1019 Keim
Kelch 1020
Keim, m.(-els, Pl.-e): ausbrechende junge Samensprosse. Mhd. Kiöme, ahd. Kıνmo, daneben schon im 12. Jh. kim m.; dazu mnd. Kime und mit andrer Ableitung and. Kin (m.), mnd. Kine m. und fränk.-schwäb. Keid f. Keim, Setzpflänzcheny», mhd. kide, Kit n. «Schößling», ahd. Kidi n.(in frumikidi«erster Keim, Erstling»), asächs. kid m.«Schößlingy, ags. cJh Sproß, schweiz. cheist m., ahd. (frumi)-chist«primitiae»y. Die unerweiterte Wurzel in got. Partizip as-Kijans«hervor- keimen», mit Präsenserweiterung keinan, ahd.- as. Kinan«hervorkeimenꝰ», ags. cinan«bersten, offensteheny. Daneben die Bedeutung Spalten in ags. cint f.«Ritze, Spalte», dän.-dial. kin «Spaltey. Da dies alles zur Grundbedeutung «Spaltey» führt, kann Keil«Werkzeug zum Spalten» dazugehören. K. wird vom 16.—18. Jh. auch Käzunz geschrieben. 4 L. keimen, v., mhd. im 11. Jh. Kimen, im 16.—18. Jh. auch kKäumen.
kein, adjektiv. Zahlpronomen: nicht ein. Mhd. Kein, chein, gekürzt aus nekein oder (mit üblicher Umstellung des ne) enkein, ur- sprünglicher nechein, ahd. nihein«auch nicht einy, zgs. aus der mit lat. nec, neque in Laut- verschiebung und Sinn stimmenden got. Par- tikel nih(eig. ni-uh d. i. die Verneinungs- partikel ni, lat. ne-, verbunden mit dem got. Anbängsel-Mh,—h, entsprechend lat.-que, gr. re, aind. Ga«und») und aus dem Zahl- wort ein; dazu asächs. nigén, mnd. negén, gekürzt gén, gein, mndl. negheen, engeen, udl. geen; im Ahd. eine gleichbed. Nebenform nohein, gebildet mit ahd. noh, unserm ver- neinenden noch(s. d.). Mhd. kein bedeutet aber auch irgendein»(nach dem Kom- parativ noch im 18. Jh.«mehr als kein andrer? Goethe 46, 79, Schiller Don Carlos 1, 1); in diesem Falle ist es gekürzt, und zwar zu- erst zu chein aus mhd. dekein, dehein, ahd. dihein«irgendeiner», dessen erster Bestand- teil dih- dunklen Ursprungs ist; dazu die ahd. Nebenform dohein«irgendeinery, nach dem Vorbilde von nohein und im Gedanken an doh«doch». Beide mhd. Wörter enkein und dexein vermengten sich, so daß auch dieses in der Bed.«nicht irgendein», jenes in der Bed.«irgendein⸗ steht. Das Zahl- pronomen kein in Verbindung mit einer Ver- neinungspartikel(kein nicht usw.) ist von alters her stärkre Verneinung(noch bei Lessing Natban 5; 8, Goethe 9, 23, Schiller Wallenst. Tod 3, 15) auch heute noch im Volksmunde;
die herrschende Ansicht dagegen, daß zwei Verneinungen sich aufheben, also bejahen, rührt von der Schule aus der lat. Grammatik her. Das nach kein folgende Adj. vor einem Subst. hat heute im Plur. schwache Flexion, z. B. keine grauen Haare, früher starkbiegend keine graue Haare Schiller Räuber 4, 5. ZUS. (aneinander gerückte Genitive) keinerlei, adv.: keiner Art, mhd. Keiner leie, Keiner lei, deheiner leie, s.-dlei. keinerseits, adv., 1691 bei Stieler. keinesfalls, adv. keines- Wegs, adv., bei Luther Keinstweges, im 15. Jh. enkainsiwegs(die sieben weisen Meister in der Gießener Hs. Nr. 104 Bl. 36), 1378 mhd. keins wgs, 1343 schweiz. deheins wegs(Weisth. 5, 85 u. 87). keinmal, adv., erst im 17. Jh. (1618 bei Schönsleder).
Keische, s. Keusche.
-keit, Ableitungssilbe zur Bildung abstrak- ter Subst. von Eigenschaftswörtern. Schon mhd.-keit, mit Ubergang des ch in k entstan- den aus-ec-heit, d. h. der mhd. adjektivischen Ableitungssilbe-ec, nhd.-ig, und-heit(s. d.), z. B. mhd. stezecheit(d. i. süezec-heit) süeze- keit, nhd. Süßigkeit; von da aus verbreitete sich-Keit weiter, z. B. mhd. heilickeit(My- stiker 1, 126, 13), auch wo kein Adj. auf-ec vorlag, z. B. mhd. bitterkeit, geistlichkeit.
Keitel, m.(-, Pl. wie Sg.): Fischnetz; Schleppnetz; Sack im Netz; sackförmiger Darm bei Tieren. Mitteldeutsch, ostpreußisch. Besser Keutel zu schreiben, da es wohl zu Kaute gehört.
1 Kelch, m.(*Lels, Pl.-e): bauchiges Trink- gefäß mit hohem Fuß. Mhd. Kelch, Kelich, ahd. chelh, chelich m.; dazu asächs. Kelik, mnd. Kelk, kelikc, afries. tzilik, tzæielk, ags. calic, oœælic, anord. kallr m. Entlehnt aus gleich- bed. lat. calic, Gen. calicis, und zwar in sehr früher Zeit, als c vor i im Lat. noch wie k gesprochen wurde(vgl. Kaiser, Keller). 2S. Kelchglas, m., 1691 bei Stieler.
²2 Kelch, m.(-els, Pl.-e): Blütenhülle am Stengel. Mit dem vorwäürtsschreitenden Stu- dium der Pflanzenkunde erst in der Mitte des 17. Jh., gegen dessen Ende(1691) Stieler Kelch vom Rosenkelche und dem offnen Rosen- knopfe hat. Aufgenommen aus gr.-lat. calæ m.(Gen. cal*sis), gr. kcxu? f.«Blumenkelch, Rosenknospe», urspr.«ᷣHülle, Hilsen.
Kelch, m.(-Lels, Pl.-e): Fetthaut zwischen Kinn und Hals. 1540 bei Alberus dict. Q 2² kelcklin n., mhd. kelch, ahd. chelch, chelich, cheluch m., anord. Kjalki m.«Kinnlade, norw.


