Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
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1009-1010
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kauen 1010

Burkhard Waldis 4, 62; Katz aushalten(Les- sing Minna 3, 10), die Katze halten(H. Sachs 17, 207): in einer peinlichen Lage aushalten. Herkunft unbekannt. Die Katze im Saclce kaufen: etwas unbesehens kaufen. 1741 bei Frisch. ZUS. katzenäugig, adj.: grünlich- grau, 1537 bei Dasypodius. Katzenbuckel, m., bildlich von demütigen schmeichlerischen Verbeugungen, bei Lessing Minnal, 3. Katzen- gold, n.: goldglänzender Glimmer(1546 bei G. Agricola 473); ausfließendes goldgelbes Kirschharz(im 15. Jh. kaczen golt bei Diefen- bach gloss. 263°, clev. 1477 cattengolt, schon in den altmd. Glossen zu Heinrici summarium 9, 22 kazzengolt), urspr. Bed.«falsches Gold. Katzenjammer, m., Geheul der Katzen zur Laufrzeit; bildlich UÜbelbefinden nach Lust- barkeit(bei Kluge Studentensprache 98 vom J. 1768). RHatzenkopf, m., übertragen Dummkopf(Lessing 1, 393); Ohrfeige; ein kleines kurzes Geschütz, Böller(1748 im westphäl. Robinson 240), wie es scheint Uber- tragung von 3Katze. Katzenkraut, n.: die wegen des Geruchs von den Katzen ge- liebte Pflanze nepeta cataria, mhd. im 14. Jh. katzenkrüit n. Katzenmusik, f.: Katzen- geheul(1691 bei Stieler); ohrenzerreißende Musik(Goethe 3, 334), als Verhöhnung(Lenz 1, 215). Vgl. Ladendorf. Katzensilber, n.: silberglänzender Glimmer, 1530 bei G. Agricola Bermannus 134, eig. falsches Silber, vgl. Katzengold. Katzensprung, m., bildlich, kurzer Weg, 1691 bei Stieler. Katzentisch, m.: im Winkel abseits der großen Speise- tafel stehendes Tischchen, 1674 bei Abele künstl. Unordn. 5, 404 Katzentischl n., ähn- lich wie Katzenbãnkxlein(1646 bei Moscherosch Philander 1, 124). An dem Katzentisch sitzen hieß im Klosterleben, wenn der strafver- büßende Mönch im Konvent statt an der Tafel auf der Erde sitzend seine schmale Mahlzeit einnehmen mufßte, wo ihm die Kloster- katzen Gesellschaft leisteten(1749 bei Balth. Schäffer Tanzmeister 18, s. Gr. Wb. 5, 1239).

1kauchen, v.: seinen Körper der Länge nach zusammenziehen, kauern, noch md. In oberd. und md. Mundarten eine Nebenform hauchen, im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 1349, nd. Aken(vgl. hockcen).

²kauchen, v.: hauchen; gepreßt atmen. Mhd. Kůchen, im 16.18. Jh. öfter vorkommend, noch bayr. kauchen, schweiz. chäche. Wohl für hauchen unter Einfluß von mhd. Kichen, s. keuchen.

Weigand. Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

lkaudern, v.: kollern wie der Truthahn (1541 bei Frisius ſcucurio] vom Haushahn chu- teren wie ein Han, wenn er ein Hun decken wil, bei Calepinus Kautern); undeutlich reden, plappern(Schiller 1, 213, vom J. 1782, schwäb. kädern, im 15. Jh. Kaudernetsch f.«Plapper- mädchen, zu schweiz. Netsch f. Plauderin», von netschen«plaudern»). In der urspr. Bed. offenbar tonmalend.

²kaudern, v.: Zwischenhandel, wucheri- schen Kleinhandel treiben. 1775 bei Adelung als oberdeutsch; 1551 in Petrarcas Trost- büchern 522 kaaderer m.«Wucherery. Noch bayrisch-schwäbisch.

kauderwelsch, adj.: durch Fremdartiges unverständlich, verworren. 1521 bei Emser Quadruplica C 1 b œuderwelsch, 1566 bei Mathe- sius Luther 260 Kauderwelsch(aus Luthers Munde), dann 1577 bei Fischart Flöhh. 3111 Kuderwelschn.(von der macaronischen Sprech- weise) und 1572 in Pract. Großm. 11 der Plur. Kuderloelschen(fremdländische, italie- nische Händler, wie sie damals in Süddeutsch- land häufig waren). Schon 1379 in Rain am Lech als Eigenname Berchtold Khauoder- walch(ZfdA. 4, 578). Das Wort ist ent- weder entstellt aus churwelsch mit Anleh- nung an kaudlern(1587 bei Mathesius Dilu- vium 364 b Churwallen wohnen in den Alben, die wir Cauderwelsche nennen), oder der erste Bestandteil gehört zu kaudern?, Kauderwelsch also urspr. die Sprache der fremdländischen Händler(s. welsch).

Kaue, f.(Pl.-n): Hütte der Berg- und Waldleute mit kleinen Löchern statt der Fenster, Schachthäuschen. Im 16. Jh. kazve, kaue, im 15. Jh. auch keue, mhd. und md. kowe, Kouane, nebenbei Köuloe f. Mit ndd. Kaje(s. d.), zurückgehend auf lat. cavea, später noch einmal als Käfig entlehnt).

kauen, v.: mittels der Zühne zermalmen. Aus dem Md., mit schwacher Flexion, die bereits im 16. Jh. die übliche ist; mrhein. im 14. Jh. Käewen, Prät. Küeoedle, als Neben- form mhd. Kouwen, ahd. couön; dazu nädl. 1598 bei Kilian karoen, Kouaven, Kuwen, undl. kaauaben. Aber die urspr. hochd. und noch in wiederkäuen geläufige Form ist käuen (bei Rückert 11, 276, bei Duez 1664 Kduoen, im 16. Jh. Kerwwen), ehedem starkbiegend: mhd. kiuven(Prät. kou, Part. gekouaven), ahd. kiuaoan; dazu ags. cõowan, engl. cheo, anord. ty¹guja, Uᷣga, schwed. tugga, dän. i&νυgge. Urver- wandt mit abg. 2)vati«kauen, wiederkäuen.

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