8⁵⁵ herrühren
spätmhd. herlicheit f. Herrschaft, f., mhd. hérschaft, ahd. hérscaft, hérscaf f. Herren- würde, Herrenmacht, Hoheit, Herrlichkeit, Herrenbesitz, oberherrliches Gebiet, Herr und Frau gegenüber der Dienerschaft⸗; dazu and. hérskepi n.«Herrschaft⸗, urspr. abgeleitet von hehr(s. d.), später als Ableitung von Herr umgebildet bei Luther Herrschafft; davon herrschaftlich, adj., 1691 bei stieler. herrschen, v.: Herrenmacht, Obergewalt haben, mhd. im 13. Jh. hérschen, md. im 14. Jh. hérschin, im Voc. ex quo 1469 her- schen, gewöhnlich mhd. héersen, hersen, ahd. hérison, von hehr(s. d.) abgeleitet, aber im
Gedanken an Herr bereits ahd. hẽrreson, bei
Luther herrschen. Davon Herrscher, m., bei Luther, mhd. im 13. Jh. hérscher, dann herscher, ahd. hérisari m.; Herrscherin, f., 1691 bei Stieler; Herrschsucht, f., bei Ludwig 1716 und Thomasius Einl. 203. ZUO8. Herrgott, m., mhd. hérregot, 1402 herrgot m.; Herrgottskäfer, m.: der Blattlaus- käfer coccinella, 1664 bei Duez Herrgotts- kühlein, Herrgottsthierlein.
herrühren, v.: von etw. seinen Ursprung haben, 1642 bei Duez, spätmhd. rüeren.
herstellen, v.: in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen, 1741 bei Frisch, gekürzt aus wiederherstellen.
herüber, herum, herunter, hervor, s. her.
Herz, n.(ens, Pl.-en): aufnehmendes und ausströmendes Blutgehäuse der Brust;
in der Spielkarte das franz. coeur(1578 bei
Frischlin Nom. cap. 177 Hertz); das In- nerste, der Mittelpunkt von etwas(1534 bei Franck Weltb. 165a, md. im 14. Jh. der Butzen am Apfel des Zedernbaums); bild- lich als Sitz der Seele, Empfindungsvermögen usw.(schon mhd.-ahd.). Mhd. herze, ahd. herza n.; dazu asächs. herta n., mnd. herte,
nd. ndl. hart n., afries. herte, hirte f., ags.
heorte f., engl. heart, anord. Hjarta n., schwed.
Wjerta, dän. Merte, got. haërto n. Verwandt
mit gleichbedeut. lat. cor n.(Gen. cordis),
gr. kopdic f. und np n., abg. sridice n., lit. sirdas f., air. cride, armen. sirt; awest. zorod-, zorodaja- n., aind. hyd, hydajam n. zeigen
andern Anlaut und sind daher von Herz zu trennen. Der Nom. Sg. unverkürzt Herze noch bei Lessing 2, 293, Goethe 1, 173, Rückert, Heine; der Gen. Sg. wie mhd. bei Luther, Fleming, Logau usw. Herzen, spätmhd. im 15. Jahrh. hertzens, wie 1722 bei Freyer
Her⸗ 856 Herzens neben Herzen; der Dat. Sg. bis- weilen starkflekt., bei Lessing 6, 321 Herze, wie schon mhd.; ebenso der Nom. Pl. mhd. neben herzen zuweilen herze, im 16. Jh. herzer (Zimm. Chron. ² 1, 418, 38). 4BL. Herz- chen, n.: Liebchen, 1594 bei H. J. von Braunschweig 426. herzen, v.: liebkosen, 1470 bei Diefenbach gl. 31 b herczen, anders mhd. herzen«mit einem Herzen versehen». herzhaft, adj., mhd. herzehaft«beherzts, dann«besonnen, verständigs; Herzhaftig- keit, f., 1537 bei Dasypodius. herzig, adj.: anmutend, liebenswert, 1561 im Amadis 1, 295, dagegen mhd. nur in Zussetz. wie steinherzec. herzlich, adj., mhd. herze-, herzenlich neben herzeclich, mnd. hertelil. ZUS. Herzaller- liebste, f., 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 1, 8, 36, als Adj. oft im 16. Jh. Herzblatt, n.: das Zwerchfell als Sitz des Lebens, 1711 bei Rädlein; das Innere der Pflanze, 1775 bei Adelung; der mittlere Teil des Kleeblattes, 1660 bei Fleming 641 bildlich; das Edelste, Liebste, 1775 bei Adelung. Als Pflanzen- name schon mhd. herzeblat. Herzblut, n., mhd. Herzebluot n. herzbrechend, part. Adj., Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 280, bereits mhd. herze-, herzhrechen n. cdas Herzbrechen, der Tod». Herzeleid, n., mhd. kerze-, herzenleit n., daneben herzeleide f., mnd. herte-, hertenlét n. Herzenslust, f., bei Luther 1. Thess. 2, 8 Hertzenlust. Herz- gespann, n.(-s): Magenkrampf, den man sich als Spannung der das Herz umgebenden Haut dachte, 1519 bei Luther Kommentar zum Galaterbrief Heragespan, mhd. herzspan n.; dann die Pflanze leonurus cardiaca, gegen den Magenkrampf angewandt, im 14. Jh. hertzgespann bei Diefenbach gl. 6393, um 1480 im Voc. inc. teut. I5 b hertzenspan, mnd. hertespan. Herzgrube, f., 1537 bei Dasy- podius Hertzgrübel n. herzinnig, adj., 1659 bei Butschky Kanzl. 2. Herzkammer, f., 1741 bei Frisch. herzlieb, adj., mhd. herze- liep, mnd. herteléf. herzlos, adj., mhd. herzelös. herzschlächtig, adj.: herzkrank, bes. von Pferden, deren sichtbares Flanken- schlagen(Bauchatmen) in der Herzgegend als Herzschlag angenommen wird(spätmhd. im 15. Jh. herzslechtig, 1394 hercz-, hereczens- slechtic bei Diefenbach gl. 346); kurzatmig, engbrüstig(md. im 14. Jh. herslähtig). Aus gleichbed. nd. hartslechtig,«am hartslach leidend»(mnd. hertslach m., von nd. hart, hert eHerz) schon in den Brünner Stadt-


