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Gewissen 720
gewiegt, partiz. Adj.: worin wohlerfahren, gleichsam von Kindesbeinen an. 1561 bei Maaler gewieget in gerichtshendlen chomo fori alumnusy. Part. Prät. von mhd. zwigen swiegen, in der Wiege schaukeln).
gewierig, adj.: gewährend, zustimmend. In der Kanzleisprache. 1612 bei Diefenbach- Wülker 619 b gerwierig. Von gervähren(s. d.).
Gewild, n.(-es): Gesamtheit von Wild; ein Wild(Jagdtier). Spätmhd. gevilt n. kollektiv, 1541 bei Frisius 364a ein Gezvild. Kollektivbildung von Wild n.(s. d.). Aber mhd. gerwilde n.«Wildnis, Wildheity, vom Adj. zwild(s. d.).
gewillt, in geuwillt sein: den Willen, Ent- schluß wozu haben. Schon mhd. gewwilt s'n. Mhd. geuwillet, gewvilt ist Part. Prät. von mhd. willen«willig machen», refl.(mit Gen. der Sache)«sich wozu entschließen, wozu neigen», alid. zvilleön, ꝛvillön u Willen sein, will- fahren, geneigt sein), abgeleitet von Wille.
Gewimmel, n.(-s), mhd. gerwimmel n., von wimmeln(s. d.).
Gewinde, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gewun- denes; sich Windendes. 1616 bei Henisch «Gewind, Schrauben, Waltzeny. Von winden.
Gewinn, m.(es, DPl.-e): das Gewonnene. Mhd. geiwin m. Erlangung, Erlangtes, Erwerb, Vorteil, Nutzenꝰ, ahd. ga-, giuwin m., zunächst Kampf, Anstrengung, Arbeity, dann Erlan- gung durch Sieg, Erlangtes, Erwerb»; dazu asächs. giuvin n.«Streit, Feindschafty, mnd. gewwin m. n.«Erwerb, Pachtungy, ags. getoin n.«Kampf, Anstrengung, Mühe, durch Mühe Lrlangtes». Von gewinnen, v.(Prät. gercann, Konj. geiwnne und gezwönne, Part. geuvonnen): durch Arbeit und Mühe, dann überhaupt durch Tätigkeit oder durch Glück wozu gelangen oder es erstreben, erlangen; ein Mehr im Vergleiche zu dem Aufgewandten erlangen; ringend gegen Widerstand zum Obern werden. Mhd. gewwinnen«siegen, durch Sieg, Mühe, Arbeit wozu gelangen, anschaffen, verschaffen, erwerben, in die Gewalt be- kommen, durch Rechtsverfahren erlangen, gerichtlich überwinden», abd. ga-, giwinnan (Prät. giwan, Pl. guwunnun, Konj. girbunni, Part. giicunnan)«durch Kampf, Mühsal, An- strengung erlangen, dann«überhaupt erlangen, in Besitz nehmen»; dazu asächs. girvwinnan durch Arbeit erreichen», afries. gerwinna cerlangen», ags. gerwinnan«kümpfen, durch Kampf erlangen, erobern, erringen?, got. gawinnan æleideny. Von ahd. winnan ain
geivizzen, ags. gervitan«wisseny.
Leiden sein, laut klagen, angestrengt und mühevoll arbeiten, kümpfen, erlangen», mhd. zwingen«sich abarbeiten, wüten, streiten»; dazu asächs. und ags. winnan æleiden, er- tragen, ringen, kümpfen, kämpfend oder ar- beitend erringen», engl. zwin, afries. winna cerlangen, erreichen», anord. vinna, schwed. vinne, dän. vinde«ausrichten, vollführen, arbeiten, bearbeiten, überwinden, über- treffen, got. innan«Sschmerz empfinden, leideny. Die Wurzel cen kehrt in gleicher Gestalt, aber in abweichender Bedeutung in den verwandten Sprachen und im Germ. wieder. Meringer Idg. Forsch. 16, 181 geht von einer Grundbedeutung«ackern» aus, unter der sich die verschiedenen Bedeutungen von«sich mühen», wohnen(s. d.), Wonne (s. d.), gerwöhnen«sehr wohl vereinigen lassen. Vielleicht entspricht lat. cönor aus*covenor dem germ. Wort genau. 4B L. Gewinner, m., mhd. geiwinner m. Gewinst, m.(es, Pl.-e), bei Luther W. 6, 449 und Weish. 15, 12. 2ZUS. Gewinnsucht, f., 1711 pei Rädlein; gewinnsüchtig, adj., bei Luther 2, 3732 J. geꝛwinssüchtig, bei Henisch 1616 gervinsichtig «der nur allein auff gewin sihet?.
Gewirr, Gewirre, n.(⁶s, Pl.-e): Ver- wirrung; Verworrenes. Bei Luther Gercirre und Geiwerre, mhd. gewerre m. und n., spät- mhd. gervier n., mnd. genverre, gewer n. Von wirren(s. d.).
Gewissen, n.(-s, Pl. wie Sg.): das sitt- liche Bewußtsein. Mhd. geuoizzen n. das Wissen, die Kenntnis, Erkenntnisy, der als Substantiv gesetzte Inf. des mhd. Zeitwortes In dieses Neutr. aber ging völlig über das mhd. Fem. geꝛwizzene, meist geiwizzen(auch schon ge- wissni, gelwissen)«Wissen, Kenntnis, Mit- wissenschaft, Erkenntnis des sich Schickenden, inneres Bewubtsein und so in der heutigen Bed.⸗, ahd. geiwizzen? f.«sittliches Bewußt- seiny, in Bedeutung und Bildung dem lat. conscientia f. entsprechend und von dem ahd. Adj. giuwizzan, mhd. gervizzen«bewußt, verständig» apgeleitet, zu wissen(s. d.) ge- hörig. Gleichbedeutende andere Bildungen im Ahd. sind die Fem. gitwisza, giivwigzida, giuwizzell und das Neutr. giwizzi, dafür got. mihiissei f. 45L. gewissenhaft, adj., 1641 bei Schottel 315. gewissenlos, adj., ebd. 357 aus Luthers Schriften. ZUS. Ge- wissensbiß, m., 1691 bei Stieler, vgl. Hiob 27, 6.


