86³ Hilpertsgriff
Himten 864
Hilpertsgriff, m.: hinterlistiger Griff, ränkevolle Handlung(Iieck 15, 316). Noch koburgisch. 1562 bei Mathesius Sar. 2182 Hilpersgriff, verkürzt aus Hildebrandsgrif; (1646 bei Philander 3, 242), in der 1. Hälfte des 16. Jh. Hiltprantsgriff(Frommann Zeitschr. 2, 21), mit Bezug auf das jüngre Hildebrands- lied aus dem 15. Jh. Str. 12(Uhland Volksl. 333): Er erwischt in bei der mitte da er am Schoechsten awas, er schwang in hinder- rucke ο i das grine gras.
Himbeere, f.(Pl.-n): die rote Beere des rubus idaeus. 1546 bei Bock 2, 12 b Hymbeer f., 1578 bei Frischlin Nom. Kap. 22 Himbeerstaud und 1616 bei Henisch Himbeer, Hinnbeer, hervorgegangen aus Hindbeer f. (noch im 17. und 18. Jh.), mhd. hindbere n., ahd. hintperi n., d. h.«Beere, die die Hinde (s. d.), die Hirschkuh gern frißt; dazu and. hindberi, ndl. hennebezie, ags. hindberige f., nordengl. hindberrg, dän. hindbär, himbüär. Noch in Ostpreußen Hindbeere(auch Ins- beere, wohl aus Hindsbeere), in Thüringen und Obersachsen Hingbeere(bei Adelung Hünkheere). Dagegen 1482 im Voc. theut. o 7à hynper Wachholder.
Himmel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die blaue Wölbung über der Erde; Sitz der Seligen; Baldachin, Tragehimmel(mhd.). Bei Luther Himel, mhd. himel, md. auch hiemel, ahd. bhimil m.; dazu asächs. himil, afries. himul, himel, anord. himill m., schwed. und dän. himmel, mit l aus n, wie Esel, Kümmel, und daher hierher got. himins m., anord. himinn m. Daneben Formen mit d oder f, das in den obliquen Kasus vor u lautgesetzlich aus m entstand: anord. Dat. Pl. nifnom neben him- naε, Akk. Pl. hifna neben himna, in Zussetz. hifnakonungr m.«Himmelskönigy neben him- nakonungr, ferner asächs. heban, hevan m. Himmel», mnd. heven m. der physische Himmel» im Unterschied von hemmel m. in religiöser Beziehung, ags. heofon m. und heo- fone f., engl. heaven. Die Etymologie ist ganz unsicher. Besondre Beziehung zu gr. KHleXEOpov n. Stubendeckey besteht nicht, da lerst im Germ. entstanden ist. Andre nehmen Deckey als Grundbedeutung an(Waz. ham cbedecken?, s. Hemd, wie lit. dangus m. Himmely zu dengiu decke». Vgl. unten himilizi). Kluge verbindet H. mit heim, was unwahrscheinlich ist. Schließlich könnte man H. auch mit aind. agmäã m. Fels, Stein» vergleichen(vgl. Hammer), das auch die Be-
deutung Himmel» hat, ebenso awest. asan-, asman- m. Vgl. noch Walde s. camur. Für «Baldachin, Zeltdecken hat das Ahd. die Weiterbildung himilizi n., mhd. himelze n.
cBaldachin, Zimmerdecke», mnd. hemelte n. «Zimmerdecke, Gewölbe», ndl. hemelte, ghe-
hemelte xgewõlbte Decke des Munds, Gaumer, noch schweiz. Himmleze f.«gewölbte Decke, Betthimmel», früher auch«Gaumen», wie 1616
bei Henisch 1375, 13 Himmel im Mund. RA.
im siebenten Himmel sein, von den 7 Planeten-
himmeln der jüdischen Vorstellung herge-
nommen. Erst im 19. Jh. nachzuweisen. 4 L.
himmeln, v.: zum Himmel streben(Goethe
Pandora 182, schon 1671 bei Otho Krankentrost 1265); in den Himmel fahren, sterben(1662 bei Lehmann Flor. 1, 851, noch oberd. und in nd. Mundarten); verklärt aussehen(1804 bei
Bentzel-Sternau Das goldne Kalb 3, 81 als neues Wort). Mhd. himelen«in den Himmel
aufnehmen». himmlisch, adj., mhd. hime- lisch, himelsch, ahd. und asächs. himilisk, afries. himulisk, himelesk, ags. heofonisc; im
Adv. ahd. himeliswo. Z07S. himmelan, adv.,
1663 bei Schottel 523. Himmelbett, n., 1711 bei Rädlein, dagegen schon um 1480
im Voc. inc. teut. l6 b himel ob einem bet.
himmelblau, adj., mhd. himelblä. Himmel-
fahrt, f., mhd. himelvart, ahd. himilfart f. himmelhoch, adj., 1645 bei Zesen adriat.
Rosemund 17. Himmelreich, n., mhd. himelriche, ahd. himilrihhi n.; dazu asächs. himilriki, afries. himul-, himelrik, anord. himinrici(daneben himna-, hifnaraiki), ags. heofonrice n. Himmelschlüssel, m., mhd. himelsluüzzel m.(auch Schlüsselblume, primula veris), ahd. himilsluzzil m. himmelschrei- end, part. Adj., 1691 bei Stieler(beruht auf 1. Mos. 4, 10). Himmelskugel, f.: Globus, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 305 b von 1631 und bei Schottel 1663 S. 435. Himmels- leiter, f., mhd. himelleiter f. himmel- weit, adj., bei Opitz 1, 2; bildlich himmel- weiter Unterschied 1775 bei Adelung. Himten, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein Maß für Getreide usw., etwa 4 Metzen. Noch ndd. und ostmitteld. aus dem Ndd. Md. hemmete(Germ. 20, 43), 1517 bei Trochus C3 /b hempte cheminay, 1594 bei H. J. v. Braun- schweig 458 Himpten m., mnd. hemete m., nnd. hempte, hempe, himpe, 1741 bei Frisch als obersächs. Heimbzen m. und thüring. He- mitze, md. schon 1272 heymetze, sowie in Zeitzer Urkunden des 15. u. 16. Jh. heimbzen,


