Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
763-764
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763 Graus

greinen 764

²Graus, Grauß, m.(-es, Pl.-e): Sand-, Steinkorn(oberpfälz.): Steinschutt, Geröll, Trümmer(bei Brockes 9, 51, öfter bei Goethe, z. B. Faust 7802 Graus). Mhd. grüz m. «Sand-, Getreidekorny. Gleichen Stammes wie Grieß(s. d.) und Grütze(s. d.) Ver- wandt sind lat. rüdas n. zerbröckeltes Ge- stein, Geröll, Schutty, lit. grädas, lett. gra' uds m.«Kornꝰ, abg. gruda f.«Scholle⸗, lit. gräãdæ'u, grüsti«stampfenv.

grausam, adj.: durch Zufügen von Ubel grauenerregend; roh und gefühllos(bei Luther). Mhd. grüwesam, grüsam, im 15. Jh. grausam«Schrecken erregend». Zusammenges. aus dem Verbum grauen(s. d.) und-sam. Grausamkeit, f., 1537 pei Dasypodius.

Grauwerk, s. grau.

Graveur, m.(-s, Pl.-e): Stempelschneider, Kunststecher. 1712 bei Hübner, aus gleich- bed. franz. graveur m., dafür mhd. grahcere, graber m., 1498 stempfelgraber(Mone Ztschr. 2, 430), in der Zimm. Chron. ² 1, 512, 7 sigel- greber m., ndl. 1598 gravérer m. gravieren, v.: mit dem Grabstichel stechen oder schnei- den. Im 18. Jh. aus franz. graver ceingraben, einprägen», das dem gleichbed. nd.-ndl. graven entlehnt ist, aus dem Französ. hinwieder, ndl. 1598 gravéren.

gravieren, v.: beschweren, zur Last fallen, be-, anschuldigen. Schon mhd. gra- vieren, aus lat. gravãre«beschweren, be- lästigen, drücken?, vom lat. Adj. gravis «schwer, belastety. Dazu auch Gravität, f.: feierlicher Anstand, feierlich-ernstes Wesen, bei Henisch 1616 und Rot 1571 Gravitet, aus lat. gravitas f.«Schwere, würdevoller Ernst, sittliche Würdey. Davon gravitä- tisch, adj.: gewichtig, 1593 bei Helber 183 gravitetisch.

Grazie, f.: Anmut;(Pl.-n) Huldgöttin. In der 1. Bed. 1771 bei Klopstock Od. 157 u. 257, in der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 136 Gratie. Aus gleichbed. lat. grätia f. grazids, adj.: anmutig, holdselig, bei Goethe gracios und graziõs, aus lat. grãtiòsus, franz. gracieuæ; dazu ndl. 1598 gracelick.

Grebe, m.(9n, Pl.-n/): Dorfvorstand, Schulze, s. Grap.

Grebe, f., s. Griebe.

Gregör, Mannsname, aus gr.-lat. Grégorius, gr. Tpnvöpioc, eig.«Wachsamerꝰ, von Tpnfopedy cwachen.

Greif, m.(-es und-en, Pl.-e und-en): fliegender Löwe mit einem Vogelkopfe;

größte Geierart, der Kondor(1775 bei Ade- lung). Mhd. starkflekt. grif und schwachflekt. grife, ahd. grif und grifo m.«der fabelhafte Vogel Greife, überkommen aus gleichbed. gr. Jat. gryps und gruphus, gr. Tpöu(Gen. Tourc) m., woher auch ital. griffo, grifone, span. grifo, franz. grifon, ndl. griffoen, engl. griffin, altir. grif. Nach Reuleaux ist das griechische Fabeltier mit dem Adlerschnabel eine Weiterbildung des assyr. Krub(hebr. kerab), einer Figur am Palast des assyr. Königs Assur-Nasir-pal mit Löwentatzen, Stier- leib, Flügeln und Menschenkopf, die sym- bolisch die vier Sternbilder der Tag- und Nachtgleichen, sowie der Winter-und Sommer- wenden vereinigt(Löwe, Stier, Wassermann und Adler, letzterer an Stelle des nahege- legenen Skorpions).

greifen, v.(Prät. griff, Konj. griffe, Part. gegriſfen): zum Fassen, Halten oder Fühlen zulangen; festhaltend nehmen. Mhd. grifen, im 14. Jh.(1339) greifen, ahd. grifan(Prät. greij, Plur. griffun, Part. grijfan); dazu asächs. gripan, mndl. grijpen, afries. gripa, ags. gripan, engl. gripe, anord. gripa, schwed. gripa, dän. gribe, got. greipan; im Ablaut stehend mit ahd. greifön«greifen, tasten?, ags. gräpian ctasten», anord. greipa«fassen, packen», gripr m.«wertvolles Eigentumy». Urverwandt mit lit. griebiè«ich greife», graibiti«umher- greifeny, also eine i- Wurzel neben der a-Wur- zel grab, s. grapsen. Aus dem Germanischen entlehnt franz. griffer(afranz. grifer)«packen?, gripper cergreifen?, heimlich rasch entwenden, griſfe f.«Klaue, Kralley, lombard. grippa wegschnappen», ital. grifo m. cGreifer, Rüssel». S. Griff. 4L. greifbar, adj., bei Goethe 11, 272.

greinen, v.: den Mund verziehend weinen, bes. auch von Kindern. Im Nhd. schwach- biegend, aber mhd. mit starker Flexion grinen (Prät. grein, Plur. grinen)«den Mund ver- ziehen lachendwie weinend, knurrend(zankend) wie klagendy, im 14. Jh. greinen, ahd. grinan caus Leidenschaft, Unwillen einen Ton von sich geben». Dazu mhd. grinnen«knirschen), grennen«angrinseny, ahd. grennan«muckseny, engl. grin«greinen, groan«grinsen, stöhnen», ags. grãnian«kläglich tun, murrenꝰ, grennian «grinseny. Vgl. gransen, grinsen. Aus dem Ahd. entlehnt prov. grinar«grinsenv, pikard. grigner und ital. digrignare die Zähne flet- schen». 4BL. Greiner, m., spätmhd. 1462 greiner m.«Lünker»(Beheim Wiener 12, 20).