983 Kantor
Kapelle 984
Militärpflichtiger. 1813 bei Campe. RA. Un- sichrer Kantonist. unzuverlässiger Mensch; eig. unsichrer Militärpflichtiger.
Kantor, m.(-S, Pl.-en): Sangmeister in der Kirche und Schule; Volksschullehrer. 1571 bei Rot Cantor, von lat. cantor m. «Sänger», im Mlat.«Kirchensänger». Davon Kantorät, n.(-s, Pl.-e): Amt des Kantors, aus gleichbed. mlat. cantorates m.
Käntschu, m.(-s, Pl.-e): aus Riemen geflochtne kurze dicke Peitsche. Ende des 18. Jh. bei Lichtenberg 5, 174 Kantschuh; westpreußisch auch Kantschuk. Aus tschech. kanduch, poln. kanczug m., von türk. kantschy clederne Geißel».
Hanu, in Osterreich Kanoe geschrieben, n.(Spr. kans, Gen.-s, Pl.-s): Baumkahn der amerikanischen Wilden. 1710 bei Nehring Canot, Canoe, 1720 im Robinson 1, 325 Canoe m., aus gleichbed. franz. canot m., engl. canoe, die wie span. port.-ital. canoa f. dem karaibi- schen candäoa entlehnt sind, woher schon 1567 bei Ulr. Schmidel cannao 38, 11, cannano 47, 8, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1749 Canoa m.
Känzel, f.(Pl.-n): Predigtstuhl; Lehr- stuhl; etwas der Kanzel ähnliches, z. B. bei dem Anstand der Jäger. Mhd. kanzel, ahd. chãncella f., aus lat. cancellus m., Pl. cancelli «Gitter, umgitterter Raumpy, kirchlich-mlat. «der vom Schiffe der Kirche durch ein Gitter getrennte Raum des Allerheiligsten, wo der Hochaltar und die Sitze für die Geistlich- keit waren», auch«Söller, Balkon. 4B1. kanzeln, v.: jem. von der Kanael herab eine Strafpredigt halten, 1778 bei Hermes Soph. Reise 6, 339, s. abkanzeln. ZUS. Kanzel- sprung, m.: das kirchliche Aufgebot Ver- lobter von der Kanzel herab(gern im Scherze), 1776 bei Voß Id. 6, 104.
Kanzléi, f.(Pl.-en): Ausfertigungsstube einer Behörde. Mhd. kanzelie, im 15. Jh. kanzli f., eig.«der mit Schranken umgebne Ort, wo sich die Mitglieder eines Gerichtes, einer Behörde zur Ausfertigung gerichtlicher Angelegenheiten versammeln», von lat. cancelli (s. Kanzel). ZU0S. Kanzleistil, m.: die in Kanzleien übliche Ausdrucksweise(1678 bei Krämer Cantzley=-Stilus), insbes. die von der obersächs. Mundart ausgehende seit dem 15. Jh. in den Kanzleien der hoch- wie niederdeutsch. Fürsten angewendete Schriftsprache, auch Kanaleideutsch n.(1541 bei Franck Sprichw. 2, 12² unser cantzley teutsch).
Kanzler, m.(-s, Pl. wie Sg.): Vorge-
setzter einer Kanzlei, hoher Würdenträger zur Ausfertigung öffentlicher Urkunden, urspr. des Königs oder Kaisers. Bei Luther Cantzeler, mhd. Kanzelcre, kanzeler, ahd. cancelläri, kan- zelãri m., aus späterlat. cancellarius m.«Kanz- leivorstehers, von lat. candelli(S. Kanzel).
Kanzlist, m.(-en, Pl.-en): Kanalei- schreiber, 1678 bei Krämer Cantzlist, Cantzel- list, aus spätmlat. cancellista m.
Kanzöne, f.(Pl.-n): lyrische Dichtart provenzalischen Ursprungs, bei den Italienern ausgebildet. Ende des 16. Jahrh.(1608 bei Gödeke Grundr.* 2, 71 Canzon) entlehnt aus ital. canzone m. Lied, von lat. cantio f. cGe- sang, Lied», zu lat. canere«singen».
Kap, n.(-s, Pl.-e u.-s): Vorgebirge. Im 16. Jh. ndl. cape, Kape(bei Kilian 1598), daraus 1616 bei Henisch Cape, mit franz. cap m. aus ital. capo m., von lat. caput n. Kopf, Haupt».
kapäbel, adj.: fühig, tüchtig, vermögend wozu. 1617 bei Wallhausen Corpus militare 149 capabel, aus gleichbed. franz. capable, mlat. capabilis, von lat. capere cfangen, fassenꝰ.
Kapäun, m.(-s, Pl.-e): verschnittner Hahn. Mhd. kappün m.(auch«Kastrat), im 14. Jh. cappaun; dazu mndl. cappoen, ags. capin m., engl. capon, wie franz. chapon, ital. cappone m. aus gleichbed. gr.-lat. cãpo (Gen. cρο s), gr. dnu- m., aus dessen lat. Nebenform cãpuas m. die im Mhd. üblichere schwachflekt. Form kappe, ahd. cappo m. «Hahn, Kapauns, sich bildete. Mit Anlehnung an Hahn schon mhd. kaphan m., bei Luther Caphan, bei Lessing 1, 54 Kapphalmn. 4 B L. kapäunen, v.: zum Kapaun machen, mhd. kappen und im 14. Jh. kappaunen.
Kapazität, f.(Pl.-en): Aufnahmefdähig- keit, Tüchtigkeit; besonders begabter Mensch. Unter Einwirkung von frz. gleichbed. capacité f. aus lat. capacitas f., von capaæ afassend. Im 18. Jh., aber erst durch St. Simon zum Schlagwort geworden. Vgl. Ladendorf.
1Kapélle, f.(Pl.-n): kleiner Schmelz- tiegel, Schmelzschale. 1616 bei Henisch Capelle. Hervorgegangen aus einer Vermi- schung von mlat. capella, franz. chapelle f. «Helm eines Destillierkolbens», und franz. coupelle, ital. coppella f.«Probiertiegel», aus lat. cupella f.«kleines Gefäß, Fäßchen», Ver- kleinerungsform von lat. cũpa f.«Küpe, Kufe⸗ (s. d.). RA. Etewas auf die Kapelle bringen: ces streng prüfen»(bei Lessing 8, 48); etuv. auf die Capelle setzen(1694 bei Nehring).


