1029 Keusche
Kieke 1030
wofür gewöhnlich mhd. kiusche, mhd. chhski, chiuski, älternhd. Keusche f. ZUS. Keusch- lamm, n.(-s): der süditalische Keuschbaum, agnus castus, dessen erstes Wort irrig als das lat. agnus m.«Lammy gefaßt wurde, es ist viel- mehr ãfvoc m., der gr. Name dieses Baumes, den man fälschlich zu gr. rvéc unbefleckt, rein» stellte und mit castus übersetzte. Schon im 14. Jh. bei Megenberg 311, 14 käusch lamp.
Keusche, Keische, f.(Pl.-n/): kleines Bauernhaus, in den österreich. Alpen. Wohl aus dem Slawischen, slov. kajza f.«Keusche?, ischech. chyse, abg. chyga f. Hütte?, die dem deutschen Haus entstammen. Davon Keuschler, Keischler, m.(*s, Pl. wie Sg.): Kleinbauer, Häusler, slov. Kajzar.
Keutel, s. Keitel.
kibbeln, v.: sich in kleinen Zänkereien auslassen. Mhd. Kibelen, kivelen, Diminutiv oder Frequentativ zu kiben, kiven ckeifen?.
Kibitka, Kibitke, f.(Pl. ken und kas). Aus russ. Kibitka«halbverdecktes Fuhrwerk, Reiseschlitteny.
Kicher, f.(Pl.-n), gewöhnlich Kicher- erbse, f., mhd. kicher f. m., ahd. chichera, chichirra, chichura f.(s. Zfd W. 6, 184). In sehr früher Zeit, als das lat. c noch wie k klang, entlehnt aus lat. cicer n.(Pl. cicera) Kichererbse» und cicera f. platterbse, Wicken, mit Anklang an das ganz verschiedne roman. cicoria f.«Zichoriey.
kichern, v.: mit feinem Ton in sich hin- ein lachen. 1517 bei Trochus Q 3 b kichern, 1482 im voc. predic. c7 kecherlich lachen; dazu mhd. kach m.«lautes Lachen», Kachen laut lachen», woneben gleichbed. ahd. Kah- hazzen, mhd. kachzen; dazu ags. ceahhettan. Lautnachahmend wie lat. cachinnus m. chelles Lachen», cachinnäre claut auflachen, gr. Ko¼deiv, korXdxeiv laut lachen, hohn- lachen», aind. kakhati«lachty. Nebenform kickern, v.: kichern(Gotter Schausp. 276), 1711 bei Rädlein kickern chöhnisch lachen⸗, 1727 bei Aler gickeren«cachinnaren, ndl. 1599 kekeren, schon mhd. gickeln bohn- lachen»(Renner 16109), 1477 clevisch kickeln, 1616 bei Henisch gichlen, gicheln, gachlen.
Kickerling, s. Kinkerlitzchen.
Kicks, m.(Gen. Kickses, Pl. Kickse): Fehlstoß(im Billardspiele), Fehlschuß, Fehl- griff. In 1. Bed. Kicks 1775 bei Adelung, 1732 bei Picander 3, 357 Giæ Fehlschußs. Aus engl. kich«Stoß, Fufßstoß».
Kiekskacks, s. Gicksgacks.
Kiebitz, m.(-es, Pl.-e): der Sumpfvogel vanellus. 1664 bei Duez Kifitz, Kibitz, Kuwitz, 1615 bei Colerus 5, 201 Kybitz, Kübitz, Kybit, Eybelit, Kybelitz, 1562 bei Mathesius Sarepta 68 b Kibitz(als Scherzname für«Chorschüler- lein»), mnd. Kivit, Kiwit, ndl. kievit. Aber obd. mit G im Anlaut, z. B. bayr. Geibitz, 1419 geybite, 1445 gaobicz(Schmeller? 1, 868), 1482 im voc. theut. K 62 gebytz, bei H. Sachs 4, 280 Geubitz, 1593 bei Helber 37 geirwie, mhd. gôoiz, gibiz, gubitz; älternhd. auch Gyfitz (Maaler 1561, Pl. Gifitzen bei Fischart Garg. 376), Geifitz(1594 bei Frischlin Nom. Cap. 40). Der Name stimmt mit dem Rufe des Vogels.
1 Kiefer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Kinnbacken; Fischkieme(1716 bei Ludwig, aber schon 1476 keuffer bei Diefenbach nov. gl. 58). In 1. Bed. 1691 bei Stieler Kifer, mhd. Kiver und kivel m., später kiffel und kiefel(im 15. und 16. Jh. kyfel auch Fischkiemen); dazu asächs. kaflos Pl. m., ndl. kevels Pl. f., ags. ceafl m.«Kieferꝰ, anord. Waptr, Kjöptr m. Kinnbacken», schwed. käft, dän. Kjäft. Zu mhd. kifen, Kifelen«nagen, kaueny, wovon auch Kiefe f., 1462 kieffe, kiff«Fischkiefer» (Mone Anz. 7, 307 b; 301 b), nd. kiffe«Kinn- backen», Keve Fischkiemey, während mhd. kiuwe, Keue, Kiuwe, Kouoe, ahd. chiuzwa, chiwa, chewa f.«Kiefer» von ahd. chiurvan«kauen» apgeleitet ist. Außerhalb des Germanischen entspricht wohl awest. zafar- n. Munds.
2Kiefer, f.(Pl.-n): die harzreiche Nadel- holzart pinus, oberdeutsch Föhre, Kienbaum. Zuerst bei Luther Jes. 41, 19 Kyfer f. aus der obersächs.-schles. Volkssprache, gekürzt aus Kienföhre(dem volkstümlichen Namen des Baums in Böhmen, Osterreich und Bayern, im Adj. mhd. Kienvorhin, um 1480 im voc. inc. teut. g 3³ und 1562 bei Mathesius Sar. 80 b kinforen), wie die Ubergangsformen frünk. Kinfir(Schmeller? 1, 1256 vom J. 1771) und nordböhm. Kimfer zeigen. 4L. kiefern, adj., 1544 in Leipz. Ordn. N 2 Kyfern, 1562 bei Mathesius Sar. 80 b kiefern; das Adj. in den Zuss. Kiefernholz, Kiefernawald.
Kieke, f.(Pl.-n): durchlöchertes Blech- gefäß, in das ein Topf mit glühenden Kohlen gesetzt wird, zum Wärmen der Füße. 1667 in dem Anekdotenbuch«Gepflückte Fincken? S. 11 Kieckce, 1711 bei Rädlein Kicke, Gickee, 1729 bei Picander 2, 249 Giecke, aus gleich- bed. nd.(1785 bei Voß 2, 275 Feuerkieke), mnd. Kice f., wofür dän. ildlcilkert«Feuer- kieke». Dunkler Herkunft.
65*


