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Kauz 1014
²2 Kaule, f.(Pl.-n): Kugel von geringem oder mäßigem Umfange. Mitteldeutsch, 1540 bei Alberus dict. kœul, im 12. Jh. köle(Athis 105, 87), auch süddeutsch im 15. Jh. käle f. Gekürzte Nebenform zu Kugel(s. d.), und verwandt mit Keule(s. d.)«Stange mit kugel- förmigem Enden. Dazu das Dim. Käulchen, n., bei Luther Keulichen, 1517 bei Trochus D 3² kulchen, im 15. Jh. bei Diefenbach Gl. 265 Keꝛwlelichin. 43L. Käuler, m.(-, Pl. wie Sg.) oder Kaulhuhn, n.: Huhn mit kugelichtem, schwanzlosem Hintern. kau- licht, adj.: kugelicht, md. kulecht, im 15. Jh. keulecht(Diefenb. Gl. 628 b), bei Luther Keulich (1. Kön. 7, 41 f.), 1741 bei Frisch kaulig, kaulicht. ZUS. Kaulbarsch, m.(-es, Pl.-e und Kaulbärsche): der dick- und kugelköpfige Barsch perca cernua. In Luthers Tischreden 224 b Kaulepers, 1540 bei Alberus Kkaulbersch, 1549 im Peucers Vocab. D 4 b Kulparsen pl. (noch bei Lessing 3, 67 Kuhlparse pl., auch mnd. kũlbars), im 15. Jh. bei Diefenb. Gl. 602 kulperske. Kaulkopf, m.: der Gropp, cottus gobio, ein Fisch mit dickem kugelförmigen Kopfe; der unentwickelte Frosch mit kuge- lichtem Kopfeé(1672 bei Grimmelshausen Simpl. 4, 7 Kz. Keulkopff, 1664 bei Duez 1, 86 Kaul- frosch); der Kaulbarsch(1775 bei Adelung). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. keulkopff, dafür 1775 bei Adelung Kaulhaupt, 1482 im Voc. theut. m 8² kauclhaupt und r 62 Kulhaupt, im 13. Jh. chlhoubit, culhouuet n.(Steinmeyer- Sievers ahd. Gl. 3, 369, 32). Vgl. Rotzkolbe. Ebenso Kaulquappe, f.: der Gropp(J. Paul Titan 1, 105); Kaulfrosch; Kaulbarsch(nd. Kuhl- guabhe 1756 bei Strodtmann 118). S. Quappe.
kaum, adv.: mit Mühe und Not, mit ge- nauer Not; schwerlich; eben erst. Mhd.-mnd. kume, ahd. chümo, mndl. cume, das Adv. des seltnen mhd. Adj. Küme, Küm aschwächlich, gebrechlich(dafür ahd. chämig«schwach, kraftlos, kranks»), schweiz. chöm kränklich, unbehaglich», mnd. kume«matt, leidend, hin- fallig», nd. Kúim schwach von Alter, krank, stöhnend; dazu ahd. chüma f.«Klagey und das Zeitwort mhd. Kümen«wehklagen, trauern, sich nach etwas ängstlich bemühen», ahd. chüman, asächs. kümian«beklagen», wohl ur- verwandt mit gr. rodeiv«wehklagen, jammerny. Gleicherweise das lat. Adv. aegre«verdrießlich, schwerlich, kaum», vom Adj. aeger«krank, verdrießlich». Im 16. Jh. treten erweiterte Formen auf: kaumet, kaumend(beide bei Luther), kaumenden, noch fränk. Kaumends.
Kaupe, f.(Pl.-n): Federbüschel auf dem Kopfe des Vogels; Grasbüschel(1746 bei Döbel Jäg.-Pract. 1, 69²); kleiner Erdhügel (ostmd.). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. kaup, kaupp, mit dem Adj. keupichl, noch wetterauisch Kauwhe und Keubig, 1517 obersächs. bei Trochus N 1 b Kube f., aachenisch Kuff, ndl. Kuif f.; desselben Stammes wie Kuppe(s. d.); damit ist aber wohl ein aus slav.-abg. kupö m. Hügely, sorb. Kupa f. «Hügel, Insel» entlehntes Wort zusammen- geflossen.
kausäl, adj.: ursächlich zusammenhängend. Aus lat. causäãlis ur Ursache gehörend, abgel. von causa f.«Ursache». 1801 bei Campe. Davon Kausalität, f.(Pl.-en): Ursächlich- keit. 1791 bei Roth.
kauscher, s. koscher.
kaustisch, adj.: beißend, ätzend. 1791 bei Roth, von gleichbed. gr.-lat. Adj. causticus, gr. xoucricéôc, mit koucréc«brennbar» zu kdietv«verbrennen, verletzen?.
1Kaute, f.(Pl.-n): Grube, Loch. Mittel- deutsch, schon im 14. Jh. Küte f., nd. klνte f. (bei Fontane.) Dazu gehört wohl Kaule, Kule mit I-Erweiterung und Verlust des Dentals. Vielleicht ist gr. fnn f. Geier- nest, Höhle» wurzelverwandt.
2 Kaute, f.(Pl.-n): oben zusammenge- drehter Büschel Flachses. Mitteldeutsch, im 15. Jh. Kawte f., mlat.(entlehnt) cata f. Das Wort stammt wohl aus dem Slawischen, russ. Kudéll«Flachs am Rocken», tschech. kuzel, poln. kadziel«Spinnrockenv.
Kautél, f.(Pl.-en): Vorbehalt, rechtliche Verwahrung bei einem Vergleiche. 1571 bei Roth Cautel, aus lat. cautéla f.«Vorsicht, «Sicherstellung», von lat. caatus«vorsichtig.
Kautiön, f.(Pl.-en): Bürgschaft, Haft- geld. 1532 in der peinl. Gerichtsordn. Karls V § 12 Caution, aus lat. cautio f.«Sicherstel- lungy, eig. Vorsichts, von cautum, dem Supinum von cavére«vorsichtig sein, sich oder einen sicher stellen.
Kautschuk, m. und n.(-S, Pl.-e): Feder- harz, gummi elasticum. Erst im 19. Jh. Aus franz. caoutchouc m. und dies aus Südamerika.
Kauz, m.(-es, Pl.-e): Art kleiner schreien- der Eulen;(bildlich, mit dem Pl. Käuze) selt- sam auffallender Mensch; aufgesteckter Zopf. Neben der ältern schwachen Flexion seit dem 16. Jh. die starke, die heute allein gilt(aber in der 2. Bed. noch bei Maler Müller 1, 340 und Goethe 9, 102 der schwachbiegende Akk.
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