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hagllorn n. 4 BL. hageln, v., mhd. hagelen, mndl. hagglen, daneben älternhd. kiseln, noch md. und oberd. kisseln. Z0S. hageldicht, adj., bei Wieland Ob. 3, 15. Hagelgans, f.: Schneegans, wilde Gans, mhd. hagelgans, ahd. hagilgans f.«Wasserhuhnꝰ, dann(durch Uber- tragung)«Birk., Haselhuhnꝰ(dafür ahd. hasil- gans), endlich«die Schneegans», und zundächst benannt, weil das Wasserhuhn durch Geschrei am Morgen und Auffliegen aus dem Wasser (1557 Heußlin Vogelb. 22 5) oder durch Unter- tauchen(Schiller Tell 1, 1) Gewitter und Regen ankündigt. Hagelschauer, m., mhd. hagelschur, ags. hagolscr m. Hagelschlag, m., spätmhd. im 15. Jh. hagelslach. Hagel- wetter, n., 1678 bei Krämer.
Hagen, m.(-s, Pl. wie Sg.): lebendiger Zaun. Bei Bürger 233, noch niederd.; aber schon mhd. hagen m.«Umfriedigung, Ver- hau, Dornbusch, umfriedigter, umliegter Ort⸗, ahd. hagan m.«Dornstrauch zur Umhegungy; dazu and. hagan m.«Art Dornstrauch», mnd. hagen m.«Hecke, Gebüsch, Einfriedigung zu Schutz und Verteidigung, umhegter Ort», schwed. hägn, dün. hegn, von ahd. hac m. Hag»(s. d.). Vgl. Hain.
hagen, v.: behagen(s. d.). Bei ndd. Schrift- stellern(Göttinger Musenalm. 1779 S. 88); and. hagan(?), mnd. und md. hagen, afries. hagia.
hager, adj.: dürr, mager, schmalleibig. Um 1300 md. hager(Heinrichs Tristan 5110, Altväter Darmstädter Bruchst. Bl. 1⁰), 1618 bei Schönsleder mit Umlaut häger; dazu mengl. hagger, engl. haggard chager». Dafür oberd. rahn(s. d.). Nach Zupitza 104 zu aind. hrgäs cabgemagert, hager, schwäüchlich 9, aw. korasa-«magery. Anders 7Zfd W. 7, 267. 4B1L. Hagerkeit, f., 1691 bei Stieler.
Häger, m.(-s, Pl. wie Sg.): Sandhügel in Strömen, bes. an deren Mündung. 1697 bei Besold Thesaur. 1, 418 Heeger. Nach J. Grimms Vermutung eine Nebenform zu Hõcker.
Hagestolz, m.(es, Pl.-e): unverheiratet Gebliebner. Schon mhd. hagestole(Urkunde von 1284 bei Mone Anz. 3, 16), umgebildet aus mhd. hagestalt, ahd. haga-, hagustalt, haga⸗- stolt m. Junggesell Verbliebner, Diener, in Lohndienst Stehenders»: dazu asächs. haga- stald, hagastold m.«Diener, Mann überhaupt», and.«proselitis, im 16. und 17. Jh. an Hof an- gelehnt nd. hove-, havestolt, ags. hœg⁹̃-, hagu- steald m. unverheiratet Gebliebner, Kriegs-
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dienst Leistender, Kriegery. Ursprünglich Adj.: ahd. hagastalt lip«eheloses Leben», hagastalt man«Lohnarbeitery, ags. hœægsteald ckämpfend», wonach die älteste Bed.«als Diener und zwar unverheiratet und kinder- los auf einem Hag(s. d.), d. i. einem kleinern Grundstück, einem Nebengrundstück seßhaft): der zweite Wortteil gehört zu got. staldan cpesitzen?(s. gestalt). Nach altem deutschen Erbrechte ging das Hauptgut mit der daran haftenden väterlichen Gewalt auf den Erst- gebornen über, während den jüngern Söhnen nur Nebenländer und damit Abhängigkeit von dem Erstgebornen zuteil wurde.
haha! Interj. der Verwunderung und Freude, auch lautes Lachen, mhd. hahãä, im 15. Jh. bei Eyb Plaut. 80, 12 hiha!
Häher, m.(ss, Pl. wie Sg.): ein häßlich schreiender Waldvogel. Bei Luther Heher, 1557 bei Waldis Es. 1, 29 Häher m., mhd.
heher f., ahd. hehara f.; dazu mnnd. heger,
heiger m., ags. higera, higora m.«Häher, Spechty, anord. hegri m.«Reihery. Dazu mit s-Anlaut norw. sk*järe, schwed.-dial. sker, skcür, skärd. Vgl. Falk-Torp. Vielleicht verwandt mit gr. wicca f.«Häher»(aus*Krjο), aind. kikidivig m.«blauer Holzhäher», also laut- malend, oder zu aind. gikharäs aspitzigy. Dann wäre der Häher nach seinem spitzen Kopfschmuck benannt.
Hahn, m.(-es, auch-en, Pl. Hähme, auch Hahnen): Männchen des Hühnergeschlechts; Männchen auch andrer Vögel(Gellert 3, 461); Wetterfahne(1514 bei Keisersberg Schiff d. P. 37); dem Hahnenkopf Xhnliches z. B. am Fasse(1510 bei Keisersberg Seelenpar. 51 Hän m.), an der Wasserleitung(im 15. Jh. bei Tucher Baumeisterb. 168, 4), am Flinten- schlosse(1575 bei Fischart Garg. 286); bild- lich: kühner, kecker Kerl(Murner luth. Narr 2155, Keisersberg Brösamlin 2, 71 b). In der 1. Bed. mhd. han, hane, ahd. hano m.; dazu
asächs. hano, ndl. haan, afries. hona, ags. und got. hana, anord. hani m., schwed.-dän. hane.
Gewöhnlich wird als urspr. Bed.«Singer» (vgl. Otfried 4, 13, 36 ér thaz huan singe cehe der Hahn kräht») angenommen, wie abg. petlu m.«Hahn» von abg. peti«singenꝰ, lit. gaidis m. Hahny von lit. giedôti«singen»; urver- wandt mit lat. canére«singen?, air. canim
cich singen, gr. m-kavéc«Hahn»(bei Hesy-
chius). Doch liegt viel eher ein altes selb- ständiges Wort vor, zu dem auch lat. ciconia f. «Storch» gehört. Die Biegung ist urspr.


