Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
721-722
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721 gewiß

Gewürm 722

gewiß, adj.: wirklich, außer allem Zweifel; zuverlässig; bestimmt, festgesetzt; keinen Zweifel hegend, sicher; irgendein. Mhd. geuwis «wirklich, zuverlässig, sicher», ahd. givis und ꝛwwis(in unzwis), im Adv. mhd. gerwisse, ahd. gibisso; dazu asächs.-afries. awis, and. gitwisso, ndl. ⸗is, getis, ags. getwiss, anord.-schwed.-dän. viss«sichery und unviss«unsichery, got. nur in umciss ungewißy. Alte Partizipialbildung zu wissen(s. d.), urspr.«gewußt, sicher ge- wußty. 4BL. Gewißheit, f., mhd. gezwis- heit, ahd. giuwisheit f. gewißlich, adv. bei Luther, mhd. gewislich Adj., geuwisliche, ge- ꝛwisselichen Adv., ahd. giwislicho Adv.

Gewitter, n.(-s, Pl. wie Sg.): Wetter mit Blitz und Donner. Mhd. gervitere, gerviter, ahd. giuwitiri n.«Unwetter», noch bei Luther Gewitter im Sinne von«Wetter, Witterung»; dazu ags. geiveder, geiwider n.«Unwetter. Kollektiv von Wetter(s. d.). 4L. ge- wittern, v., bei Campe aus Schiller.

Gewoge, n.(-s): das Hin- und Herwogen. Ende des 18. Jh. bei Matthisson Ged. 122. Von wogen(s. d.).

gewogen, Adj.: wohlwollend zugeneigt. 1593 bei J. v. Braunschweig ungerat. Sohn 4, 3. Eigentlich Part. Prät. von wägen(s. d.) im Sinne von«zuwägen». 4L. Gewogen- heit, f.: Zuneigung, 1616 bei Henisch.

gewohnen, v.: gewohnt werden, sich gewöhnen. Noch bei Luther, Alberus und Frisius 1541 genonen, jetzt veraltet. Mhd. geivonen, ahd. gievonén, asächs. giuonön, ags. gezwunian«an einem Orte sich dauernd auf- halten, bleiben, verweilen, verharren?(s. Wwohnen), dann«gewohnt seiny. Abgeleitet vom älternhd. Adj. geꝛcohn, mhd. genwon, auch gerbone, genvan, ahd. giiwon(in der nhd. Schrift- sprache verdrängt durch gewohnt, aber noch in md. Mundarten genohne; dazu asächs. giwono, ginuno, mnd. getvone, geivonen, getwanen, ndl. getwoon, ags. gerwuen, anord. vanr«gewohnt». Von diesem Adj. stammen auch die folgenden Wörter: gewöhnen, v.: gewohnt machen, bei Luther und Henisch 1616 gewwenen und geibehnen, 1541 bei Frisius getwennen und ge- ꝛwenen, 1618 bei Schönsleder gerwönen und geiwenen, 1664 bei Duez gerbuhnen und ge- wehnen, aber noch bei Stieler 1691 bloß ge- wenen. Mhd. gewenen, ahd. giecennan; dazu and. gitvennian«sich gewöhnenꝰ», ndl. geawennen, ags. gervenian und wenian, anord. venja(Prät. vanda). Gewohnheit, f., mhd. gewwone-, gewonheit, im Schwabenspiegel und 1482 im

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

Voc. theut. m 5 gerbanheit, ahd. giwona-, giwoneheit f.; dazu and. giewonohéd, ndl. ge- woonheid f. In gleicher Bed. ahd. girwona, mhd. gerwone, gesbon, geiwan f., mnd. gerbonte, gewante f. gewöhnlich, adj., mhd. gerwone- lich, gewon-, geivönlich«der Gewohnheit gemäß, hergebracht»; dazu ags. genwunelic, aber mnd. geꝛwontlile. gewohnt, Nebenform des alten Adj. geivohn, an dessen Stelle es tritt, der Form nach zugleich Part. Prät. von gezwohnen(s. d.), bei Luther gewonet, 1482 im Voc. theut. m 5a geicanet, vereinzelt schon md. im 14. Jh. gewonet(Jeroschin 21723), mnd. gewant. Ge- wöhnung, f., 1541 bei Frisius 99 b Gewenung. Gewölbe, n.(-s, Pl. wie Sg.): hohlrund gemauerte Decke, sowie der darunter be- schlossene Raum; Kramladen, urspr. mit ge- wölbter Decke(Leipz. Urkundenbuch 1, 435 vom J. 1484). In der 1. Bed. bei Luther Gerbelbe, Geꝛwelb, 1664 bei Duez Gewwelb, 1678 bei Krämer Gezwölb, wie bereits im Laurin (Straßburg 1509) getvölb neben gewwelb, mhd. geꝛvelbe, ahd. giwelbi n. Zu wölben(s. d.). Der Plur. bisweilen Gezcolber(Lessing 10, 66, Haller 61, Zacharid Phaeton 1, 54). Gewölk, n.(-es, Pl.-e): Mehrheit von Wolken. Gezvolch 1616 bei Henisch, unver- kürzt Gewlke n. bei Goethe Iph. 1753, Schiller 11, 82, bei Luther Geirolcke, Gewwölcke, Ge- wülche, auch Geuwvolcken n. Mhd. gerwülke, geꝛwöllce n., älter gezwulkene n., Kollektiv von mhd. zwolken, wulken n.«Wolke»(s. d.). Gewölle, n.(-S, Pl. wie Sg.): Auswurf, den die Raubvögel täglich in der Frühe aus dem Kropfe speien, aus Unverdaulichem wie Haaren, Federn usw. bestehend. 1558 bei Heuslin Vogelbuch 1334 Gezwäll, 1582 bei Feyerabend Weidwerkbuch 2, 53 b Gerwöll, aber noch 1741 bei Frisch Gerwell n. Mhd. gerwelle, gewel n.«Brechmittel für den Falken und Gebrochenes(Gewölle)?, von mhd. ewiüillen, md. acollen, zwillen, ahd. zwullön und illön Ekel empfinden, Übelsein oder Erbrechen haben», aber wohl mit Anlehnung an mhd. wellen, ahd."wellan«wälzen, rollen»(ahd. givel n.«zusammengerolltes», wie Schlangen- geringel, hohle Wogenkämme, Pechklumpen). Gewühl, n.(-s): anhaltendes Wühlen; wirres Durcheinander. Unverkürzt Gerouühle n. pei Schiller 11, 372. Bei Henisch 1616 Gezbuel Gemenge des Volcksy. Von wühlen(s. d.). Gewürm, n.(-s, Pl.-e): Würmermenge; dann der Wurm(bei Luther, Schiller). Bei Luther Gewirm, mhd. gewürme n. Menge 46