Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
705-706
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705⁵ Gesindel

Gespenst 706

ahd. sind m.«Reise, Heereszugy, asächs. sich, ags. 55 m. Reise, Weg», anord. sinn n., got. sinps m.«Gang, Mal», urverwandt mit air. sét, bret. hent, akymr. hint,«Wegy. Das Kollektiv zu Gesind m. ist peinäe n.(*, Pl. wie Sg.): Dienerschaft, bqs. die niedrige des Hauses. Mhd. gesinde n. Dienerschaft, Hofdienerschaft, Gefolgey, ahd. gisindi n. Reisegefolge, bes. bewaffnetesy; dazu asächs. gesidi n.«Gefolg., Gesellschaft, Hausgenossen- schaft, Volk», ags. gesip n. Gefolgschaftv». ZDS. Gesindestube, f.: Stube für die Haus- dienerschaft, bei Grimmelshausen Simpl. 57 Gesind-Stube.

Gesindel, n.(-s, Pl. wie Sg.): schlechte, verachtete Leute. Kollektiv von Gesindle (§. d.), mhd. gesindelin n.«Reisegefolge», bei Luther Gesindlin«Hausgenossenschafty, dann Leutehen, Völkchen», verächtlich 1550 bei Alberus Fab. 20, 59 l Gesindlin, bei Kirch- hoff Wendunm. 5, 96 roh, wwild wüst Gesindle, 1734 bei Steinbach Gesindel.

gesinnen an einen, v.: ihn darum an- gehen. Mit Akk. oder einem Satz. Im Kanaleistil, höflicher als befehlen und vor- nehmer als bitten(vgl. ansinnen). Schon mhd. an einen etwag gesinnen. Ahd. gisinnan ceine Richtung nehmen, gehen, reisenn, dann cseine Gedanken worauf richten, woran denken, wonach streben⸗, mhd. gesinnen«worauf denken, begehren, verlangeny. Zusammenges. mit sinnen(s. d.). Im Part. Prät. gesonnen sein entschiednen Sinnes und Willens sein, im 17. Jh. bei P. Fleming 77. gesinnt, partizip. Adj. zu Sinn(s. d.): den Sinn, die Entschließung habend. Mhd. gesinnet«mit Weisheit und Kunst begabt», dann ceine Ge- sinnung habend». Gesinnung, f., 1751 bei Lessing 3, 244. Davon gesinnungstüchtig. Schlagwort seit den vierziger Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf.

gesittet, Part. als Adj.: Sitte habend, besonders gute; guter Sitte gemäß. Mhd. gesitet«geartet, nach Ublichkeit gewohnts, ahd. gasitöt gehörig eingerichtet oder ge- ordnet, angeboren, Part. Prät. von ahd. Sitôn, gasitõn«einrichten⸗, got. sidôn«sich als Sitte aneignen, übeny, dazu mnd. gesedet. Mit mhd. gesitet mengte sich das ebenfalls von Sitte abgeleitete Adj. mhd. gesite, gesit, ahd. gesit«geartet, gewohnt». Gesittung, f., bei Campe unter Ziwilisation Nachweis von 1773.

gesonnen, s. gesinnen.

1Gespan, m.(-S, Pl.-e): Gefährte; Mit-

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

geselle, Mitknecht. Mhd. gespan m.«eng- verbundner Genosse». Nicht zu dem in Spanferkel(s. d.) vorliegenden Span«Mutter- brust» gehörig(wie mhd. Spunnebruoder, ahd. spunnipruoder«Milchbruder» zu mhd. spünne, ahd. spunni f. n.«Mutterbrust»), sondern aus der Sprache des alten Fuhr- und Fracht- wesens weiter verbreitet, eig.«der die gleiche Spannarbeit Verrichtende», da zur Bedienung eines Frachtwagens mindestens zwei Mann nötig waren(1540 bei Alberus dict. Hh Gespan ouorexvoc, carpentarii vocabulo Ge- span se invicem salutanty, als Bezeichnung des Fuhrmanns 1557 bei Waldis Esopus 4, 73, 21, Mathesius Luther 1566 S. 438, 6 Neudr., Fischart Garg. 458 usw.), dann überhaupt Mitgesell in einem Handwerk(Eulenspiegel Kap. 39). Anders got. gajukö m.«Genossey, eig.«der Mitangespannte».

²Gespan, m.(-S, Pl.-e): ungarischer Be- zirksoberster. Aus magyar. ispan, das dem slav. 2ðρn«Burggraf» entnommen ist. Da- von Gespanschaft, f.: einem Gespan unter- gebner Bezirk, 1695 bei Ziegler tägl. Schau- platz der Zeit S. 1430 b, Spanschaft 1691 bei Stieler.

Gespänge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Spangen- werk, mhd. gespeng9e n., Kollektiv von Spange s. d.). Gespann, n.(es, Pl.-e): vor ein Fuhr- werk zusammengespannte Tiere. 1541 bei Franck Sprichw. 2, 131 b Gespan neben um- gelautetem Gespün 2, 10 b, dazu clevisch 1477 gespenne«perde». Von spannen(s. d.).

Gesparr(e), Gespärre n.(*S, Pl. wie Sg.): Sparrenwerk, Gebälk. Mhd. gesperre, ahd. gisperri n., Kollektiv von Sparren(s. d.).

Gespenst, n.(-es, Pl.-er): Truggebilde, bes. geisterhaftes; umgehender abgeschiedner Geist. Mhd. gespenste n. Trugbild», bes. steuflisches», neben mhd. gespanst, gespenst f. Lockung, Verlockung, Trug, Phantom, Gei- stererscheinungy, ahd. gispanst f. Lockung». Dazu and. gispensti n., mnd. gespenst n. Ver- lockungy. Abgeleitet von ahd. Spanst, mhd. spenst f. Verlockung», mhd. spanen, zu ahd. spanan«locken, reizen», and. Spanandelik clockend», das zu gr. cndeiv«ziehen» gehört. In der Bildung ist lat. Abl.(mea) sponte f. cfreier Wille, Antrieb» verwandt. 48L. gespenstig, adj.: unheimlich, geisterhaft, bei Goethe Faust 9980, aber mhd. gespenstec «verführerisch», ahd. spenstig verlockendo. gespenstisch, adj., bei Schiller 13, 176.

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