Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
859-860
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859 heucheln

Hexe 860

stei f. Zu ahd. scricchan«aufspringen, in die Höhe springen»(s. Schreck).

heucheln, v.: sich anders, insbes. besser stellen, als man ist. Bei Luther aus der md. Mundart(z. B. 1, 410 b vom J. 1521)

und durch ihn in die hochd. Schriftsprache

eingeführt(1520 bei Liliencron Volksl. 3, 352), auch seit dem 16. Jh. nd. huchelen, ndl. hal- chelen. Iterativbildung von älternhd. hauchen «sich ducken, bücken»(bei H. Sachs), mhd. Qüchen«kauern, sich ducken», also vom Be- griff des demütigen Bückens und Schöntuns ausgehend. Khnlich got. liuta m. Heuchlerꝰ, zu ags. lätan«sich neigen, sich bücken, vor jem. niederfallen, lot n.«Betrug», anord. lta«sich niederbeugen». Anders Franck und Schroeder Btr. 29, 556. 4BL. Heu- chelei, f., bei Luther. Heuchler, m., bei Luther, seit dem 16. Jh. mnd. haucheler, hugeler, ndl. huichelaar; heuchlerisch, adj., 1558 bei Franck Paradoxa 282 a, neben heuchelisch bei Luther 1, 410 b, heuchlisch 5, 206 b.

heuer, adv.: in diesem Jahre. Mhd. hiure, hiwer, hiuwer, md. hüre, ahd. hiuro aus hiuru d. i. hiu Järu, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, dessen Reste in got. himma daga, hina dag(s. heint, heute) vorliegen, und dem ahd. Subst. Jãr n.«Jahr. Davon heurig, adj.: diesjährig, mhd. 1294 hiurig, im 12. Jh. hürec(Windb. Psalmen 235).

Heuer, f.(Pl.-n): Miete, Pacht. Nord- deutsch, 1697 bei Ettner unwürd. Doktor 404 Heuer, vereinzelt im 17. Jh. Haur. Mnd. und mndl. hure f., nnd. hür, nndl. htur f., dazu ags. hꝗr f., engl. hire, schwed. hyra f., dän. hyre(Monatslohn der Schiffsleute). Von heuern, v.: mieten, pachten,(seemännisch) einen Matrosen anwerben, mnd.-mndl. huren, nnd. hären, afries. héõra«pachten, ags. hyrian,

engl. hire«dingen, mieten», auch spätmhd. hüren«Pferd oder Wagen mieten»(s. haudern). Unbekannter Herkunft. Vielleicht zu gr. xoperv, xupetv cauf etwas stoßen». Vgl. noch keiraten. 4B. Heuerling, m.: Mietling, Mietsmann, 1741 bei Frisch Heurling, mud. Buürlink, nnd. hürling, ndl. huurling m. Mietling», ags. nyrling m. Tagelöhner, Lohnarbeiters. lieulen, v.: kläglich schreien, widerlich schallende tiefe Klagelaute ausstoßen. Mhd. hiuaeln, hiulen, 1420 hewlen(Schröer Voc. 3200), md. und mnd. hãlen cheulen, schreien?, ahd. hiꝛwilön, hiulön jubiliereny». Verwandt mit ahd. hiuzwela, häebela f.«Nachteule»(s. Eule). Weiter dazu gr. koxéeiv«Klagen,

schreien, heulenꝰ, aind. Kυιt α˖schreit. 4L. Heuler, m., 1691 bei Stieler; davon Heu- lerei, f.

Heune, s. Hüne.

heunt, s. heint.

Heumonat, Heuschrecke usw., s. Heu.

heute, verkürzt heut, adv.: an diesem Tage; dieser Zeit. Mhd. hiute, md. häte, ahd. hiutet, hiuto, gekürzt und verschmolzen aus hiu taga, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, das im Got. erhalten ist (s. heint), und dem Subst. ahd. tac«Tagy, also gebildet wie das gleichbed. lat. hödie aus hoc die. Entsprechend asächs. Riudlu,

niudiga, and. hôdigò, mnd. hudene, huden, hude

und hodegen, afries. êhiudega, hioda, ags. hõodog, aber got. im Dativ himma daga cheutes. 4B2L. heutig, adj., mhd. hiutec, ahd. hiutig, dafür mnd. hadelilk, in der Genitivlormel heutiges Tages, bei Luther(Richt. 15, 19) heutes tags, ahd. hialiges desses tages.

Hexäãämeter, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Sechsfüßler, der Vers des Heldengedichtes der alten Griechen und Römer. Aus lat. versus hecameter, von gr.& sechs» und uérpov n. Maßy, also«sechs Maße habend». Wohl erst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. ver- wendet.

Hexe, f.(Pl.-n): böse Zauberin. Im 16. Jh. bei Dasypodius Hägß, Häx, bei Fri- sius 1541 Hägx, bei Fischart Garg. Hechse, bei Hulsius Dict. 305 b Hext, mhd. hecse, hexse, hegæse, häxe, auch hesse, unverkürzt hegecisse(Wiener Jahrbb., Anzeigeblatt Nr. 41 S. 21 b), ahd. häzus, hüzis, häzissa, unverkürzt

hagaissa, hagazussa f., daneben hezesusa; dazu

mndl. haghetisse, haghetesse(auch«Eidechse»), nndl. he;s, ags. hœε‿tesse, hœgtis f., engl. hag. Weigand nahm Ableitung von ahd. hag m. Einfriedigung» an, entsprechend ahd. zunrite f.«Hexe», anord. Iünridar Pl.«auf dem Zaun reitende Gespenster». Aber dabei kommt der zweite Teil nicht zu seinem Recht. Eher ist an eine-es-Ableitung von einem Stamm hagat- zu denken, wie Niae, auch ahd. zakarra «meretrixy, und dieses hagat- vielleicht zu gr. xrxdxeiv«schmäheny. Vgl. die eingehenden Erörterungen von J. Franck bei Hansen Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns 1901 S. 614 70(Idg. Forsch. Anz. 15, 100). 4BL. hexen, v., 1525 bei Eckstein Concilium(Kloster 8, 734) hägsen, dazu afries. heæna, hoæna«behexen». Hexerei, f., 1517 bei Keisersberg Emeis 3²a hexerey.