleder Kienrueß.
Kienspan, m., 1711 bei Rädlein.
Kiepe, f.(Pl.-/): langer geflochtner Rückentragkorb. 1595 bei Helvig 178 Kipe, 1482 im Voc. theut. q 42 kocpe, aufgenommen aus mnd. Kipe, nnd. Kipe, clevisch 1477 Kyppe f.; dazu mndl. cũpe f., ndl. Kiepekor m.«großer Tragkorb, kib«Fischreuse von Flechtwerko, ags. cChpa f.«Korb», in engl. Mundarten kipe «Fischreusey, norw. kipe«Weidenkorb zum Tragen auf dem Rücken». Wohl verwandt


