1017 Kehraus
Keiler 1018
(§. d.). In urspr. Bed. mhd. kel, kele, ahd. kela f.; dazu andfrk. kela, and. in kel-girithi«Gefräßig- keito, mndl. Kele, ndl. Keel, ags. ceole f., und weiter lat. gula f.«Speiseröhre», aind. galas m. Hals, Kehle». 4BL. kehlen, v.: die Kehle ab- oder ausschneiden(1517 bei Trochus R 3 b kelen); rinnenartig höhlen(1691 bei Stieler). ZUS. Kehlkopf, m.: der hervorragende knorpelige Teil der äußern Kehle, 1775 bei Adelung.
Kehraus, s. ²kehren.
lkehren, v.: entgegengesetzte oder seit- würts einbiegende Richtung geben oder neh- men, wenden. Mhd. kéren(mitunter kerren), ahd. Kéran, cheiran und kérran; dazu andfrk. kérian, kéron, and. Kierta«detorsit, mndl. keren, ndl. keeren, afries. kéra, ags. cerran, cirran, cyrran. Herkunft dunkel. Der deut- schen Form würde got.*aisjan, der ags. * karsjan entsprechen. Das Prät. bei Luther kerete und kart, nach dem md., ins Mhd. vordringenden kärte, karte, Part. gekärt, ge- kart, mit dem entsprechenden Inf. Kären. Dazu das älternhd. Subst. Kehr m., mhd. kér, ahd. Kér m. Wendung, Richtung(noch in Ferkehr m.), und Kehre, f.: Wendung einer ansteigenden Straße, mhd. Kére, Kér, ahd. kéra. Die verkürzte Form Kehr noch in Einkehr, Umkehr. ZUS. Kehrreim, m., für das franz. refrain m. von G. A. Bürger 354*(Bohtz) vorgeschlagen und gebraucht. Kehrseite, f.: Rückseite, in der zweiten Häülfte des 18. Jh. aufgenommen aus näl. keerzyde f.«Revers(Rückseite) einer Münze⸗ (1729 bei Halma 308°).
2kehren, v.: durch Streichen mit Besen, Bürste usw. von Unreinigkeit befreien. Mhd. keren, kern, ahd. kerjan, kerren, and. Kerren, zu ahd. kara in uberkara f.«Auskehrichts, isl. kar n.«Schmutz an neugebornen Kälbern und Lämmern». Vielleicht zu lit. ZeFti«scharren. 4BL. Kehricht, n., auch m.(-5): mit dem Besen ausgekehrter Unrat, um 1480 im Voc. inc. teut. n 1 b keracht, 1482 im Voc. theut. q 3 b kerecht, spätmhd. kerach, im 16. Jh. Kerich, 1678 bei Krämer Kehricht n., bei Goethe 8, 120 Kehrig m. und n. Kehrsel, n.(-§): Kehricht, 1540 bei Alberus dict. kersel, mhd. Kersal. ZUS. Kehraus, m.: Schlußtanz, 1734 bei Steinbach, aber schon im 15. Jh. Kerauß m. der letzte, kräftigste Trunk»; eine Imperativbildung. Kehrbesen, m., mhd. kxerbeseme, ahd. kerbesimo. Kehrwisch, m., um 1480 im Voc. inc. teut. n 2 ε kerlwisch.
Keib(e), m.(-en, Pl.-en): Aas, Leichnam, im 15. Jh.; Lump, Schuft(1517 bei Keisers- berg Evang. 213 b). Alemannisch. Unerklärt.
Keiche, keichen, s. Keuche, Keuchen.
keifen, v.: sich zänkisch auslassen;(nhd. auch von kleinen Hunden) Lärm machend kläffen. Neben der vorwiegenden schwachen Flexion in Nord- und Mitteldeutschland auch die starke, 1775 bei Adelung Prüt. kiff, Part. gekiffen, 1734 bei Steinbach(schles.) Kief, geliefen, mnd. Prät. Kev, ndl. Prät. keef, Part. geleven. Wie Hafer statt Haber, Hufe statt Hube, so ist auch keifen die durch das Mitteldeutsche aus dem Nd. aufgenommene Form für mhd. kõben, aber auch schon kifen, kiven, älternhd. Keiben, Keifen, daneben Kifen und kiefen; dazu mnd. Kiven, ndl. Kijven, afries. szivia, tsivia, anord. kifa, schwed. Ki«, Kifvas, dän. kiv, kives. Weitre Beziehungen sind unsicher. 4 L. Keifer, m.: Zänker, 1691 bei Stieler(auch Keiferin f.), mnd. Kluer m. keifisch, adj.: zänkisch, bei Stieler, dafür 1664 bei Schottel keibisch, 1537 bei Dasy- podius Keibig, mhd. kibic.
Keil, m.(-Jels, Pl.-e): spitzsäulenartiges Werkzeug zum Spalten, Zwischeneinschieben usw., dem ähnliches Stück. Mhd.-ahd.-mnd. kil m. Pflock, Keil⸗, aus kidkla- wegen der mhd. Nebenform kidel, älternhd. Keidel(noch schwäb.-schweiz.) m.; dazu anord. kill m., norw. kil«schmale Buchto, schwed. Kil, dän. kile«Keily. Vgl. Sievers Idg. Forsch. 4, 340. Vielleicht zu der Wa., die in Keim vorliegt. 4BL. keilen, v.: den Keil einschlagen, mit Keilen befestigen(1482 im Voc. theut. q 2², mnd. Kilen); schlagen, prügeln(nord- und md., Ende des 16. Jh. bei Ringwalt laut. Warh. 84, bei Opel und Cohn 31 vom J. 1620; dazu Keile, Pl., norddeutsch, und Keilerei, f., im 19. Jh.). ZUS. Keilschrift, f.: alt- orientalische Schrift mit keilförmigen Schrift- zeichen, gegen Ende des 18. Jh.
Keiler, österreich, auch Keuler, m. (“s, Pl. wie Sg.): wilder Eber. Ein Jäger- ausdruck. 1608 keyler in gräfl. Küchen- wochenzetteln zu Büdingen in der Wetterau, 1631 bei Opel und Cohn 278 Keuler, 1680 bei Riemer pol. Colica 236 Käuler, 1691 bei Stieler Keuler und Keiler. Das Wort könnte auf die Hauer oder Hauzähne des kampf- mutigen wilden Ebers deuten und von keilen (s. d.) abgeleitet sein. Entlehnung aus lit. kuilis m., lett. kuilis«männliches Zucht- schwein» ist durchaus unwahrscheinlich.


