977 Kandel
Kanker 978
2²Kandel, auch Kannel, f.(Pl.-/): Rinne, Dachrinne. Mhd. Kanel, Kenel, Kandel, Kaner, Kener m. Rinne, Röhre⸗, ahd. chänali m. aus lat. canãlis, s. Kanal.
Kandeläber, m.(-s, Pl. wie Sg.): hoher Armleuchter. Bei Campe 1813 Candelaber. Aus franz. candélabre m.«Armleuchter, großer Kronleuchter, von lat. candélãbrum n. Leuch- ter, zu lat. candéla f.«Kerze».
kandeln, v.: rinnen wie aus einer Röhre oder Rinne. Bei Maler Müller 1, 304 aus der rheinpfälz. Volkssprache, 1540 bei Alberus kenneln«tröpfeln wie der Regen aus der Dach- rinnes, so noch rhein. neben kändeln ceine Rinne bilden, s. ² Kandel.
Kandelzucker, m.(-s): gereinigter, kri- stallisierter Zucker. 1664 bei Duez Kandel- zucker, Kandizucker, Zuckerkandi, 1575 bei Fischart Garg. 298 Zuckerkandel, nach mlat. succul-, succercandi und bloß candi(Diefenb. Gl. 564²), franz. sucre candi oder bloß candi m., ital. candi m., von arab.-pers. gand, gandid «verdickter Zuckerrohrsaft, Kandiszuckery, aind. Khanda- m. n.«Stück, Zucker in kri- stallartigen Stücken.
Kandidät, m.(-en, Pl.-en):(geprüfter) Amtsbewerber. 1663 bei Schuppius 467 Candi- dat, aus lat. candidätus«Weißgekleideter, denn wer sich im alten Rom um ein Amt bewarb, erschien im weißen Oberkleide, der koga candida(das lat. Adj. candidas«weib).
kandieren, v.: überzuckern; zu Kristall sich ansetzen. 1678 bei Krämer kandiren amit Zucker überziehen⸗, aus gleichbed. franz. candir(auch refl.«sich kristallisieren), ital. candire, von arab.-pers. qand, s. Kandelzucker.
Kandis, m.: kristallisierter Zucker, siehe Kandelzucker. Bei Campe 1813 Candiszucker.
Kaneel, Kanél,(so in Bayern) m.(-s, Pl.-e): Zimtrinde. Spätmhd. kanél, 1534 bei Seb. Franck Weltb. 2042 Canell, 1425 nd. caneel m.(Diefenbach Gloss. 119), mndl. caneel, ndl. kaneel f., aus franz. gleichbed. canelle, mlat. cunella f., von franz. cane, lat. canna f.«Rohr, Schilfy, weil sich die Zimt- rinde rohrartig rollt.
Kanevas(spr. kanewwa), m.(Gen. u. Pl. wie Nom. oder Gen.-vasses, Pl. Kanevasse): gestreiftes Leinen- od. Baumwollenzeug; klein- gegitterte Leinwand. 1646 bei Moscherosch Philander 1, 64 Canafas, 1678 bei Krämer Cannefas, 1715 bei Amaranthes Canevas(aber schon mnd. im 14. Jh. kanives«grobe Lein- wand aus Hanf»), aus franz. canevas, ital.
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
canavaccio m., von mlat. canavacium n.«grobe Leinwands, zu mlat. canaua f.«Hanfy(s. d.). Känguruh, n.(-s, Pl.-s): der große australische Beutelspringhase, 1770 vom Welt- umsegler Cook in Neusüdwales entdeckt und mit dem Namen der Neuholländer für alle Vierfüßler Känguru belegt. 1793 bei Nem- nich Polyglott.-Lex. 1, 1412; 3, 285. Kanfnchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): Erd- höhlenhase. Bei Luther Caninichen, Kani- nichen, md. 1517 bei Trochus H 2 b caninchen, mnd. konineken n., Dim. von md. cangyn, canyne(Diefenbach gl. 162 aus dem 15. Jh.), 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 6, 79 Kanin n., clev. 1477 conyn, mndl. cunin(Diutiska 2, 210 ²° aus dem 14. Jh.), ndl. konijn n., aus afranz. connin, connil, ital. coniglio, span. conejo m., von gleichbed. lat.(urspr. wohl iberischem) cuniculus m.(vgl. Walde); woher auch mhd. kuäneclin, küngel n., Anfang des 15. Jh. chunigel(Diefenbach gl. 162°), 1468 künlin(Diefenbach gl. nov. 124²), 1561 bei Maaler Küngele, Künele, 1537 bei Dasypo- dius 276 d Künelle, Külle, 1539 bei Serranus dict. f3² kõnigle, noch bayr.-östr. Königl, Kõnighase, schweiz. Källhase, erzgebirg. Kuh- hase; im östlichen Mitteldeutschland 1729 bei Picander 2, 231 Canickelgen, 1711 bei Räd- lein Kanickligen, um 1700 bei Chr. Weise (Wackernagels Leseb. 3, 1, 851) Carnickelgen, heute in Norddeutschland Karnickel n. 1Kanker, m.(-, Pl. wie Sg.):(lang- beinige) Spinne; Spinnewebe. In Mittel- deutschland und Westfalen. Md. 1517 bei Trochus H 6 b spinne oder kanlter, im 14. Jh. kanker(Hermann von Fritzlar in Myst. 1, 188, 8). Nicht aus lat. cancer m.«Krebs», sondern germanischen Ursprungs, denn nord- fries. Wunker, in schwed. Mundarten kangro m., norw. kangro, kaͤnglo f., isländ. kõngullo f., anord. kõngurväfa, Köngulväfa f.«Spinne?, ags. gangel-, gongelavœfre, gange-, gongeꝛwifre f. (umgedeutet)«im Gehen webende Spinnes. Zugrunde liegt ein Stamm kang oder kank webeny, wozu auch Kunkcel, der erhalten ist in den entlehnten finnisch kankuri, estnisch kangur, kangro«Weber», finn.-estn. Kkangas Gewebe. ² Kanker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Krebs- schaden an Pflanzen(Wieland, Adelung). Md. cancer m. Krebskrankheity(Köpkes Passional 504, 8), ebenso ahd. cancher, cancur, ags. cancer, engl. cankcer. Entlehnt aus lat. cancer m. Krebs⸗, dann«geschwürartige, 62


