Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
697-698
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697 Geschick

Geschlecht 698

Philander 804). Mhd. geschiht und ahd. ge- scihnt f.«Schickung, Zufal!, Ereignis, Vorgangy, im Mhd. auch Angelegenheit, Sache, Ding, Zukommendes, Eigenschaft, Weisen, im j. Titurel 4220, 1 geschichte f., woneben md. im 14. Jh. geschichte n. Begebenheit», mnd. ge- schicht f. und n., auch bei Luther Geschicht n. und f., seit dem 17. Jh. gewinnt das Fem. Geschichte die Oberhand mit dem Pl. Ge- schichten, der sich zuerst 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 5 u. 113 nachweisen läßt, aber noch bei Lohenstein Soph. 7, Günther 170, Brockes 2, 261 der Pl. Geschichte. Zusammen- gesetzt mit ahd. sciht(nur in Zusammensetz.), mhd. schiht, md. schicht f.«Schickung, Er- eignis, Begebenheit, Sache, Eigenschaft, Ord- nung, Reihe»(s. Schicht), einer Ableitung von ahd. scehan«geschehen»(s. d.). Davon geschichtlich, adj.: historisch, 1691 bei Stieler, aber mhd. das Adv. geschichteclichen zufälligy. ZUS. Geschichtsbuch, n.: Hi- storienbuch, mhd. im 14. Jh. geschichte-, ge- schichtbuoch n.(Walther v. Rheinau 2, 20 fg.). Geschichtschreiber, m., 1414 bei Diefen- bach gl. 2792 geschichtschriber.

Geschick, n.(-es, Pl.-e): höhre Schickung, Schicksal(frühnhd., z. B. bei Luther); rechte Art, wie sich eins zum andern ordnet, dann rechte Art sich leicht worein zu finden, gute Angemessenheit zu gesellschaftlichen Verhält- nissen; wiederholtes Hin- und Herschicken (1741 bei Frisch, aber schon 1535 bei Micyllus Tacitus 522 Geschich n. Geschenksendung). Mhd. geschicke n. Anordnung, Vermächtnis, gute Beschaffenheit und Gestalt des Leibes, Benehmen», mnd. geschich n., 1429 bei Diefen- bach nov. gl. 180 a geschickt chöhre Schickungy. Von schicken. 43L. geschicklich, adj.: geziemend, geeignet, geschickt, älternhd. im 16. Jh. und noch bei Goethe 50, 63; davon Geschicklichkeit, f.: Fähigkeit, bei Luther 1, 379 b, am Ende des 15. Jh. auch«gute Beschaffenheit, Paßlichkeity.

geschickt, adj.: paßlich beschaffen; der guten Sitte gemäß. Ursprünglich Part. Pass. von schicken(s. d.). Mhd. geschicket«passends, doch zuerst«geordnet, bereit, gerüstet, fertig, gestaltety.

Geschiebe, n.(, Pl. wie Sg.): durch Wasser fortgeschobne Gesteintrümmer, Ge- röll. 1601 bei Uttmann Bergbericht 29 Ge- schieb, 1562 bei Mathesius Sar. 140 3 Geschühe, 1557 bei Agricola Bergwerk Index 293 Ge- schube. Zu schieben(s. d.).

Geschirr, n.(Jes, Pl.-e): Werkzeug jeder Art zum Gebrauche; Gesamtheit der Gefäße; Bespannung des Wagens und dieser selbst (spätmhd. im 14. u. 15. Jh.). Mhd. geschiyre, ahd. giscirri n.«Werkzeug, Gerät, Gefaßo, im Mhd. auch Geschlechtsgliedy, bes. das männliche. Von schirren(s. d.). Da das Wort isoliert steht, ist eine sichre Anknii- pfung nicht möglich. Es könnte zu scharren (s. d.) gehören. RA. gut Geschirr machen: «ausgelassen lustig sein, gut empfangen und bewirten», nhd. vom Ende des 15. bis ans 18. Jh. umgedeutet aus gleichbed. franz. faire bonne chere, zu afranz. chiere, span.-prov. cara f.«Gesicht, Antlitz, Miene»(das auf gr. kdpo f.«Haupt, Antlitz» zurückgeführt wird), woher auch mudl. goede sier, goed chiere(ciere) malten und nhd. 1507 bei Wil- wolt v. Schaumb. 154 guet schier machen, noch kurhess. wienderliches Geschirr machen «seltsam reden oder handeln», schles. das macht ein bõses Geschirr, d. h. cböses Bluty.

geschlacht, adj.: geartet; gut geartet, gleichartig, fein, edel. Mhd. geslaht, ahd. gislaht«zugehörig» zu ahd. slahta f. Ge- schlechty(s. d.).

geschlank, adj.: ebenmäßig lang und biegsam. 1566 bei Mathesius Luther 168, 22 Neudr., noch bei Voß und Lichtwer. Neben- form geschlang 1597 bei Colerus Hausb. 10, 4. Zusammenges. mit schlank(s. d.).

Geschlecht, n.(-es, Pl.-er): die Gesamt- heit der von einem Wesen Herstammenden, Familie, Nachkommenschaft; Adelsfamilie (Lessing Nathan 2, 7), Adel(Goethe 3, 164, schon um 1400 bei Liliencron Volksl. 1, 167); Gesamtheit der Menschen in einem Zeitalter, Generation(14. Jh. im Cod. Tepl. Matth. 11, 16); Menschenklasse(Schiller Picc. 5, 1, schon ahd.); der natürliche Geschlechtsunterschied, das männliche und weibliche Geschlecht(mhd.); das grammatische Geschlecht der Wörter(als Ubertragung des lat. genus n. 1640 bei Schottel im Erzschrein 250); Art, Gattung überhaupt (mhd.). Unverkürzt Geschlechte n. noch bei Schubart 2, 80, Uhland 144 u. 264. In der 1. Bed. mhd. geslehte, geslähte, geslehl, ahd. gislahti n.(für ältres wunni n., s. unter König), auch«natürliche Eigenschaft, angeborne Be- schaffenheity. Kollektiv von ahd. slahta f. und slaht n., mhd. slahte f.«Art, Geschlecht, Nachkommenschaft, Verwandtschafty, abge- leitet von ahd. slahan in der Bed. arten, nachschlagen»(Notker Boeth. 122, 132 näh