Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
995-996
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995⁵5 Karnöffel

lat. corniæ f.«Krähey verwechselten gr.-lat. coronis, gr. xopuwvic f. kleiner Kranz, Schnörkel als Schlußzeichen des Schreibenden. Karnöffel, Karnüffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Hauptkarte eines beliebten ehe- maligen Kartenspiels von 48 Blättern, sowie dieses selbst. Im 15. und 16. Jh. carnéffel m. Mitte des 15. Jahrh. kKarnôffelin n.(Fichard Frankf. Archiv 3, 293 fg.), 1517 bei Trochus D 3 b satelles der vnderman, qui dedicatus sive insignitus privilegio dicitur ein karnuffel, 1546 im Pasquill Newe Zeitung vom Teüffel A der vnderman ist erstlich cardinal ge- nennel worden, die ainfeltigen aber haben Ijn nit anderst dann carnöffel nennen künden, Cardinal aber ist nach Fronspergers Kriegs- buch(1596) 1, 20 b der Titel des Obersten eines Regiments Landsknechte; der Karnöfyel ist also der Unter mit dem Bilde des Lands- knechts, der in diesem Landsknechtsspiele alle übrigen Karten stach, ausgenommen die cböse Sieben»(s. d.), die teufelsfrei war(da- her Cyriacus Spangenbergs Buch ider die bõse Sieben ins Teuffels Karnöffelspil 1562). Urspr. bedeutet Karnöffel«Hodenbruch oder geschwulsty, S0 1541 bei Frisius 735 b Karnöfel, 1477 clevisch carmuffel, bei Paracelsus(Chirurg. Schriften 1618 S. 454) hernia carnosa, vulgo Karneffel. Vielleicht wegen der Khnlichkeit der Gestalt abgeleitet von franz. cornifle f. (aus vorauszusetzendem mlat. cornifolium oder cornufolium, wie franz. trefle aus lat. trifolium) «das Hornblatt, ceratophyllum, eine Wasser- pflanze, deren Früchte aus langgeschnäbelten Nüssen, unten mit zwei drüsenförmigen- ckern, bestehen). Vgl. aber auch Baist ZidW. 9, 34. 4B L. karnöffeln, kar- nüffeln, v.: das Karnöffelspiel spielen; stoßen, quälen, durchprügeln. In der 1. Bed. im 15. und 16. Jh. karnöfpeln, carnöffeln, noch nd. Karnüffelm(Frommann Ztschr. 3, 551, 32); in der zweiten 1691 bei Stieler Karnijfeln, noch md. und nd., auch bayr.-österr. Karo, n.(-s, Pl. s): Raute, schiefes Vier- eck, bes. auf den französischen Spielkarten. Aus gleichbed. franz. carredu, das von lat. guadrum n. Viereck» abgeleitet ist. Im 19. Jh. Im 18. Jh.«ein viereckiges Stuhlkisseny. Karolin, Karlin, m.(-s, Pl.-s): Gold- stück von 11 Gulden rheinisch oder 18,85 Mk. Augsburgisch 1424 cärlin und 1421 Kärlin m. (Städtechron. 5, 367, 24 und 365, 5) ceine Gold- münze von verschiednem Werten. Von dem mlat. Cärolus, Karlus«Karl»(s. d.), nach

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Karre

dem prägenden Fürsten benannt. 1742 ließ Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz die Goldmünze in dem obigen Werte prägen.

Karoline, Frauenname, von mlat. Cärolus «Karly(s. d.). Gekürzt Lina, Dim. Linchen.

Karösse, f.(Pl.-n): Prachtwagen. 1694 bei Nehring Carosse und Carrosse, 1616 bei Albertinus Narrenhatz(29, 15 Liliencron) Ka- rotze, über franz. carrosse m., aus ital. car- rozza f.«Kutschwagen. Schon mhd. kar- rosche, karrotsche, karrutsche, Karräsche m. f. &Kriegswagen, auf dem das Feldzeichen auf- gerichtet ist», aus gleichbed. ital. carroccio m., mlat. carrocium n., Ableitungen von lat.-kelt. carrus m.(s. Kayren).

Karötte, f.(Pl.-n): Möhre. 1616 bei Henisch Carote, aus gleichbed. franz. carotte f., von gleichbed. ital. lat. curota f., gr. copurrév n.

Karpfen, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Fluß- und Teichfisch Cyprinus carpio. Mhd. karpfe m., md. Karpe und bereits 1470 wie noch jetzt sächs.-thüring. mit angetretnem n Karpen m.(Diefenbach mlat.-hochd.- böhm. Wb. 61), ahd. charpho, carfo, charofo m.; dazu mnd. karpe m., nd. Karpe f.(brem. Wb. 2, 743), auch bei Hagedorn 1, 73 Karpe, schles. 1734 bei Steinbach Karpe, Karpfe f., wetterauisch Kdârbe f., ndl. karper m., anord. karft m.(der Rotfisch, perca norvegica). Zuerst belegt als mlat. urpa f.(im 6. Jh. bei Cassiodor als Donaufisch), später carpus, carpo, carpio m., das Wort ist fast in ganz Europa verbreitet, span. carpa, franz. carpe f., ital. carpione m., rumän. crap; poln.-russ. Karp, czech. kapr, lit. Mãrpa f. und karpis m., kymr. carp, cerpyn. Man vergleicht aind. apharas m., çaphari seine Karpfenarts, lit. Sdρalas«cyprinus dobula», die vielleicht durch Dissimilation ein r verloren ha- ben. Dann muß das german. Wort entlehnt sein. Auch gr. kunpivoc m.«Karpfenart» klingt an.

HKarre, f.(Pl.-n) und Karren, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein- und zweirädriges Fuhr- werk. Mhd. Karre, garre m., selten karre f., md. auch karren m.(Meister Eckhart 414, 31), ahd. carra, garra f. und carro, garro m.; dazu mnd. Kare f., mndl. karre f., anord. kerra f., engl. car. Aus lat.-kelt. carrus m. Trans- portwagen», mlat. carra f., kymr. cãr, bre- tonisch kayr, gälisch carr. Vgl. Kurch. 4L. karren, v.: den Karren fahren oder schieben, 1494 bei Brant Narrensch. 40, 6 karrhen. Kärrner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Karrenfuhr- mann, Karrenzieher, Karrenschieber, im 15. Jh. kerner, dafür mhd. karrer m. Vgl. Kärcher.