Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
739-740
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739 Glibber

Glimpf 740

im Hochgebirge. 1546 bei G. Agricola de re metallica 479 Gletzscher. Das Wort stammt natürlich von lat. glacies f.«Eis» und ist wahrscheinlich von Wallis, Uri, Unterwalden ausgegangen. Vgl. Meyer-Lübke Zfd W. 2, 74. Der deutsche Name ist bayr. tirol. Kees n.

Glibber, m.(-s): schlüpfrige, glatte Masse. Aus dem Niederdeutschen, wo schon mnd. glibherich«glatt, schlüpfrigy. In den Wörter- büchern nicht verzeichnet, aber in der nord- deutschen Umgangssprache verbreitet. Sub- stantivbildung zu dem unter geliefern be- handelten Verbum.

Glied, n.(6es, Pl.-er): mittels eines Ge- lenkes verbundner beweglicher Körperteil; Teil eines Ganzen; Mitglied einer sozialen Gesamtheit(md. im 14. Jh.); Generation, die gleichzeitig lebenden Personen einer Familie (bei Luther); Reihe einer Heeresabteilung (1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 113 f.). In den beiden ersten Bed. mhd. gelit, glit n. (Pl. gelit und gelider), auch gelit m.(Pl. ge- lide), noch bei Luther Gelied, Gelid neben Glied, ahd. gilit n.«Verbindung, Gelenk», mnd. gelit n., ndl. gelid n.«Reihey(Pl. geledeeren). Vom gleichbed. mhd. lit m. n.(Pl. lit, lide, lider), ahd. lith, lid m. n. Glied, Gelenk, Teil, Stück», im Mhd. auch«Zeugungsglied, Verwandtschaftsglied, Mitglied, Genosse; da- zu asächs. lid m.(Pl. licki), mnd. lit, let n. (Pl. lede, ledere, lidder), ndl. lid n.(Pl. leden), afries. lith, leth n., ags. lipß m. n., anord. lich m.(Pl. lidir), got. lipus m. Gliedy; wohl verwandt mit lat. litunss m.«Krummstab der Auguren, das gekrümmte Signalhorn»; glei- chen Stammes sind auch wohl ags. lim n., engl. limb Glied, Zweigy, anord. limr m.

Gliedy, lim n.«2weig», schwed.-dän. lem «Gliedo, lit. liemu⸗ m.«Stamm, Statur, auch ahd. lödan«gehen, sich bewegen,»(s. leiten) bringt man mit Glied zusammen. 4BL. gliederig, adj., 1616 bei Henisch glidig, 1691 bei Stieler glidericht, 1768 bei Moer- beek gliederig. gliedern, v., 1691 bei Stieler. Ridern. Gliederung, f., 1808 bei Campe. ZUS. Gliedmaßen, Plur.: die Glieder des Leibes. Bei Luther Glidmaßß, Gelidmas n. Sg. u. Plur., im Pl. auch Gliedmaßen(2. Makk. 7, 11), md. im 14. Jh. gelideméze n. Sg. und Plur., mhd. lidemãz, lidemoze n. Leibes- glied, in dieser Bed. entwickelt aus mhd. gelidemãze f.«Maß der Glieder, Leibeslünge', 1561 bei Maaler Glidmaß f.,«Leyhs lenge, die grõsse des leybs, statura», also wohl urspr.

«Maß, die rechte Art der Glieder», ähnlich 1477 das Adj. geliedsmessig von einer Wunde die geliedæ dieff und gelieds lancke ist(Weist. 2, 245), im 15. Jh. lidmessig«mit geraden ebenmäßigen Leibesgliedern(Ehingen 4). Zusammenges. mit Maß, Maße(s. d.), wie afries. lithmäta Pl.«Gliedmaßen» mit afries. mäte, méte f.«Maß»; dazu der Plur. ndl. lidmaten, isländ. lidamõôt, schwed. ledamot, dän. ledemod Gliedmaßeny.

glimm, adj.: funkenglühend, 1680 bei Lohenstein Sophonisbe a 6 b. Wie das spät- mhd. Subst. glim m.«Funken abgeleitet von glimmen, v.(Prät. Nlomm, Konj. glömme, Part. geglommen, daneben seit dem 18. Jh. schwachbiegend Prät. glimmte, Part. geglimmt): in einzelnen zündenden Funken glänzen. Mhd. Aimmen«glühen, glänzen, blitzen(ZfdA. 3, 20), Prät. glam, noch bei Lohenstein Rosen 92 glam, bei Gottsched glomm; dazu ndl. glimmen. Bei Luther glümmen, glummen, 1540 bei Al- berus dict. Hhl und Ce la ich glum, noch wetterauisch glummen; dazu 1562 bei Ma- thesius Sarepta 84 u Fiincklein oder Glüm- merchen, 174 b Glümmerlein und Füncllein. Gleichen Stammes wie mhd. qlimen«leuchten, glänzen»(s. Gleimchen), glamme f.«Glutꝰ, sowie anord. gjã, glœa«leuchten, funkeln). Dazu noch schwed. glimta, dän. glimte«glänzen, engl. glimpse Glanzy u. a. Vielleicht urver- wandt mit gr. xkidiver cwärmeny, XXαν warmy. 4. Glimmer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Katzengold, Katzensilber, 1530 bei G. Agricola de re metallica 134. glimmern, V.: funkenartig, in Zitterlicht glänzen(Goethe 3, 222 u. 14, 198), md. im 14. Jh. glimmeren «glünzen, leuchtenn; dazu engl. glimmer,(ent- lehnt) schwed. Nlimra, dän. glimre. glim- merig, adj., 1691 bei Stieler glimmericht.

Glimpf, m.(-es): in Beziehung worauf kundgegebne schonende nachsichtige Zartheit. Mhd. gelimpf, glimpf m. Angemessenheit, angemeßnes artiges Benehmen»,(im 15. Jh.) cfreundliche Nachsichty, ahd. gelimpf«Uber- einstimmung». Von ahd. gilinpfen, galimfan und limphan«angemessen sein, mhd. gelimpfen (auch tr.«angemessen machen») und linpfen; dazu ags. gelimpan æsich zutragen, sich er-

eignen?. Dem germ. Stamm*lemp entspricht

lautlich genau lat. limbus m. Besatz am Kleiden, aind. lãämbaté«hängt herab, senkt sich usw.y, und auch die Bedeutungen lassen sich wohl vereinen. Veraltet, dagegen noch in Gebrauch verunglimpfen und glimpflich,