Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
725-726
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725 Gicht

Gienmuschel 726

«Sonnengang, wende»(Johannistag), neben ahd. gäht(in bettegäht f.«Bettgehzeit), got. gähts f.»Gang»(nur in framgãnts f.«Fort- gango, innatgãhts f.«Lingangꝰ), wie ahd. gingén cnachfolgen) neben ahd. gangan gehen. Bei dieser Erklärung müßte mhd. giht an- gesetzt werden, was nicht möglich ist.

2Gicht, f.(Pl.-en): Aussage, Bekenntnis, Geständnis. Noch bei Frisch 1741, aber be- reits 1775 bei Adelung als veraltet. Mhd. giht, ahd. jiht f., mnd. gicht f., abgeleitet von ahd. jehan, gehan sagen, aussageny, mhd. jehen, gehen, asächs. gehan(vgl. Beichte). 4BL. gichtig, adj.: eingestehend, geständig. Veraltet, aber noch 1741 bei Frisch. Mhd. gihtic, ahd. jihtig, gihtig, mnd. gichtich, Jichtich. 208. Gichtzettel, m.: ärztlicher Fundzettel, Bericht über den Befund der Wunde usw., 1741 bei Frisch, noch in pommerischen Akten des 19. Jh.

sGicht, f.(mundartlich n., Gen.-es, Pl. er): Gliedersucht, krampfhaftes Gliederreißen. Mhd. giht n.(selten f.) neben dem Kollektiv gegihte n., md. gicht f.(einmal m.), bei Luther, Alberus, Duez, Stieler Fem., bei Weckherlin 1, 494 Neutr.; dazu mndl. und nndl. Jicht f., ags. gicha, gihpa m.«Gliederlůhmung». Spät- mhd. und älternhd. auch im Sinne von«Schlag, Schlagflußy(1421 bei Diefenbach nov. gl. 280 a, 1664 bei Duez), ebenso mnd. gicht f.(auch Diefenb. gl. 412*), vgl. gichtbrüchig. Die Herkunft ist unaufgeklärt. Im oberd. Volks- mund der Pl. Gichter Krämpfe, Zuckungen, bes. bei Kindern», 1756 bei Albr. v. Haller Onomatologia medica 1, 474, bei Schiller 1, 162, 384. 4B. gichtisch, adj.: gichtartig, 1775 bei Adelung, dafür 1691 bei Stieler gichtig, mhd. gihtic«gichtbrüchig. gichterig, gichterisch, adj.: gichtartig, von der Gicht oder von Gichtern befallen, 1725 bei Bräuner Thesaurus sanitatis 49 und bei Schiller Rüuber 2, 1 gichtrisch, bei Grillparzer Ahnfrau 3 gichtrich. ZUS. gichtbrüchig, adj.: glieder- lahm mit Schmerzen verbunden. Bei Luther gichtbrüchig«vom Schlage gelähmt», ebenso in der Bibel 1483 Bl. 497 b(Luk. 5, 18) gicht- brüchig, md. im 14. Jh. gichtbruchig, von md. gichtbroch f., bei Luther Gichtpruch f.«Läh- mung mit Gliederreißen», vgl. md. im 14. Jh. di gicht hatte di frouwe gebrochin wol sibin jär(Ködiz 77, 32).

Gickelgackel, m.: kicherndes Lachen mit ernstlosem Benehmen. Bei Lessing 1, 357. Bildung mit Ablaut von gickeln neben

gicheln(s. kichern) und gackeln, 1616 bei Henisch gichlen, gicheln oder gachlen«cachin- nari, d. h. schallend oder roh lachen?.

gicksen, kicksen, v. feinre unartikulierte Töne aus der Kehle ausstoßen. 1537 bei Dasy- podius gigtzen, mhd. gigzen, gichzen, gichsen, gekzen, ahd. giccazan, noch um 1480 im Voc. inc. teut. i 75b gilatzen. Im Ablaut zu diesem Wort steht gacksen(s. d.), bei Fischart Nachtr. 3645 gichsen und gachsen, wie schon mhd. bei Gottfr. v. Neifen 52, 13 u. 22 gigen gagen als interjektionelles Lautspiel. Dazu die BRA. er weiß weder Gichs noch Gacks(Wieland 18, 150),«er ist tümmer als eine Ganß'(Räd- lein 1711), 1691 bei Stieler weder Gigs noch Gags, 1589 bei Paracelsus Schriften 2, 80 weder guktes noch gagkes, sowie der mund- artliche Ausdruck Gickgack m.«Gans', mhd. gigã als«Schrei der Gans». Gicksgacks, m.: inhaltleeres Gerede, albernes Geschwätz, als Titel eines obd. Flugblattes um 1620 Sieben läãcherliche Geschnälz oder Gikes gales Ofenloch, 1663 bei Gryphius Horrib. 68 Kicks- kacks m., 1510 bei Keisersberg Has im Pfeffer Ce 7 ½ gickerliß geckerliß. Gickshusten, m.: Keuchhusten.

Giebel, m.(-S, Pl. wie Sg.): oberste Raumspitze zwischen den Dachseiten. Mhd. gibel, md. auch gebel(noch 1517 bei Trochus P gebbel), ahd. gibil m.«Stirn- oder Vor- derseites, auch«Erd- oder Weltachse(Pol)s; dazu and. gibilla f., mnd. und ndl. gevel, anord. gafl m.«Giebel», got. schwachflekt. gibla m. coberste Spitze, Zinne». Gleichen Stammes wie mhd. gebel, ahd. gebal m.«Schädel, Kopf⸗ neben ahd. gibilla f.«Schädel», urverwandt mit gr. xeꝓευmν f. und makedon.(bei Hesychius) Taßokd f. Kopf. ZIUS. Giebelwand, f., mhd. gibelawant, md. gebelewant.

Giebel, m.(-S, Pl. wie Sg.), auch f. (Pl.-n): die Steinkarausche, Cyprinus gibelio. In Norddeutschland. 1615 bei Colerus Hausb. 5, 295 Gybel, dafür 1563 bei Forer Fischb. 166 b Gilblichen(nach der gelben Farbe). Neben- form Gieben m., ahd. guva, aus lat. gobio m.; dazu franz. gibele f.

Gienmuschel, f.(Pl.-n): eine Art See- muscheln, auch Gaffer oder Venusmuscheln genannt. 1775 bei Adelung. Zusammenges. mit spätmhd. gienen(1429 im Lib. ord. rer. 28⁰), mhd. ginen, ahd. ginén«gähnen»(s. d.). Xhnlich ist die gr. lat. Benennung chäma, gr. Xun f. cGienmuschel, urspr. das-Gähnem, zu gr. xaiveiv«gühnen).

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