Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
761-762
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761 gratis

Graus 762

gratis, adv.: unentgeltlicn. 1562 bei Mathesius Sar. 256 5, Fischart Garg. 248. Aus gleichbed. lat. grätis.

grätschen, v.: mit auseinander gesperrten Beinen gehen; beim Turnen eine Ubung mit auseinander gesperrten Beinen ausführen. 1678 bei Krämer grätschen, schles. 1640 bei Scherffer Grob. 42 gratschen. Abgeleitet von greten «in weitem Schritte auseinanderspreizen»(bei Luther Hes. 16, 25), md. um 1300 gréten (Germania 6, 275; 20, 40), spätmhd. in der 1. Hälfte des 15. Jh. gräten«schreiten»(Teufels Netz 7669), wohl verwandt mit mhd. griten cdie Beine auseinanderspreizen», griteliche und gritelingen Adv.«mit ausgespreizten Beinen», ahd. bigritu cich schreite dazu, fange any, ahd. gritmäli«Schritty, got. grids f. «Schritt, Stufey, das urverwandt ist mit lat. gradi«schreitenꝰ, gradus m.«Schritt, Stufe?, abg. gredch«ich komme», altir. ingrennim ich verfolge». 4BL. grätscheln, v., 1640 pei Comenius, gretscheln 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, M 22. Grätscher, m., 1775 bei Adelung.

gratulieren, v.: Glück wünschen. Bei Rot 1571 und Kirchhoff Wendunmut 1, 51. Aus gleichbed. lat. gräteläri.

grau, adj.(Komp. grauer, Superl. grauest): mittelfarbig zwischen schwarz und weiß. Alternhd. und 1482 grauo, bei Henisch 1616 grauao, mhd. grã(Gen. grãvves), ahd. grão (flekt. gräwer); dazu and. appul-gré apfel- grau, scheckigy, mnd. grawwe, gra, grau, ndl. graauao, ags. gräg, engl. grey, gray, anord. grär, schwed. gra, dän. graa. Genau ent- spricht lat. rãvus(aus* hrdvus)«grau, grau- gelb, während gr. Xdporoc«strahläugigy, lit. Zeréti«strahlen», abg. zĩreti«glänzen, sehen» wurzelverwandt sind. Vgl. Walde. Substan- tivisch Grau, n., mhd. grã n. 43L. grauen, v., mhd. gräwwen, ahd. gräwén«grau sein oder werden», nhd. nur noch von der Morgen- dämmerung. graulich, adj.: ein wenig grau, 1616 bei Henisch grawclecht und mit Umlaut grãuaolich. ZUS. Graubart, m., 1678 bei Krämer. Grauwerk, n.: das graue Fell des sibirischen Eichhorns, mhd. gräverc und grã n., ndrhein. im 13. Jh. graewerc(Wallraf 30).

Grau, m.(-en): Schauder(Göckingk im Götting. Musenalm. 1777 S. 8), bei Henisch 1616 Grau, bei Luther Grawen(Akk.), mhd. grüave m. Durch UÜbergang des n des Gen. in den Nom. auch Grauen m., verdrängt durch den substant. Infinitiv Grauen n.(1664

bei Duez Grawen, schon mhd. grüwven n.). Gräuel, gräulich, s. Greuel, greulich. Von grauen, v.: tief erregende Furcht haben (Schiller Hero 3), zumeist unpersönlich(mir graut): Widerwillen mit Schauder wovor emp- finden. Mhd. grſuven, md. gräen, ahd. ingrnén. Weiter sind wohl verwandt anord. gruna cbeargwöhnen», grunr m. Ahnung, Verdacht,. Vgl. noch Wiedemann Bezz. Btr. 27, 238. (S. auch Graus.) Davon abgeleitet graueln, v., 1669 im Simplic. 445, graweln 1534 in Dietenbergers Biblia Röm. 2, 22, wo bei Luther greweln, mhd. griuzweln, griulen, md. grüweln, grälen. grauerlich, adj.: Grauen erweckend, bei Herder von deutscher Art u. K. 100, Goethe 33, 95. ZUS. mit Grauen n.: grauenhaft, adj., bei Wieland Ob. 2, 6. grauenvoll, adj., bei Klopstock Mess. 2, 73.

Graupe, f.(Pl.-n): gröbster Teil ge- pochten Erzes; enthülstes Getreidekorn. In der 1. Bed. 1557 pei Agricola Bergw. 2883ff. Graupen und Gräuplin, 1562 bei Mathesius Sar. 139 b Graupen und Greuplein«graupen- förmiges Zinnerz»; in der 2. Bed. Graupen 1542 bei Luther in der Hausrechnung; süd- ostdeutsch im 15. Jh. eysgräpe«kleines Hagel- korn»(Weinhold schles. Wb. 29b), bei Henisch 1616 Graupen«Hagel, Schloßeny. Das Wort, das sich von Obersachsen und Schlesien aus verbreitete, stammt vielleicht aus dem Slavi- schen, abg. Krupa f.«Krümchen», lausitz-wend. vrupa und serb. Erupa«Getreidegraupe, Hagel- schloßey, woher auch schwed. gröpe, grjupe, norw. gröpe«Schroty. Davon graupeln, v.: in kleinen Körnern hageln, 1711 bei Rädlein, gräupeln 1775 bei Adelung, bei Luther 1, 368² Eisl. es grauupet.

1Graus, m.(-es): haarsträubendes Grauen (Lessing Nath. 5, 6), mhd. grüs m. neben grüse m.«Gegenstand des Grauens, Schreck- bildy; dazu das Adj. graus: Grauen erregend (Schiller Räuber 4, 5), bei A. Gryphius(1698) 2, 21, mhd. gräs. 43L. Grausal, n., bei Tieck und Voß, mhd. grſuvwesal n. grausen, v. impers.(mir graust), mhd. gräsen, griusen, ahd. im gleichbed. irgrsisön,-grüisbn,-grü- sön. Alle abgeleitet von grauen(s. d.). Sub- stantivisch Grausen, n., mhd. gräsen n., davon die Adj. grausenhaft, Ende des 18. Jh.; grausenvoll, 1736 bei Haller Ged. 156, und mhd. grüsenlich«Grausen erregend». Von Graus abgeleitet grausig, adj., spätahd. griusig, und grauslich, adj., mhd. griuslich, gräslich. Vgl. gruseln.