Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
997-998
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997 Karree

Kartell 998

Karrée, n.(, Pl.-s): Viereck. Aus gleich- bed. franz. carré m., das auf lat. quadrãtum n. zurückgeht, von quadrãre» viereckig macheny. Im 18. Jh. entlehnt(1712 bei Hübner Quarré).

Karréte, f.(Pl.-n): Kleiner leichter Wagen. 1599 im Inventarium Marx Fuggers 285 Car- rette f., aus gleichbed. ital. span. carreta f. mlat. carrecta, von lat. carrus m.(s. Karren). Dagegen schweiz. Kärrete f.«Karrenladung, kleines Fuder», 1561 bei Maaler Karreten, 1310 oberrhein. Xarrethe m. oder n., von mlat. carrata f.«Karrenladung», zu lat. carrus m.

Karriére, f.(Pl.-n): Laufbahn; voller Lauf. Das franz. carriere f., das auf ein mlat. carraria f. Wagenweg, Straße, Bahn? zurückgeht, von carrus m.«Wagenz. 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 u. 12 Carriera, Carriere f. und m. In Osterreich und Bayern auch Carriere.

Karriöl, n.(-s, Pl.-e) und Karriöle, f.(Pl.-n): leichte zweirädrige Halbkutsche. 1714 bei Wächtler Cariole f., 1728 bei Spe- rander Cariol n., 1790 bei Pfeffel poet. Vers. 3, 165 Karriol n. Uber gleichbed. franz. carriole f., aus ital. carriuola f., mlat. car- riola f.«Frauenwagen⸗ neben cayrriolus m. ckleiner Wagen», von lat.-kelt. carras m. (&. Karren). Dazu karriölen, v.: rasch fahren(1780 bei Voß 6, 126 karjolen); davon verschieden karjölen, krajölen, v.: laut schreien, jauchzen, juchheien, norddeutsch (bei Musäus Volksm. 5, 34 Ker öhlen). Vgl. darüber Schröder, Streckformen 125.

Karst, m.(-es, Pl.-e): zweizinkige Hacke. Mhdâ. ahd. karst. Der Plural 1691 bei Stieler und noch mundartlich Kärste, Anfang des 16. Jh. kerst(Michelsen Mainzer Hof 18). Unbekannter Herkunft. Vgl. aber Meringer Idg. Forsch. 17, 120. 4B. karsten, v.: mit dem Karst aufbacken, 1556 bei Frisius 156 2.

Kartätsche, f.(Pl.-n): mit Kugeln usw. gefüllte Kanonenpatrone. 1691 bei Stieler Kartetsche, 1716 bei Ludwig Cartetsche, Kar- tätsche und Kartutsche. Aus ital. cartoccia f.

a«grobes Papier, cartoccio m.«Düte, Flinten- patrone», franz. cartouche f.«Patrone, La- dung, Kartätsches, von ital. carta, lat. charta f. Papier»(s. Karte). 4BL. kartätschen, v.: mit Kartätschen schießen, bei Campe 1808.

Kartauüne, f.(Pl.-n): große, kurze und dicke Kanone. Im 16. Jh. Kartane, Kartone, Karthaun, 1489 bei Liliencron Volksl. 2, 259

kartune, 1502 kartaune(ebd. 2, 479), 1490 bei Klüpfel Urk. d. schwäb. Bundes 1, 82 In der ersten Bed. 1664 ber Duez 1, 113

quarton, mnd. und ndl.(bei Kilian) Kartouoe, aus ital.-mlat. quartana f. Viertelsbüchsey, d. h. Kanone, die 25 Pfund schoß, im Ver- gleiche zu dem größten 100 Pfund schießen- den Belagerungsgeschütze, der Metzickana oder Scharfmetze(Fronsperger Kriegsbuch 1596 2, 31²), deshalb schon im 15. Jh. bei Behaim Wien. 377, 10 virtailpächs.

Kartause, f.(Pl.-n): Mönchskloster des Kartäuserordens. Im 15. Jh.(im Gedanken an hüs Hauss) karthäß f., aber zu Anfang des 15. Jh. chartusey f.(Diefenbach gl. 103), aus mlat. Cartusia, Carthusia(Chartreuse bei Grenoble), wo der Geistliche Bruno von Köln den strengen Orden 1084 stiftete. Davon Kartäüser, m.(-s, Pl. wie Sg.): Mönch dieses Ordens, 1346 oberrhein. karfhüser(Ger- mania 20, 45), md. im 14. Jahrh. Kartüsiére (Jeroschin 1346), im 15. Jh. Kartheuser m. (Tucher Baumeisterb. 137, 7).

Karte, f.(Pl.-n): steifes Papierblatt zum Spiel, zur Kenntnis der Erde oder des Himmels in Zeichnungen, zu Besuch, An- kündigung usw.; Kartenspiel; Steifung des Seidenzeuges. Spätmhd. karte f.«Stück Papier oder Pergament, gemaltes Blatt, Spielkarte, Kartenblatt», wie ital. carta, franz. carte f. aus lat. charta f., gr. xdornc m.«Papierblatt, dünne Pappe»y. 4BL. karten, v.: Karte spielen(1494 bei Brant Narr. 95, 27); bildlich das Spiel lenken, und etw. schlau einrichten (Schiller Picc. 3, 1; 1701 bei Chr. Weise überflüss. Gedank. 400), vgl. abkarten. ZUS. Kartenblatt, n., im 15. Jh. bei Rosenblüt kartenplat Spielkartenblatt. Kartenhaus, n.: Haus aus Spielkarten als Kinderspiel, 1691 bei Stieler. Kartenkönig, m.: einer der vier Könige(urspr. Weltmonarchen) der Spielkarte, 1639 bei Zincgref 1, 391 Charten- König. Kartenleger, m.: Wahrsager aus Spielkarten(im 16. Jh. kartenleger«Spiel- halter», aber schon im 15. Jh. Karten legen aus Karten wahrsagen» Fasnachtsp. 689, 22). Kartenschlägerin, f.: Wahrsagerin aus Spielkarten(Goethe 27, 284). Kartenspiel, n.: vollständige Spielkarte, Mitte des 15. Jh. kartenspil(Städtechron. 4, 325, 25) und mnd. kardenspel(ebd. 7, 392, 9); das Spiel mit der Karte(1482 im Voc. theut. q 1 b Kartenspil).

Kartéll, n.(‧s, Pl.-e): schriftliche Her- ausforderung zum Zweikampf;(schriftlicher) Vertrag(urspr. zwischen Kriegführenden, 1669 bei Grimmelsh. Simpl. 222 Cartel n.).

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