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cbegehrend, verlangend, mhd. geren, gern, ahd. gerõn, gerén«begehreny, und Gier(s. d.). Urverwandt mit gr. Xaiperv«sich freuen), Xopd f. Freude?, osk. herest, umbr. heriest «er wird begehren oder wollen», aind. härjati cer hat gern, begehrt», aw. zara- m.«Streben, Ziely. Statt des Komp. und Superl. mhd. gerner, gernest, ahd. gernõr, gernõst) wird in der Schriftsprache seit dem Anfang des 18. Jh. (Frisch 1741) lieber, liehst gebraucht, aber aus der Volkssprache noch bei Schiller Räuber 4, 3 am gernsten. ZUS. Gernegroß, m.: wer gern über andre hinaus will, 1575 bei Fischart Garg. 56 Gerngroß.
Gerner, s. Karner, Kerner.
gerochen, s. rächen.
Geröll, Gerölle, n.(-S, Pl.-): fort- rollende Steine in Flußbetten und an Berg- hängen, 1734 bei Steinbach Gerölle n. S. Gerull.
Gerste, f.(Pl.-a unüblich): die Getreide- art hordeum. Mhd. gerste, ahd. gersta f. mit schwacher Flexion; dazu asächs. gersta f., mnd.-nd. gerste f., mndl. gherste, ndl. gerst, garst f. Urverwandt mit lat. hordeum (aus horzd-) n., gr. xpi n., xpie f., armen. gari, iran.-pehlew. Jartäk, zurtäk, balutschi zurt. Vgl. Hoops Waldbäume 364. Urbe- deutung des Wortes ist unklar. Die Gerste gehört jedenfalls zu den ältesten Kultur- pflanzen, die schon die Indogermanen an- bauten. Dafür im Ags. bere m., engl. Parley, anord. barr m.«Gersten, got. barizeins aus Gerste bereitet», urverwandt mit lat. far n. «Spelt, Dinkel», lat. farina f.«Mehly, abg. buri m.«Hirsey, brasino n.«Speisen, kymr.- korn.-bret. bara m., air. bairgen, nir.-gaäl. bairghean«Brot, Kuchen). ZUS. Gersten- brot, n., mhd. gerstenbröt und girstin brot, ahd. Pl. girstonu bröt, also zusammenges. mit dem Adj. mhd.-ahd. girstin, im 14. Jh. gerstein «von Gerste bereitet», and. gerstin. Gersten- korn, n., mhd. gerstenkorn, ahd. gerstun korn in eig. Bed., im 13. Jh. auch als kleinstes Gewicht und Längenmaß(Basler Bischofs- recht§ 8, 10 gerstenchorn); dann wegen ähn- licher Gestalt«Geschwulst am Augenlide?, 1540 bei Alberus dict. T2 b. Vgl. Hoops a. a. O. 374. Gerstensaft, m.: Bier, 1748 bei Brockes ird. Vergnügen 9, 145, in der Bed. Gersten- schleim» 1540 bei Alberus dict. tt 12.
Gerte, f.(Pl.-n): dünner biegsamer Holz- schößling. Mhd. gerte, ahd. garti, gardea, gerta f.«Rute, Zweig, Stab»; dazu asächs.
gerda, and. gerdia, mnd. garde, gerde, mndl. gaerde, gheerde, ndl. garde, afries. Ierde, ags. gerd, geard, gyrd f., engl. ard. Entweder zu mhd. ahd. gart m.«Stachel, spitzer Treib- stecken», got. gazds m.«Stachel»(wie Hort zu got. huad n.«Hort, Schatz), anord. gaddy m.«Stachel, Spitzes, urverwandt mit lat. hasta f.«Stange, Spießy, vgl. Sievers Zum ags. Vocalismus 25. Oder auch zu abg. Erid f. russ. Zerdi f.«dünne Stange». Walde s. v. hasta. Gertrud, s. Ger. Geruch, m.(-es, Pl. Gerüche): durch die Nase empfundene Ausdünstung, Duft; der Riechsinn. Mhd. geruch m. in beiden Bed., im 15. und 16. Jh. auch geroch, mudl. gherolce. Zusammenges. mit mhd. ruch m. Dunst, Dufty(s. Ruch), von riechen(s. d.). ²Geruch, m.(es, ohne Pl.): Leumund, Ruf. Gleichzeitig mit dem Eindringen des nd. Wortes Gerücht(s. d.) neben obd. Ge- rüft n. erscheint in der hochd. Schriftsprache des 15. und 16. Jh.(zuerst 1475 in den Monu- menta Habsburgica 1, 1, 453) das Neutr. ge- rueche(1487), geruche, gerüech(1518), ge- rüch(H. Sachs Fastnachtsp. 32, 371), geruch (Schmeller) neben obd. gerüfe, gerüf, md. (14. Jh.) geräfe n.«umhergehendes Gerede, Leumund, Ruf»; dieses Neutr. Geruch tritt durch Vermischung mit der bildlichen Ver- wendung von 1Geruch(2. Mos. 5, 21) im 17. und 18. Jh. in das mask. Geschlecht über; Luther 1, 3624 und Logau 3, 92 verbanden sogar Gerücht(s. d.) mit riechen. Gerücht, n.(-es, Pl.-e): umlaufendes Gerede wovon, Leumund; rühmendes Ge- rede, Ruhm(Schiller 5 ¹, 76, spätmhd. gerucht Boner Edelstein 96, 52 Var.). Mnd. geruchte, gerochte n.«das Rufen, Lärm, Hilfsgeschrei?, dann Gerede, Leumund, guter Rufy, ent- sprechend dem mhd. geruofte, gerüefte, ahd. gehruafti n.«das Rufen, Geschrei, Hilfs-., Klagerufy, md. im 14. Jh. gersfſte n.«rühmen- des Gerede, hoher Ruf». Das nd. Wort drang zunächst ins Md.(1493 geruchte n. «Lürmꝰ bei Liliencron 2, 325 b, 1495 gerüicht Weist. 1, 648) und von dort in die hochd. Schriftsprache(bei Luther Geriichte, Gerlcht n. in den heutigen Bed., noch bei Wieland Oberon 12, 39 und Lessing 2, 182 Gerüchte n.). geruhen, v.: huldvoll genehmigen, gnädig belieben. Von hohen Personen und mehr im Hofstil(1431 in den Städtechron. 5, 375, 13 vom Kaiser, 1334 ebenda 1, 419, 14 vom Burg.
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Vgl. noch


