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umgedeutet, bei Heppe 1763 Kitte f., 1753 bei Döbel 1, 50a Kitt n. von Feldhühnern, 1538 bei Herr Columella 85a rütte f. und 1517 bei Keisersberg Brösaml. 2, 89a kütt n. von einer Vogelschar, ahd. cutti n. Herde», afries. kedde«Schar, Haufey, mnd. kudde n. f.«Herde», ndl. Kudde f.«Herde Kleinvieh» (ebenso ndrhein. 1507 bei Diefenbach gl. 270 a), noch bayr. elsäss. Kkütt f. n. und schles. Xütte, kitte f.«Rebhühnervolky, schweiz. chäütt n. «Schar, Rudel», kärnt. Xatte f.«Viehherden. Mau vergl. lit. güotas m. und gaujd f.«Rudels.
2Kette, f.(Pl.-n): Reihe zusammen- hängender Metall- oder Stoffglieder; bei den Webern der Aufzug. Bei Luther, selbst bei Schuppius, wie noch bayr. Ketten f., mhd. ketene, Keten, ahd. chetinna, ketina, chetenna f.; dazu mndl. Ketene, ndl. keten, schwed. Kedja, dän. Kjäde«Kette». Aus dem gleichbed. lat. caténa f. Davon ein Diminutiv Kettel, m. f.: eisernes Band an Türen und Fenstern zum Einhängen der Haspe. Ostmd.— ketten, v.: mit einer Kette binden, fesseln, mhd. ketenen, im 15. Jh. gekürzt keten, ahd. chetennõn, aus gleichbed. lat. caténãre. Dazu das Dimin. ketteln, v., 1691 bei Stieler. ZUS. Ketten- hund, m., 1517 bei Trochus H 1 5b ketenhund.
Kettich, m.(-s): Hederich, sinapis ar- vensis, nd. Kõddik, Kiddik, Kiüdik, ags. cedelc f., dän. Kiddice.
Ketzer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Irrgläubiger. Mhd., im 12. Jh. aufgekommen, ketzer m., auch«verworfner Mensch, unnatürlicher Wol- lust Ergebner», md. auch katzer, mnd. und ndl. ketter(daraus entlehnt schwed. kättare, dän. Kjätter), aus gr. koeapöc rein», An- gehöriger der manichäischen Sekte der Ka- tharer, die sich im 11. u. 12. Jh. im Abend- lande verbreitete und von der rechtgläubigen Kirche verfolgt wurde; die Italiener nennen sie Gazari. 48L. Ketzerei, f.(Pl.-en): Irrgläubigkeit, mhd. ketzerie, auch unnatür- liche Wollust». ketzerisch, adj., im 15. Jh. (Fastnachtsp. 9, 24; 13, 4), dafür mhd. ketzer- lich. ketzern, v., in verketzern, im 15. und 16. Jh. ketzern«zum Ketzer machen», im 16. Jh.«martern, quälen», eig.«wie einen Ketzer behandeln», noch bayr.-rhein.-schweiz. ketzern«das Leben sauer machend Kleinlich quäleny, elsäss. verketzern verderben, bös- willig beschädigeny.
Keuche, Keiche, f.(Pl.-n): dumpfes Gemach; Kerker. Bayr. östr., 1594 bei Frisch-
und Kauche, älternhd. Keiche, mhd. Kiche f.; von keuchen(s. d.), eig.«Ort, der den Atem benimmt).
keuchen, v.: schwer atmen. Bei Fischurt Garg. 455 keuchen, 1537 bei Dasypodius keü- chen, aber älternhd. bis ins 18. Jh. Keichen (bei Wieland, d. j. Goethe 3, 248, noch bei Rückert 2, 140), mhd. kichen ckeuchen» neben küchen«stark hauchen»(älternhd. kauchen, 1517 bei Keisersberg Brösamlin 2, 88 b Lüchen); dazu mndl. Kichen, kuchen, engl. cough chustero, schwed. kila, kilnna«nach Luft schnappen', älterdän. kigen«husten»y. ZUS. Keuch- husten, m.: ansteckender Husten mit Atem- not, 1775 bei Adelung Keichhusten, dafür älternhd. Keuchen, Keichen n., Keuche, Keiche f., mhd. kiöche m. f., ndl. 1599 Kichhoest(und mit Nasal kinckhoest, mnd. Kinxhöste, holst. Kinkxhõsten, engl. Kinxhaust, chincough), schwed. kilchosta, dän. Kighoste.
Keule, f.(Pl.-n): einem Stabe vergleich- bares unten kugelknopfartiges Schlagwerkzeug usw., Hinterschenkel, Oberschenkel(1517 bei Trochus N 4³ Kule). In 1. Bed. mhd. Kielle (urspr. wohl mehr das dicke, kugelknopfartige Ende, z. B. des Kolbens Parziv. 570, 6), md. käle und ans Nd. anklingend im 14. Jh. Kuile (Jeroschin 23692), 1470 Keul. Verwandt mit, Kaule(Kugel), s. d.
Keuler, s. Keiler.
keulich, s. Kaulicht.
Keuper, m.(-s, Pl. wie Sg.): Buntmergel- sandstein der obersten Triasschicht. Nach der im Koburgschen volkstümlichen Benennung dieses Sandsteins von Leop. v. Buch in der ersten Hälfte des 19. Jh. wissenschaftlich ein- geführt, vgl. bayr. Kiefer m.«Sand, Kies».
keusch, adj.: sittenrein, besonders in An- sehung des Geschlechtsverhältnisses. Mhd. Kiusche und alem. mit Nasal kiunsch(noch im 16. Jh. Künsch), md. küsche, ahd. chsh, chski, chiuskce, im Adv. chsco, chiusko ent- haltsam, mäßig, sittsamy; dazu asächs. Adv. cusco(and. kusgi«venustass, cusſcitha pudors), ndl. Xalνsch, afries. kiüsk, ags. csc. Die Grund- bedeutung scheint«rein» zu sein, vgl. ndl. kuisch«reinlich, saubery, kuischen«säubern, putzen», ahd. unküsk? f.«Schmutz», aprov. cusc crein, sauber». Dunkler Herkunft. Kaum mit Berneker Idg. Forsch. 10, 161 zu lit. Fauxsoti«mäßig sein». 4BL. Keusch- heit, f., mhd. kiuscheheit, wiuscheit und alem. mit Nasal künschait(Mone Schausp. 1, 150,
lin Nom. Cap. 155 Keuch, in Augsburg Keuche bei Maaler 1561 Künschheit), md. Küscheit,


