Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
693-694
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693 geruhig

Geschäft 694

grafen, mhd. im Iwein 4773 von Gott, bei Luther geruaven, 1616 bei Henisch geruhen). Mhd. geruochen, md. gerlchen, älternhd. ge- ruochen, geruchen, geruohen seinen Sinn worauf richten, Rücksicht nehmen, bedacht, besorgt sein?, dann«sich angelegen sein lassen, gerne wollen, belieben, gewähren», mnd. ge- rõken, gerülen. Dieselben Bedeutungen hat das einfache obd. ruechen, mhd. ruochen, md. rüchen, rõchen, ahd. ruochan æsorgen, be- achten, besorgt sein); dazu asächs. rökian, ags. réẽcan, engl. reck, anord. rãlja. Abge- leitet von mhd. ruoche, ahd. ruohha f.«Uber- legung, Berücksichtigung, Sorgfalt, Sorge», ahd. ruoh, mhd. ruoch m.«Sorgen, verwandt mit ahd. rahha f.«Rede, Rechenschaft»(s. rechnen). Völlig verschieden von älternhd. geruhen, mhd. geruowen, geruon ruhen», mnd. gerouben.

geruhig, adj.: völlig ruhig; gelassen, ruhig-behaglich. Mhd. geruowec, gerüewbec, md. geriwec, bei Luther gerügig, bei Fisch- art Garg. 398 geruhig, im 16. Jh. auch geruig. Zusammengesetzt mit ruhig(s. d.). geruch- sam, adj.: Ruhe habend; Ruhe gewährend. 1429 gerabsam, md. im 15. Jh. gerägesanm, bei Melanchthon geruhsam. Zusammenges. mit ruhsam(s. d.).

Gerüll, n.(-s, Pl.-e): Zusammen- und Durcheinandergerolltes, bes. lockres Gestein (1562 bei Mathesius Sarepta 100 2 Gerkülle, bei Goethe 6, 157 Gerill); alter unbrauchbarer Hausrat(1715 bei Amaranthes Gerülle n.). Substantiv von rollen, nd. rullen. S. Geröll.

Gerumpel, n.(*5): wiederholtes Rumpeln. Mhd. gerumpel n. Substantiv von rumpeln (s. d.), ebenso mit Umlaut Gerümpel, n. (*s): rumpelndes, mit dumpfem Geräusche wackelndes und zusammenbrechendes, also altes schlechtes Gerät, 1537 bei Dasypodius Gerümpel, mhd. gerumpel n.(Suso Briefe 35). 4BL. Gerümpler, m.(8, Pl. wie Sg.): Trödler. Im Elsaß. Vermischung mit. Krempler 6. d.). ZUS. Gerümpelmarkt, m.: Trödel- markt, 1577 bei Fischart Flöhh. 1371 Grünpel- markt, angelehnt an das ültre Grempelmarlt (Ausgabe v. 1573 v. 1358.)(s. Krempel).

Gerüst, n.(es, Pl.-e): leicht aus Balken oder Stangen und Brettern aufgerichtetes Bauwerk oder Gestell. Unverkürzt Gerüste, n. bei Schiller 6, 384. Mhd. gerüste, ahd. gahrusti, girusti n.«Lu-, Ausrüstung, Waffen- rüstung, Gerät, Werkzeug, Gestell, erbaute Vor- richtung wozu, Schmuck». Von rüsten(s. d.).

Gesäme, n.(-*J, Pl. wie Sg.): Sämerei. 1616 bei Henisch, ohne Umlaut Gesame bei Luther 2, 111 b Eisl. Kollektiv von Same. Da- für 1562 bei Mathesius Sar. 169 b Gesemicht n.

gesamt, adj.: ohne Unterschied in eins begriffen. Mhd. gesament, gesamnet, md. ge- samt, ahd. gisamanõt«gesammelt, vereinigt, verbunden), Part. Pass. von mhd. samenen, samnen, samen, ahd. samanön sammeln⸗ (s. d.). Davon Gesamtheit, f., 1797 bei Heynatz Antib.

Gesandte, m.(-n, Pl.-n/): mit einer Sen- dung in Staatsangelegenheiten förmlich und feierlich betrauter Staatsbeamter, dann als ständiger Vertreter seines Staates bei einer auswürtigen Regierung. Im Anfang des 16. Jh.(bei Luther), dafür im 15. Jh. un- gekürzt gesanter pote(Voc. 1482 m 1 b) s. Boke. ZUS. Gesandtschaft, f., 1656 bei Olearius pers. Reis. 1, 4, ndl. 1598 ghesandschap.

Gesang, m.(es, Pl. Gesänge): das Singen; das gesungene Gedicht. In beiden Bed. mhd. gesanc m. und n.(auch älternhd. und noch bayr. Neutr.), aber ahd. gisanch n.«stimmen- des Zusammensingeny. Zusammenges. mit Sang(s. d.). In der Bed.«Abschnitt oder Teil eines Epos» 1626 bei Dietrich v. d. Werder Gottfr. v. Bulljon als UÜbertragung des ital. canto, das schon bei Dante vorliegt. ZUS. Gesangbuch, n., um 1480 im Voc. inc. teut. i 2 b gesangbuch.

Gesänge, n.(-s): vieler, wiederholter Ge- sang. Bei Luther Luk. 15, 25 das Gesenge, mhd. gesenge n. Kollektiv von Sang(s. d.).

Gesäß, n.(-es, Pl.- e): Stuhlsitz(1. Kön. 10, 19); Sitzteil des Körpers, der Hintere. In der letzten Bed. mhd. gesœze, gescz, md. geséze, aber meist wie ahd. gisãzi n.«Sitz, Niederlassung, Wohnsitz, Wohnungs, im Mhd. auch Lager, Belagerung»; dazu mnd. gesate n. Besitztumy, gesete n.«Sitz, Stuhly, mndl. ghesate n.«Wohnstätten. Zu sitzen(s. d.).

Gesäufte, n.(-s): Sauferei. Bei Goethe Faust 4864 und schon im 16. Jh. bei Schwei- nichen 1, 200. Nebenform zu Gesäufe n., im 16. Jh.(z. B. Schweinichen 1, 101), jetzt Gesaufe n.

Geschäft, n.(es, Pl.-g): Geschaffnes, Werk(Ps. 92, 5, veraltet); was zu schaffen ist, Beschäftigung, Verrichtung, obliegende Tätigkeit, Angelegenheit; Anordnung(Apostel- gesch. 7, 53, veraltet). In diesen Bed. mhd. geschefte, gescheft n. und gescheffede f. n., auch Geschöpf, Beschaffenheit, Gestalt⸗, so-

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