Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
833-834
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833 Heide

nachdem unter Konstantin d. Gr. und seinen Nachfolgern das Christentum römische Staats- religion geworden und die altväterliche Götter- verehrung aus den Städten auf das Land zurückgedrängt worden war. Daher zunächst got. haipnò f.«Heidiny, zu got. haipi f.«un- bestelltes Feldy, haipitbiskes«wildy, und wohl durch den Einfluß des Christentums der Goten auf die übrigen Germanen übertragen. W. Schulze dagegen Sitz.-Ber. d. Berl. Ak. 1905, 726 ff. hält got. haipno(spr. hé5) für entlehnt aus gr. EGvoc, dialektisch éévoc«Volk». Dann kann Heide nicht aus dem Gotischen stammen. Aus lat. pãgãnus m. Heides entlehnt gleichbed. ital.-span. pagano, franz. paien, rumän. pãgan, abg.-russ. pogani m. 43L. Heidin, f.(Pl. -nen), mhd. heideninne, heidenin, heidenin f. heidnisch, adj., mhd. heidenisch«saraze- nisch⸗, ahd. heidanisc«nichtchristlichy», mnd. heidensch. Heidentum, n., mhd. heiden- tuom m., ahd. heidantuom m. n.«unchrist- liches Wesen», ags. hädendom m.

2 Heide, f.(Pl.-n): waldlose wildgrünende Ebene. Mhd. im 12. Jh. heide f.(ahd. heida kommt nur als Pflanzenname vor, s. Heide); dazu mnd. hede, heide, ndl. heide, ags. f., engl. heath, anord. heidr f., schwed. hed m., dän. hede, got. haipi f. cunbestelltes Feldy. Urverwandt mit gall.-cétum, kymr. coit«Waldꝰ, lat.-cetum in bäcétum n.«Kuh- trifty. S. Heide 3. ZUS. Heide(n)lerche, f.: auf der Heide und deren Bäumen lebende Lerche, 1557 bei Heußlin Vogelb. 170 Heid- lerch f. Heiderauch, s. Herauch. Heid- schnucke, f.: kleine Art Schaf, bes. in der Lüneburger Heide, 1775 bei Adelung, Heide- schnacke f. 1731 bei Zinck ökon. Lex. 2134. S. Schnuelkce.

3 Heide, f.(Pl.-n): der auf Heiden wachsende kleine Strauch erica, Heidekraut. Mhd. heide, ahd. heida f.; dazu ndl. heide, ags. f., eins mit dem vorhergeh. Worte (s. 2 Heide), dessen Bed. auf die im Heide- land hauptsächlich wachsende Pflanze über- tragen ist. ZUS. Heidekraut, n., spätmhd. heidelor it.

Heidekorn, n.(-S, Pl.-e): der Buch- weizen(s. d.). 1604 bei Colerus 3, 130 Heide- korn, 1409 heidenkorn n. bei Mone Ztsehr. 3, 408, dafür 1449 heiden m.(Städtechron. 2, 319, 27), 1530 bei Peypus Heydel(Diefenb. gl. 409 b), 1517 bei Trochus K 52 heidelkorn, noch süddeutsch Heiden und Heidel m., weil die Pflanze und ihre Frucht aus heidnischen,

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

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mohammedanischen Ländern(Griechenland und Asien) nach Deutschland kam, s. 1Heide. Damit stimmen überein die gleichbed. Be- nennungen: Tater- oder Tatelkorn n., d. h. von den Tataren bezognes Korn, böhm.- poln. und ungar. tatarka f.; in Preußen und den russischen Ostseeprovinzen Grichen m. und Grick f., 1785 bei Hennig preuß. Wb. Grücken, aus lit. grikas m., poln. gryka f., eig. «griechisches Korn»; böhm.-poln. pohanka f., von pohan, pohaniec m. der Heide»; franz. blé sarrasin m., früher bled turchigue.

Heidelbeere, f.(Pl.-n): die schwarz- blaue Beere des Vaccinium myrtillus. Mhd. heit-, heidelber n. f., ahd. heitperi n., d. i. «die auf der Heide wachsende Beere».

Heidelerche, Heidschnucke, s.*Heide.

heidi! Ausruf der Lust; aber auch cauf und davon, im Umsehen verloren?, 1782 bei G. Müller Siegfr. v. Lindenberg 4, 204 heidi gehn.

Heiduck, m.(-en, Pl.-en): großer Diener in ungarischer Tracht(im 18. Jh. vom Wiener Hof aus, 1703 im Zt. Lex., 1757 bei Rabener Sat. 4, 41), urspr. in Ungarn heimischer Volks- stamm, der in seiner Nationaltracht seit dem 16. Jh. am ungarischen und polnischen Königs- hofe Kriegsdienste leistete(Kiechel Reisen 100 Heuduck, Fischart Großm. 72 Heyduckc). Eben- sowohl vorn wie hinten betont. Von halclük, dem Plur. des ungar. hajdu Infanterist, später Gerichtsfron, Trabanty.

heikel, adj.: ekel, an Geschmack schwer zu befriedigend, kleinlich wählerisch; mit Sorgfalt, Zärtlichkeit, Schwierigkeit zu be- handeln, bedenklich. Im 16. Jh. bei Johs. Nas Warnungsengel 102 heikel«empfindlich, kleinlich besorgt», 1618 bei Schönsleder haickel, 1663 bei Schuppius 768 haiggel, bei Grimmels- hausen 2, 239, 14 Kell. hechel, Var. häckel, 1691 bei Stieler hekel, schlesisch 1652 bei Scherffer Ged. 19 u. 622 halcel. Oberdeutsch, dafür niederd. ekel(vgl. 1616 bei Henisch Eickel m. für Ekel). Es ist unmöxglich, über das gegenseitige Verbältnis von heitel und ekel ins Klare zu kommen. Davon gleichbed. heiklig, adj., 1670 bei Abele künstl. Un- ordn. 1, 283.

Heil, n.(-s, ohne Pl.), mhd. heil n.«Ge- sundheit, Glück»,(verhüllendauch)«Unglück», dann im Md. Beistand, Hilfen, ahd. heil n. Glücky; dazu and. hél«Vorbedeutung», ags. häl n.«Gesundheit, Glück, günstiges Vor- zeichen, anord. heill n.«Vorzeichen, bes. glückverheißendesy, heill f.«Glück, Heil*.

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