Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
745-746
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745 glupen

Gneist 746

1587 im Buch d. Liebe 191d neben glansen 185², mhd. glünsen, md. im 14. Jh. glunsen.

glupen, v.: einen heimlichen schnellen Blick tun, bes. mit großen Augen seitwärts lauernd; von unten aufblicken(Bürger Mac- beth 1, 6). 1775 bei Adelung als niedersäch- sisch, mnd. glupen, ndl. 1598 glupen, gloepen cheimtückisch lauerny, jetzt glaipen, afries. glüpa verstohlen sehen», mengl. Nloppen canstarreny. Dunklen Ursprungs. Vielleicht hängt abg. glipati«sehen» irgendwie mit dem Wort zusammen. Davon glupsch, adj.: heimtückisch. Ndd. 1775 bei Adelung glapisch, bei Hermes Soph. Reise 4, 238 glahpsch.

Glut, s. glühen.

Glyzerin, n.(-s): Ölsüß, Scheelesches Süß. 1776 von Scheele entdeckt. Gebildet von gr. Nuxepôc süß.

Gnade, f.(Pl.-n): Wohlwollen(Nieder- neigen) gegen den Geringern, hohe Gewogen- heit. In der Anrede Euer Gnaden ist es Plural und Übersetzung des lat. vestra cle- mentia. Mhd. genãde, gnãde, ahd. ginãda, gnãda f.«Niederneigung, Ruhe»(die sonne geht zu gnãden Weist. 1, 744),«ruhige Lage, Behagen, Glückseligkeit, Neigung zu etwas, Herablassung zu Beistand, helfende Geneigt- heit, Hilfe und Erbarmen, Huld, Dank»(eig. Niederlassung, Fußfall um zu danken»); dazu asächs. nãca und ginãda f.«Huld, Barmherzig- keity, mnd. gnade, genade f.«Ruhe, Herab- lassung, Gunst, Vergünstigung, Privilegium, ndl. genade, afries. genãde, gnãde und nãthe, näde f.«Huld, herablassende Hilfey, anord. nãd f.«Gnade» im Pl. nãdir«Ruhe, Schlafy, schwed. nad f. und dän. naade«Gnadey. Die Bedeutungen des Wortes lassen sich aus der von«niederneigen» ableiten. Aber in den verwandten Sprachen liegt schon die Be- deutung Hilfe» vor, so in got. nνε̃au«unter- stützen?, air. ar-neithim ich stütze, haltey, aind. ndthäm n. Hilfe, Zuflucht, näãthas m. Schutzherry, nädhamänas Hilfe suchend, bittend). Daher wird man von dieser Be- deutung ausgehen müssen. 4BL. gnaden, v.: Gnade erzeigen, mhd. genãäden, gnãäden, ahd. ginãdõn, ginãdén, gnãden; dazu asöchs. ginãdon. gnädig, adj., mhd. genœædic, gnœdic, cwohlwollend, barmherzig, liebreich», ahd. ginãdig, gnãdig, Adv. gnãdigo; dazu asächs. ginãdlig cbarmherzig, liebreichꝰ, schwed. nädig und dän. naadig«gnädigy, dagegen anord. nãdugr«ruhigy. ZUS. Gnadenbild, n., bei Luther. Gnadenbrot, n., 1741 bei Frisch.

Gnadenjahr, n. Jahreseinkünfte eines Amtes, die die Witwe nach dem Tode des Mannes genießt, 1657 bei Speidel Speculum 511, aber spätmhd. im 14. Jh. gnädenjãr n.«kirchliches Jubeljahr»(Städtechron. 5, 45). Gnaden- pfennig, m.: goldne Medaille als fürstliches Gnadengeschenk(Brustschmuck), 1666 bei Besold Thesaurus 327. gnadenreich, adj., mhd. genãdenriche. Gnadenstoß, m.: Todes- stoß aus Gnade, urspr. dem geräderten Ver- precher vom Henker gegeben, 1775 bei Ade- lung, anders mhd. genãdenstô; m.«Anregung der Gnade». Gnadenwahl, f.: Prädestina- tion, 1663 bei Schottel 425.

Gnatz, m.: Übellaunigkeit der Kinder. Norddeutsch. Identisch mit dem folgenden.

Gnätze, f.: Schorf, Hautausschlag. Bei Luther 3. Mos. 14, 56 CGnetz f., auch Gnatz m., 1716 bei Ludwig der Gnatz, die Gnütze oder der Gneiß auf den Köpfen der Kinder. Noch nd. und kurhess. Gnatz m. Grind, Schorf, Krätze». Md. im 15. Jh. gnaz m. «Grindy(Diefenbach gl. 264 ²) und 1296 in dem Beinamen gnazôge Grindaugey(Ger- mania 20, 40), um 1300 bildlich«Kargheit (Schäbigkeit), Knauserei», urspr. wohl«das Schaben, Reiben». Zu ahd. gnitan, md. und mnd. gniden, ags. gnidan, cnidan, anord. gnida, dän. gnide«reibeny». Weiter gibt es Formen mit anlaut. h anord. hnita«mit etwas stoßen?, lit. Endsti«wühlen). 48L. gnätzig, adj., bei Luther gnetzig und gnetzicht. gnatzig, adj.: übellaunig.

Gneis, m.(-es, Pl.-e): schieferiger Granit, aus Feldspat, Quarz, Glimmer. 1557 bei Agri- cola Bergwerkb. S 22 Gneus, 1562 bei Ma- thesius Sar. 1972 gneysiger Stein, 1693 bei Schönberg Geneis, 1712 bei Hübner Geneiß. Vermutlich urspr. Nebenform von Gneist Funkey(s.1Gneist), wie bei Paracelsus chirurg. Schriften(1618) 317 Geneiß n.«Funkenasche». Die Schreibung Gneus beruht auf Anknüpfung an genießen, weil dies Gestein nach Berg- mannsglauben viel gutes Ertz, unter welchem es bricht, gleichsam vor sich geneust und es verzehret und raubet(Hübner 1712).

1Gneist, m.(-es, Pl.-e): Funke, sprühen- des Flämmchen. Mhd. ganeist, ganeiste, ge- neiste, gneiste m. f., ahd. ganehaista, gneista f. und gneisto, gnanisto m., woneben ahd. ga- neistra, ganastra, mhd. ganeister, ganster, gänster, geneister, gneister f.; dazu ags. gnãst m., anord. gneisti m., dän. gnist«Funkey. Verwandtschaft unsicher. Preuß. Knaistis